«Mir hat die Menschlichkeit gefehlt #adezäme» Spiess-Hegglin tritt aus Zuger Kantonsrat aus

Jolanda Spiess-Hegglin tritt als Zuger Kantonsrätin zurück. Die fraktionslose Parlamentarierin fühlte sich laut eigenen Angaben nicht mehr wohl im Gremium, wie sie heute dem Lokalsender «Radio Sunshine» sagte.

Jolanda Spiess-Hegglin, zuletzt engagiert in der Piratenpartei, zieht sich nach eigenen Angaben aus der Politik zurück. (Archivbild) play
Jolanda Spiess-Hegglin, zuletzt engagiert in der Piratenpartei, zieht sich nach eigenen Angaben aus der Politik zurück. (Archivbild) KEYSTONE/WALTER BIERI

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«Im Kantonsrat hat mir immer ein bisschen die Menschlichkeit und die Empathie gefehlt. Es war kalt, bedrückend für mich», sagte sie.

Der Entscheid für den Rücktritt sei aus persönlichen Gründen gefallen. Sie habe sich nicht zuletzt aus Rücksicht auf ihre Familie so entschieden. «Wir möchten wieder mehr Zeit haben miteinander», sagte sie.

 

Sie wolle ihre Freizeit nicht in den Rat stecken, in dem sie sowieso keine Chance auf Erfolg habe. Es sei schon bei den Alternativen Grünen schwierig gewesen, als fraktionslose Piratin sei sie nun ganz allein gewesen. «Das macht einfach keinen Sinn», sagte sie.

Auf Twitter zwitscherte sie heute Mittag krypitsch: #adezäme. Jetzt ist klar, wieso.

Spiess-Hegglin war bereits in den letzten Kantonsratssitzungen sehr oft abwesend. Sie will sich gemäss dem Lokalsender künftig in einem Verein engagieren, der sich um Opfer von Internetmobbing kümmert.

Grosser Auftritt im Schweizer Fernsehen

Spiess-Hegglin war durch die sogenannte Zuger Sex-Affäre schweizweit bekannt geworden. Am Morgen nach der Landammannfeier im Dezember 2014 hatte sie sich gemäss eigenen Angaben ohne Erinnerungen an den vorangegangenen Abend und mit Unterleibsschmerzen ins Spital begeben. Ihr Kantonsratskollege Markus Hürlimann geriet daraufhin in den Verdacht, sie mit K.-o.-Tropfen gefügig gemacht zu haben.

Hürlimann hatte dies stets bestritten. Es habe zwar eine Annäherung gegeben, diese sei jedoch einvernehmlich erfolgt. Rechtlich ist die Affäre abgeschlossen. Das Verfahren gegen Hürlimann wurde im vergangenen September eingestellt.

Ganz aus dem Licht der Öffentlichkeit wird sich Spiess-Hegglin aber nicht zurückziehen. Im Gegenteil. Am Sonntag, 27. November, strahlt SRF einen «Reporter»-Beitrag aus. TV-Journalistin Vanessa Nikisch hat Jolanda Spiess-Hegglin die letzten zwei Jahren mehrmals getroffen. Dabei ging es nicht um die Frage, was in dieser Nacht wirklich geschah, sondern wie die 35-Jährige ihre familiäre und politische Zukunft retten will. Titel der Sendung: «Jolanda Spiess-Hegglin und ihr Ruf - Der Versuch, Ehre und Normalität wieder herzustellen.»

Vielleicht ist ihr Rückzug aus der Politik ein erster Schritt dazu. (SDA/bö)

Publiziert am 24.11.2016 | Aktualisiert am 24.11.2016
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