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Für die Eröffnungsgala des Zürcher Filmfestivals hatte Stadtpräsidentin Mauch noch Zeit... (Keystone)
Die Stadt Zürich ist Ko-Sponsor des Filmfestivals. Es war deshalb eine angenehme Pflicht der neuen Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), die Eröffnungsrede zu halten. Nach dem Gang über den roten Teppich lobte Mauch die Festivalgründer für deren Mut und Engagement.
Die Stadtpräsidentin selber hat dieser Mut offensichtlich verlassen, nachdem sich die Ereignisse diese Woche überstürzt hatten. Stargast Polanski wurde bekanntlich nicht für seine Filme geehrt, sondern nur unweit von Mauchs Büro in Auslieferungshaft gesetzt. Die ganze Welt debattiert über Für und Wider der Verhaftung, nur Stadtherrin Mauch schweigt.
Mauch lässt Festival im Regen stehen
«Die Verhaftung von Herrn Polanski fällt nicht in die Zuständigkeit der Stadt Zürich. Aus diesem Grund äussert sich die Stadt nicht zur Verhaftung von Herrn Polanski», lässt ein Sprecher der Stadtpräsidentin auf Anfrage von Blick.ch trocken ausrichten.
Mauch persönlich nimmt keine Stellung. Ganz zum Ärger auch bei den Festival-Verantwortlichen. Dort lässt man durchblicken, dass sie gerne eine Wort der Solidarität aus dem Munde der Stadtpräsidentin gehört hätten.
Nun stehen die Festival-Macher ziemlich blöd da. Kein Wunder: Sie laden einen weltberühmten Regisseur zu einer Ehrung mit staatlicher Beteiligung ein. Und der gleiche Staat verhaftet diesen Gast schon am Flughafen.
Hilflos lässt Mauchs Sprecher ausrichten: «Die Stadt bedauert für das Filmfestival, dass durch die Verhaftung das Programm und die Filme des Festivals in den Hintergrund gedrängt werden.»
Blocher: «Das wäre uns erspart geblieben»
Der ehemalige Justizminister Christoph Blocher bringt es in der neusten Ausgabe seines «Teleblocher» auf den Punkt: «Man hätte Herrn Polanski gar nie offiziell einladen dürfen. Man hätte ihm nur sagen müssen, dass man ihn wegen des Auslieferungsbegehrens verhaften müsste. Dann wäre er gar nicht erst gekommen und der Mais wäre uns erspart geblieben.»
Auf diese Idee kam offensichtlich niemand in Zürich. Zwar war die Vergewaltigungsstory und der Haftbefehl bekannt. Trotzdem dachten die Gastgeber keine Sekunde daran, dass die Polizei ihnen einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Schliesslich war Polanski kurz vor seiner Zürich-Visite noch Gast in Wien. Trotz Haftbefehl liess man Polanski dort in Ruhe.
Die grossen Negativ-Schlagzeilen hat jetzt die «kleine Weltstadt» Zürich, wie sie sich selber gerne nennt.
Dass die neue Stadtpräsidentin jetzt auf Tauchstation geht, verwundert nicht. Schon vor der Affäre Polanksi vermissten viele ihre Präsenz. «Die Stadtpräsidentin ist eine graue Maus», sagt Kritiker und PR-Berater Philippe Welti. «Sie gibt als erste Verkäuferin der Stadt ein trauriges Bild ab.»
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Ungewisse Zukunft: Roman Polanski, Starregisseur und Auslieferungshäftling. (Keystone)