Zuwanderung Informatiker und Softwareentwickler sind weiterhin gefragt

Die fortschreitende Digitalisierung erfordert in den nächsten Jahren tausende ausgebildete Informatiker und Softwareentwickler auf dem Arbeitsmarkt. Der Verband ICT-Berufsbildung Schweiz schlägt nun Alarm: Es fehlten rund 25'000 Fachkräfte - Tendenz steigend.

Ausgebildete Informatiker gesucht: Fachkräftemangel in IT-Branche play
Junge Informatiker braucht das Land: Laut dem Branchenverband ICT-Berufsbildung Schweiz gibt es bis ins Jahr 2024 einen Mangel von 24'000 Fachkräften. (Symbolbild) KEYSTONE/AP/ELAINE THOMPSON

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Trotz deutlich mehr Ausbildungsplätzen und stetig stark steigender Beschäftigungszahl bleibe die Situation angespannt, schreibt die Branchenorganisation in einer Mitteilung vom Mittwoch. «Das ICT-Berufsfeld wächst doppelt so schnell wie das der Gesamtwirtschaft.» Die Zahl der Beschäftigten stieg seit 2013 um 13'000 auf 210'800 Personen.

Die aktuelle Studie des Berufsverbands prognostiziert bis ins Jahr 2024 einen Mangel an 25'000 Fachkräften. «Wollen wir weiter erfolgreich sein, müssen wir weiterhin in die berufliche Grundausbildung sowie in die Weiterbildung investieren und sind auf hoch qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen», bilanziert die Untersuchung. Besonders gefragt seien Führungskräfte und Softwareentwickler.

Dieser Bedarf dürfte aber mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative schwierig zu decken sein. Deshalb könnte sich der zu erwartende Fachkräftemangel bis ins Jahr 2024 von 25'000 auf 35'000 Personen erhöhen.

«Die Erhöhung der Drittstaatenkontingente ist wichtig, in diesem Zusammenhang aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein», kommentiert der Branchenverband die Entwicklung. Eine Bildungsoffensive auf allen Stufen sei absolut notwendig.

Geschehe dies nicht, müsse die Wirtschaft auf dem Gebiet der Informatik Quereinsteiger einsetzen oder Aufgaben ins Ausland verlagern. «Wachstumschancen könnten nicht genutzt werden.» Und dies in einer Branche, die nach eigenen Angaben einen grösseren Wertschöpfungsbeitrag leistet als die Pharma-, Detailhandels- oder Logistikbranche.

Ein Grund, auch vermehrt auf die Ausbildung zu setzen: Seit 2010 konnte die Zahl der Lehrstellen laut ICT-Berufsbildung Schweiz von 7200 auf fast 9200 erhöht werden. Zudem seien in den vergangenen Jahren bedarfsorientiert eidgenössische Berufsabschlüsse für die Nachqualifikation geschaffen worden, beispielsweise die Diplomprüfung für ICT-Manager.

Trotzdem sei das Thema Informatikausbildung in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden, sagte ICT-Berufsbildungsmitglied und Nationalrat Christian Wasserfallen (FDP/BE) vor den Medien in Bern. «25'000 zusätzliche Fachkräfte auszubilden, ist eine grosse Anstrengung.»

Junge Leute müssten möglichst früh sensibilisiert und begeistert werden für den Informatikberuf, sagte ICT-Berufsbildungschef Jörg Aebischer. Das gelte besonders, weil die Branche keine lange Tradition habe in der Schweiz.

Nach konkreten Massnahmen befragt, sagte Aebischer, dass es nicht etwa mehr iPads und Computer in den Primarschulen brauche. Aber in den Lehrplänen sollte mehr Wert gelegt werden auf logisches Denken, Reflexion und Mathematik.

Zudem sollten vermehrt Frauen für den Beruf gewonnen werden. Zurzeit liegt ihr Anteil in der Branche nur bei rund 10 Prozent. Das ist verglichen mit osteuropäischen Ländern ein sehr tiefer Wert. «Hier müssen wir ansetzen», sagte Aebischer. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Mädchen laut Studien grössere Mathematikfähigkeiten aufweisen als Knaben. (SDA)

Publiziert am 02.11.2016 | Aktualisiert am 02.11.2016
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