Sepp Blatter im Zirkus: «Ich glaube nicht an die Hölle, nur an den Himmel»

Morgen urteilt die Fifa über Sepp Blatters Sperre. Gestern ging der Walliser mit seiner Enkelin in den Zirkus, trank Whisky – und gab sich zuversichtlich.

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Fröhlich ist die Stimmung im Circus Salto Natale in Kloten ZH. Der Fifa-Präsident lässt sich im Sessel nieder. «Bringen Sie mir einen Whisky», bittet Sepp Blatter (79) die Kellnerin. Er wirkt an diesem Samstag entspannter als in den Wochen zuvor.

Im Zirkus sei er «für meine Enkelin», sagt er. «Das ist eine Einladung für Selena. Sie ist in der Schule gemobbt worden.» Warum das? «Weil ihr Opa ein schlechter Mensch sein soll, ‹der Gangster der Nation›. Das hat sie sehr getroffen, so dass sie die Schule wechseln musste, von Sion zurück nach Visp.» Selena hat drei Freundinnen eingeladen.

Salto-Natale-Direktor Rolf Knie (66) persönlich begrüsst die Blatters, führt sie hinter die Bühne.

Der Patriarch bleibt sitzen, redet über die Anhörung der Fifa-Ethikkommission letzten Donnerstag. «Das Mobbing entspricht dem, was ich dem Richter gesagt habe. Das sind begleitende Schäden innerhalb und ausserhalb der Fifa durch meine Sperre.» Die Familie leide. «Und die Fifa ist heute führungslos, sie braucht dringend wieder eine Führung.»

Er selbst sei Ende Oktober beinahe gestorben. «Es war fünf vor zwölf.» Er nippt am Whisky-Glas. «Mein Immunsystem brach zusammen, ich hatte einen totalen Kollaps, zum Glück haben Kopf und Herz immer funktioniert, mein Hirn hat sich gegen den Tod gewehrt. Engel und den Teufel sah ich aber nie», so Blatter. «Ich glaube sowieso nicht an die Hölle, sondern nur an den Himmel.»

Auf Hilfe von oben zählt er wohl, wenn Fifa-Richter Hans-Joachim Eckert (67) am Montag um 10 Uhr das Urteil verkündet. Die Vorwürfe: Korruption und ungetreue Geschäftsführung. Der Antrag: lebenslängliche Sperre. Blatter fordert einen Freispruch.

Acht Stunden dauerte das Verhör. «Insbesondere Richter Eckert war sehr korrekt», sagt Blatter – und überrascht: «Der Richter sagte zu Beginn, ‹den Vorwurf der Korruption nehmen wir weg›.»

Es geht um eine Zahlung Blatters von zwei Millionen Franken an Michel Platini (60) im Jahr 2011 – für eine Leistung, die der Franzose von 1999 bis 2002 erbrachte. Weitere Details zum Verhör gibt Blatter nicht preis. Nur: «Ich hatte am Schluss das Gefühl, die Gerechtigkeit wird obsiegen.»

Blatter sitzt im VIP-Abteil. Wer ihn sieht, zückt das Smartphone, fotografiert ihn. «Dürfen wir ein Selfie mit Ihnen machen?», fragt ein Paar. «Ja, sicher», sagt Blatter. Pfiffe gibt es keine für ihn.

Die Presse habe ihn vorverurteilt, klagt Blatter und spricht nun in der dritten Person: «Es ist plötzlich modern geworden, auf Sepp Blatter zu schlagen.» Warum?

«Anfänglich aus Eifersucht: Warum muss jetzt dieser Blatter, der ja nur Journalist war, erst Generalsekretär werden, dann Fifa-Präsident und dazu ein grosser Präsident?» Aus Neid wurde Hass, sagt er. Dann, etwas esoterisch: «Hass kennt keine Grenzen. Hass ist stärker als Liebe. Liebe ist Feuer. Hass ist Kälte. Hass tötet.» Ausserhalb Europas, «in China, Indien, Russland, Japan, da schlägt niemand auf mich», betont er.

Sein Sprecher unterbricht. 70 Journalisten hätten sich zu seiner Medienkonferenz am Montag angemeldet. Was Blatter freut – und zum Scherzen anregt. «Gehen wir doch ins Hallenstadion!» Zuerst aber geht er in den Zirkus.

Publiziert am 20.12.2015 | Aktualisiert am 20.12.2015
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Mit Riesen-Pflaster im Gesicht Hier kommt Blatter zum Showdown

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12 Kommentare
  • Renato  Wyss aus Wallisellen
    20.12.2015
    Wer sich in der Welt umgesehen hat, der weiss, wie die Dinge ablaufen. Leider gibt es bei uns viele, die nie mit solchen Situationen konfrontiert waren. Auch Lobbyismus in BE ziehlt in dieselbe Richtung!
  • Pascal  Meier 20.12.2015
    Was Sepp Blatter für die FIFA und den Weltfussball geleistet hat, sucht seinesgleichen. In kleinen Afrikanischen Ländern ist die Korruption so alltäglich wie bei uns der Kaffee am Morgen. Länder wie die USA wollen uns ihre heuchlerische Moral aufdrängen und den Bankenplatz Schweiz zerstören, oder zumindest auf Mindestmaß schrumpfen. Sepp Blatter war der letzte seiner Generation und er hat einen guten Job gemacht! Dass nun sogar Schweizer gegen Blatter sind, zeigt wie manipulierbar wir sind!
    • Michael  Rudolf 20.12.2015
      Was wollen sie damit sagen, B sei der letzte seiner Generation? Einer Generation, die wie die Afrikanischen Länder korrupt ist? Oder die den Finanzplatz CH zerstören will?
  • Myla  Senn 20.12.2015
    Wieso soll sich Blatter vor dem Teufel fürchten? Der besticht den doch hoch genug, damit er in den Himmel kommt. Letzthin hat er offenbar auch Petrus bestochen, damit er noch ein wenig auf Erden weilen kann....
  • Albert  Knoll 20.12.2015
    Ich wünsche dem Sepp alles Gute. Er hat die FIFA von einem Hinterhof-Verein zu einem Wirtschafts-Imperium aufgebaut. Dafür zeuge ich ihm Respekt. Und auch dafür, dass er durch sein soziales Engagement das Leben vieler Menschen in Entwicklungsländern verbessert hat. Er hat seine Macht und das Geld nicht dazu benutzt, um in anderen Ländern Krieg zu stiften, wie dies höchst respektierte Personen aus der Rüstungs-Industrie tun.
  • beat  loser aus st.gallen
    20.12.2015
    Herr Blatter, wie kommen Sie den jetzt noch aus mit dem Bundesrat und anderen möchte gern hohen Menschen aus der Wirtschaft ?.
    Würde fast Wetten, dass die Sie hängen Gelassen haben, da sieht man was für Schlappe Menschen sind wenn ich Recht hatte mit meiner Annahme. Frohe Festtage und alles Gute.