Sie führten Mafiosi ab und vor Skandal um italienische Polizisten im Wallis

Bei der Verhaftung eines Mafioso im Wallis packten Beamte der italienischen Polizia di Stato zu und filmten. Damit machten sie sich wohl strafbar.

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In einer koordinierten Aktion wurden am letzten Dienstag im Thurgau, in Zürich und im Wallis 15 Mafiosi verhaftet und in Auslieferungshaft gesteckt. Noch am gleichen Tag twitterte die italienische Polizia di Stato ein brisantes Video. Es zeigt zwei italienische Polizeibeamte. In ihrer Mitte: Antonio N.* (60), einer der 15 verhafteten Mafiosi. Er trägt Handschellen und wird aus seiner Wohnung in Saas-Grund VS abgeführt. Sie gehen mit ihm durchs Treppenhaus, setzen ihn in einen Kastenwagen.

 

Italienische Polizisten, die ­einen Mafioso im Oberwallis abführen? Dürfen die das?

«Nein», sagt Nadine Zurkinden (33) von der Universität Basel. Die Expertin für Strafrecht hat ihre Doktorarbeit über internationale Ermittlungsgruppen geschrieben und kennt die eng gesteckten Grenzen ausländischer Polizeiarbeit in der Schweiz genau. Nachdem sie das Video gesehen hat, kommt sie zum Schluss: «Die Polizisten aus Italien haben sich möglicherweise strafbar gemacht.» Weil sie ohne Bewilligung für einen fremden Staat Handlungen vornehmen, zu denen ausschliesslich Schweizer Behörden befugt sind. «Festnahmen sind ein typisches Beispiel dafür», sagt Zurkinden. Nur mit Bewilligung des Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) seien Amtshandlungen wie das Abführen von Verdächtigen allenfalls erlaubt – «aber die werden nur sehr restriktiv gewährt».

Tatsächlich lag eine solche Bewilligung für den Einsatz am Dienstag in Saas-Grund nicht vor, wie EJPD-Sprecher Lorenz Frischknecht sagt. Das ausführende Bundesamt für Polizei (Fedpol) versucht sich herauszuwinden. Zuerst stellt sich die Behörde auf den Standpunkt, die italienischen Polizisten seien bloss dabei gewesen. Antonio N. sei von der Walliser Kantonspolizei verhaftet worden. Anschliessend habe das Fedpol eine Hausdurchsuchung durchgeführt. «Am Schluss wurde die Person abgeführt», schreibt Cathy Maret vom Fedpol. Als SonntagsBlick das Video vorlegt, behauptet das Fedpol, es handle sich um «eine medienwirksame Inszenierung», aber nicht um eine Amtshandlung.

Expertin Zurkinden bleibt dabei: Was auf dem Video zu sehen sei, sei eine Amtshandlung – und von einer blossen Anwesenheit zu unterscheiden.

 

Ob und welche Konsequenzen die skandalöse Polizeiaktion hat, war gestern unklar – zumal das Fedpol den Vorfall noch herunterspielt.

In der Zwischenzeit wartet Antonio N. auf seine Auslieferung an Italien. Er widersetzt sich einer Überstellung. Doch die dürfte nur Formsache sein: Er wurde in Reggio Calabria (I) wegen seiner Mitgliedschaft zur ’Ndrangheta zu neun Jahren Haft verurteilt.

Seinen Neffen Francesco N. (34) schnappte die Polizei in Stalden VS. Er wurde wegen seiner ’Ndrangheta-Zugehörigkeit zu sechs Jahren Haft verurteilt. In Visp VS durchsuchte die Polizei auf der Suche nach den Mafiosi drei weitere Wohnungen. Gleichzeitig setzten Schweizer Polizisten in den Kantonen Thurgau und Zürich zwölf weitere Mafiosi der Frauenfelder ’Ndrangheta-Zelle in Auslieferungshaft, sechs von ihnen sind seit Freitag gegen Kaution wieder frei und warten nun auf ihren Prozess in Kalabrien.

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 13.03.2016 | Aktualisiert am 15.03.2016
Antonio N. lebte mit seiner Frau in Saas-Grund.

Das unauffällige Leben des Antonio N.

Der verurteilte Mafioso Antonio N. (60) führte in Saas-Grund VS ein unauffälliges Leben, arbeitete bis letzte Woche am Kinderskilift von Saas-Almagell. «Er wusste, dass er irgendwann seine Strafe absitzen muss», sagt eine Bekannte. Antonios Neffe Francesco N. (34) sitzt auch in Auslieferungshaft. Er lebte in Stalden VS und arbeitete als Betonfräser in Visp VS.

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12 Kommentare
  • Albert  Regez aus Birmensdorf
    13.03.2016
    Ha,Ha, Sicherheitsapparat. Solange unsere überflüssige Luftwaffe nur während der Bürozeit in der Luft ist, wird sowieso gelacht.
    Und die 5 Miliarden für die Pseudoarmee könnte unser Land auch für anderes gebrauchen.
  • Leonardi  Massimo , via Facebook 13.03.2016
    glaubt jemand Tatsächlich die CH Polizei war nicht mit dabei? Übrigens sagt das eine Professorin von der UNI Basel,das EJPD muss sie sicher nicht informieren. Die Stellen die es Wissen müssen wussten es. Das immer so ab.
  • Domenico  Gravino aus Gordola
    13.03.2016
    Man kriegt fast das Gefühl dass ein Jeder in unser Land kommt und macht was er will, FedPol hin oder her! Genau solche Aktionen die schon bald stillschweigend hingenommen werden, geben ein schlechtes (Sicherheits-) Bild unserer Souveränität ab! Auf der einen Seite werden wir Bewundert aber die Umsetzung wird politisch verunmöglicht, sowie wir wieder einmal mehr erniedrigt werden! Auch in dieser Hinsicht müssen wir härter und glaubwürdiger werden, sonst lacht man über unseren Sicherheitsapparat.
  • Sascha  Klanke aus Pr. Oldendorf
    13.03.2016
    Klar ist es gut, dass die Mafiosi festgenommen wurden. Aber das Vorgehen der Italiener ist auf jeden Fall ein Bruch der schweizer Souveränität. Ein Rechtshilfegesuch wäre das mindeste gewesen, was man erwarten könnte. Grenzübergreifende Polizeiaktionen sind Völkerrechtsbruch. Das kann man evtl noch in der EU rechtfertigen ... aber dazu gehört die Schweiz ja nicht. Wenn ich auch kein Freund der helevetischen "splendid isolation" bin: In diesem Fall hat die Schweiz Recht ...ihre Souveränität wurde
  • Cescato  Sascha , via Facebook 13.03.2016
    Seit doch froh,das diese hochgefährliche Mafiosis entfernt werden.Wie und warum ist einfach Nebensache,in Italien riskieren diese Polizisten jeden Tag ihr Leben.
    • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
      13.03.2016
      Nein, es spielt eine Rolle: Wir haben hier ein friedliches Land, weil wir Schweizer darauf beharren, dass in der Schweiz die kantonalen Polizeikorps die Polizei erledigen. Man nennt das "Gewaltmonopol". Wo kämen wir hin, wenn nach Belieben Police Nationale, FBI, ATFund Scottland _Yard jeder nach dem Gusto seines Herren hier herumspatzieren täten?