«Sie lagen alle auf einem Haufen»

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Benno Kälin

Bergführer Toni von Allmen musste schon viele Tote bergen. Dieses Unglück war das Schlimmste, das er je gesehen hat.

Es gab keinen Zweifel, dass sie alle tot sind.» Das sagt der Bergführer Toni von Allmen (44) aus Stechelberg BE. Er hatte am verhängnisvollen Donnerstag Pikett, als die sechs jungen Rekruten über den Rottalsattel in den Tod stürzten. Von Allmen heute: «Ich war beim Grasmähen. Dann ging auf meinem Pager die Alarmmeldung ein.»

Direkt von seinem Haus wird er mit dem Heli zur Unfallstelle geflogen. In all den 21 Jahren seit Toni von Allmen Bergführer ist, musste er schon manchen Toten bergen. Einmal sogar einen 10-jährigen Knaben. «Doch die abgestürzten Rekruten sind das Schlimmste, was ich je miterleben musste. Es lässt sich in diesem Moment einfach nicht verhindern, dass man in ihre Gesichter sieht. Die toten Rekruten lagen praktisch alle auf dem gleichen Fleck, teilweise übereinander.

Sie waren immer noch aneinandergeseilt.» Der Anblick der leblosen jungen Männer erfuhr Toni von Allmen als Schock. Immer wieder mussten die jungen Männer auf dem 1000-Meter-Sturz gegen die Felswand geprallt sein. «Dazu verwundeten sie sich gegenseitig mit den Steigeisen. Sie hatten schlimme Verletzungen.» Die Bergung der Leichen war selbst für den routinierten Bergler und sein Team lebensgefährlich. Von Allmen und der Notarzt hingen durch Seile gesichert am schwebenden Helikopter. Eine Landung wäre viel zu heikel gewesen.

Von Allmen musste die Seile durchschneiden, die sich zwischen den Toten verheddert hatten. Dann befestigte er die Körper am Helikopter. Damit war sein Einsatz zu Ende. Doch die Bilder werden Toni von Allmen ein Leben lang verfolgen. «Ich habe selber zwei Kinder. Es muss für die Eltern furchtbar sein.»

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