ZÜRICH – Wie können wir die Klimakatastrophe verhindern? ETH-Ratspräsident Alexander Zehnder macht uns Mut: Die
Technik ist unsere Rettung.«Wir müssen eine 2000-Watt-Gesellschaft werden», fordert der ETH-Professor. Das bedeutet: Jeder von uns muss seinen Energieverbrauch reduzieren – im Durchschnitt auf einen Drittel des heutigen. Denn egal, ob wir jetzt neue AKWs bauen oder den Solarstrom fördern, bald können wir nicht mehr genug Strom für alle produzieren (im BLICK).Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr der Energiehunger. Und wir dürfen nicht immer mehr Erdgas und Kohle verfeuern. Denn das vervielfacht den CO2-Ausstoss. Deshalb gibts für ETH-Professer Zehnder nur eine Lösung: Energiesparen. 2000 Watt pro Person im Jahr sind genug, sagt Zehnder. Das entspricht 1700 Liter Benzin. Ein Auto fährt damit 21 000 km. Heute aber verbraucht jeder Schweizer 6000 bis 6500 Watt. Wie soll das gehen: Energiesparen – und erst noch ohne auf Komfort zu verzichten? Zehnder sagt wie:Gebäude 80 Prozent der Häuser müssen in den nächsten 20 Jahren massiv saniert werden. Ihr Energieverbrauch muss auf Minergie-P-Standard runter. Die ETH ist sogar schon einen Schritt weiter. In Dübendorf ZH hat sie ein Haus gebaut, das allein mit Sonnenlicht und Erdwärme geheizt wird und die Wärme nutzt, die Mensch und
Computer abstrahlen.
Haushalt Grösste Stromfresser sind Elektroherd und Kühlschrank. Das Bundesamt für
Energie führt eine Liste mit Haushaltsgeräten, die drei- bis fünfmal weniger Strom fressen. Stromsparlampen verbrauchen nur ein Fünftel des Stroms. Australien verbietet bereits herkömmliche Glühbirnen. Und will damit den Gesamtstromverbrauch um 20 Prozent senken. Auto Automotoren mit einem Verbrauch von nur zwei Litern auf 100 Kilometern existieren bereits. Laut Zehnder ist bald auch die Technik reif, die aus ihnen die heute gewohnte Leistung herausholt. Hybridfahrzeuge wie der
Toyota Prius zeigten in die richtige Richtung. Das Problem: Die Schweiz wird nicht so schnell neu gebaut. Und bevor die Autohersteller den Markt mit neuen Fahrzeugtypen aufmischen, wollen sie ihre bisherigen Fabriken amortisieren. Zehnder: «Ohne neue Bauvorschriften und Lenkungsabgaben geht es nicht.»Er ist überzeugt: Mit der bestehenden Technik liesse sich der Energierverbrauch auf 3000 Watt halbieren. Für die letzten 1000 Watt aber müsste zunächst ein grosses Problem gelöst werden: Wie kann das menschliche Bedürfnis nach Mobilität befriedigt werden, ohne den Energieverbrauch zu steigern? So erhöht ein einziger Australienflug die persönliche Bilanz um 3000 Watt. Wofür? Wie viel Watt? (in %) Wohnen total 2883 (47%) Heizen 873 (14%) Stromverbauch der Haushaltsgeräte 568 (10%) Herstellung von Herd oder Kühlschrank 518 (8%) Nahrungsmittel (Produktion und Transport) 924 (15%) Mobilität total 1661 (25% Auto: Benzin- oder Dieselverbrauch 956 (15%) Herstellung/Wartung des Fahrzeugs 399 (6%)
Zug, Tram, Bus: Treibstoff 77 (1%) Herstellung der Fahrzeuge 90 (1%) Flugreisen: Kerosin-Verbrauch 124 (2%) Herstellung/ Wartung der Flugzeuge 15 (0%) Diverses total 1755 (28%) Privatkonsum (Kleider, Coiffeur usw.) 1342 (21%) Öffentliche Güter (Kehrichtverbrennung, Kläranlagen) 413 (7%) Gesamtverbrauch Pro Person und Jahr in einer vierköpfigen
Familie 6300 (100%)