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Knall auf Fall! Auf die Schweizer Olympia-Böbler trifft diese Redewendung zu. Mit den Trainingsstürzen im Zweier hatten die Spiele für sie schlecht begonnen. Mit den beiden medaillenlosen Olympia-Rennen und zuletzt dem Vierer-Absturz auf Rang sechs haben sie noch viel schlechter aufgehört.
Nicht, dass Ivo Rüegg, der einzige einsatzfähige Pilot am grossen Druck zerbrach, ist dabei der Skandal. Die Auftritte der gesamten Schweizer Bob-Delegation war ein Debakel. Von A bis Z von Trainern und Funktionären ausser Kontrolle – auch nicht von Swiss Olympic.
Und das ist es, was Bob-Verbandspräsident Peter Schmid zum Handeln zwingt. «Ich bin zwar nicht für das Sportliche verantwortlich», sagt er. «Mein Job ist es, den Athleten und den Trainern leistungsgünstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber was hier passiert ist, müssen wir genau analysieren und danach die Konsequenzen ziehen.» Es sei zwar schön, wenn man nach Erfolgen anstossen dürfe. Aber aus Niederlagen könne man am meisten lernen.«
Werden nach dem Olympia-Total-Crash im Bob-Verband Köpfe rollen? Mit Sicherheit! Schmid sagts zwar (noch) nicht so direkt, aber seine Andeutungen machen es klar: Wer nicht zu 120 Prozent als Team auftritt und so lebt, riskiere, dass man nach besseren Lösungen suchen müsse.
Da entschuldigt sich im Nachhinein Markus Wasser, Delegationsleiter der Böbler, dass die Kommunikation nach aussen schlecht war, nennt sogar eine Pressekonferenz am Tag des Abschlusstrainings als möglichen Absturz-Grund des Vierers.
Oder Dominik Scherrer, Chefcoach im Team, klagt, weil es mit dem erwarteten Startvorsprung trotz der Zusatz-Power von Beat Hefti nicht geklappt hat. «Wir sind nur so gut gestartet wie die andern, aber eben nicht besser. Auf dieser Bahn kommt es halt nicht auf die Laufleistung der ersten 50 Meter an, sondern auf den Initialschub vom Abstossbalken weg.»
Die Bahn mit ihren Eigenheiten war dem Trainer seit über einem Jahr bekannt, weshalb wurde das Training nicht darauf ausgerichtet? Mehr explosive Sprünge, statt vorwiegend Sprints. «Man kann einen Läufer nicht so einfach umpolen», Scherrers Argument ist die Kapitulation eines Trainers.
Lags am Material? Die Bob-Crew ist sich einig: Für den Erfolg habe einfach überall ein bisschen gefehlt. Dass Ivo Rüeggs Schlitten langsam gewesen sein soll, widerlegt die Speedmessung im letzten Durchgang: Mit 151,6 km/h waren die Schweizer in der Schlusskurve die Allerschnellsten im gesamten Feld!
Dass die Schweizer Heimbahn von St. Moritz für unsere Piloten zum Handicap wird, weil sie dort die Schwierigkeiten der modernen Kunsteis-Bahnen nicht mehr üben können, darauf hat Schmid bereits reagiert: «Wir haben mit den Deutschen einen Deal gemacht, damit wir künftig vermehrt auf der schwierigen Bahn in Altenberg trainieren dürfen.»
Und die enttäuschten Schweizer Olympia-Athleten? Gegenüber vom Freitag haben sie sich nach der zweiten Wettkampfhälfte nicht mehr mit gegenseitigen Vorwürfen öffentlich fertig gemacht. «Wir haben alles versucht, haben alle unser Bestes gegeben. Aber es hat hier am Tag X gegen die starken Gegner im Unterschied zum Weltcup einfach nicht gereicht», sind sich Rüegg, Hefti, Grand und Lamparter einig.
Das klingt verdächtig nach Maulkorb. Ob Ivo Rüegg und Cédric Grand nach ihrem besten Olympia-Ergebnis – Platz vier im Zweier – und dem Vierer-Absturz zurücktreten, lässt das Duo offen. «Das wollen wir zu Hause in Ruhe entscheiden.»
Mit oder ohne Ivo Rüegg – Verbands-Präsident Schmid gibt sich trotzig: «Es ist eine Enttäuschung, aber der Schweizer Bob-Sport geht nicht unter. Es ist jetzt mein Job, das Flaggschiff mit den richtigen Massnahmen aus der Krise zu führen.»