Professor Beda Stadler fordert: Zwangsimpfung für Armee, Spitäler, Arztpraxen und Heime

  • Aktualisiert am 03.01.2012

Spitalaufenthalt oder Armeedienst sind nicht freiwillig – die Schweinegrippe-Impfung für Pfleger oder Offiziere aber schon. Das passe nicht zusammen, sagt Immunologe Stadler.

BLICK: Herr Stadler, eine Mehrheit der Schweizer will sich nicht impfen lassen. Muss sie auch nicht, oder?
Beda Stadler:
Es kommt darauf an, wo sie arbeiten und mit wem sie Kontakt haben.

Sie sind für die Zwangsimpfung?
Nicht generell. Ich finde zwar, jeder sollte sich impfen lassen – für sich selbst, aber auch aus Solidarität mit allen anderen, die man anstecken könnte. Aber ich bin gegen eine Zwangsimpfung der ganzen Bevölkerung. Weil der Staat nicht das Recht dazu hat. In Institutionen wie Armee, Spitälern oder Arztpraxen sieht das jedoch anders aus.

Inwiefern?
Soldaten zum Beispiel sind in der Regel nicht freiwillig in der RS oder dem WK. Wenn sie sich dort verletzen oder krank werden, sollen sie von geimpften Sanitätssoldaten betreut werden. Bei ihnen wäre ich darum für ein Impf-Obligatorium.

Bei wem sonst noch?
Bei jenen, die freiwillig und gerne im Militär sind: den Offizieren und Berufsmilitärs. Und folglich auch bei allen, die freiwillig in Spitälern, Praxen und Heimen arbeiten.

Bei Ärzten und Pflegepersonal?
Ja, da gehört ein Obligatorium her, von mir aus durchgesetzt mittels eines Pflichtenhefts oder mittels des Arbeitsvertrags. Vergleichen Sie das einmal mit einem Chauffeur: Der kann sich auch nicht aussuchen, ob er einen Fahrausweis hat, oder ob er während der Arbeit trinkt. Genauso sollte eine Pflegeperson einen Impfausweis vorlegen müssen. Schliesslich muss ja niemand dort arbeiten, wenn er nicht will.

Wieso ist eigentlich das Medizinalpersonal so impfmüde?
Zum einen sagen sich wohl viele Pflegende: ‹Dann werde ich halt krank, falle für ein paar Tage aus, kann mich pflegen, ausschlafen und wieder mal Soap-Operas schauen.› Es gibt eben überall Eigennutz.

Und zum anderen?
Beschäftigte in Spitälern oder Heimen sind den ganzen Tag mit schweren Krankheiten konfrontiert – und überleben. Das gibt den Eindruck, dass einem die Krankheiten nichts anhaben können. Es sind zwar zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, aber man verbindet sie, weil sie gleichzeitig stattfinden. Den Fehler machen Impfkritiker meistens.

Wie meinen Sie das?
Folgendermassen: In Schweden begann die Impfaktion, fünf Leute starben – und prompt verband man diese beiden zeitlich zusammenfallenden Tatsachen. ‹Fünf Impftote› hiess es. Dass die fünf Schweden einfach gleichzeitig an etwas anderem gestorben sind, das kommt dann in der Regel erst später heraus.

Solche Toten während Impfaktionen wird es immer wieder geben.
Genau. Darum muss man aufklären, Zusammenhänge aufzeigen. Dennoch: In manchen Lebensbereichen gehört eine Zwangsimpfung her. Bei der Pflege und im Militär finde ich: Wer dort arbeiten will – der hat sich impfen zu lassen.

Beda Stadler: «Viele Pfleger sagen sich: ‹Dann werde ich halt krank, falle für ein paar Tage aus, kann mich pflegen, ausschlafen und wieder mal Soap-Operas schauen.›»- Keystone

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