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Gleich ist es so weit: Simon Ammann steht vor dem längsten und weitesten Sprung seines Lebens. Dieser Flug wird wesentlich weiter gehen als die 233 Meter, die der Toggenburger im letzten Winter auf der Flugschanze im slowenischen Planica gesprungen ist. Der Weg zum Start führt in diesem Fall nicht wie in Planica über eine Treppe, sondern über ein Propellerflugzeug, das erst auf 4000 Metern über dem Flugplatz von Beromünster «anhält» und sich den Passagieren zum Aussteigen öffnet. Dann wird der Überflieger von Salt Lake City 2002 seinen ersten Sprung als frisch brevetierter Fallschirmpilot absolvieren.
Dieses Brevet hat der Harry Potter der Skisprungschanzen in Rekordzeit erarbeitet – 33 Sprünge reichten dem Zauberlehrling aus, bis er die Lizenz für die ganz grossen Sprünge in der Tasche hatte. Und das selbstverständlich ohne jeglichen Promi-Bonus. «Simon bringt fürs Fallschirmspringen genau so viel Talent mit wie fürs Skispringen», bestätigt Karsten Dieck, Ausbildungsleiter vom Paraclub Beromünster.
Der Weltmeister von 2007 nimmt dieses Kompliment aus berufenem Munde dankend an und schiebt lachend nach, dass «die Stimmung beim Fallschirmen wesentlich lockerer ist als vor einem Wettkampf auf der Schanze.» Doch Ammann hat nicht nur aus Fun und der gelösten Stimmung wegen mit dem Fallschirmspringen begonnen. «Ich wollte in der Vorbereitung auf die Olympiasaison ganz einfach einen neuen Reiz setzen. Und das ist mir, so glaube ich, gelungen. Ich kann beim Fallschirmspringen sehr viele Dinge tun, die mir auf der Schanze weiterhelfen», sagt der Mann mit acht Weltcupsiegen. «Seit ich mit dem Fallschirm fliege, springe ich viel lockerer von den Schanzen. Grund: In 40 Sekunden freiem Fall kann ich diverse Flugpositionen ausprobieren, ich lerne mit der Luft zu spielen. Für solche Tests bleibt dir bei einem normalen Skisprung, der rund drei Sekunden dauert, kaum Zeit.»
Viel Zeit bleibt ihm auch nicht mehr; der Propellerflieger hat nämlich die Absprunghöhe erreicht.
Bevor der König der Schanzen zum Mega-Flug loslegt, klatscht er mit seinen Kollegen ab und greift noch einmal an den Bleigurt, den er speziell für diesen Sprung trägt. «Diesen habe ich umgeschnallt, damit ich mit meinen 60 Kilo Lebendgewicht in der Luft nicht den Anschluss zum wesentlich schwereren Freifall-Fotografen verliere…»
Und los gehts: Fotograf Marco Schriber springt voraus, Simon hechtet ihm mit einem Jauchzer Kopf voran hinterher. «Dank» dem Bleigurt kommt er diesmal nicht in den Genuss von 45, sondern lediglich von 40 Sekunden Freifall. Dafür glänzt unser Jahrhundertspringer am Boden mit einer traumhaften Punktlandung.
Sofern Simon Ammann auch heute beim Einzelspringen des Sommer-GP in Hinterzarten mit einer solchen Landung glänzt, werden die Punkterichter auf jeden Fall nicht darum herumkommen, die Maximalnote zu ziehen.