Auf der Mauer, auf der Lauer … Wanzen-Alarm in Winterthurer Beizen

  • Publiziert: 19.07.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

WINTERTHUR - ZH - Wanzen plagen die Winterthurer Wirte und ihre Gäste. Mit Gift will die Stadt aber dennoch nicht anrücken. Denn es gibt eine banal einfache Lösung gegen die aufdringlichen Invasoren.

«Dieses Jahr ist es wieder ganz schlimm», sagt die Wirtin vom «Schäfli», Eva Pavlik, gegenüber Blick.ch. «So wie vor vier Jahren, da wurden wir regelrecht überrannt.» Pavlik spricht von einer Invasion, gegen die sie und ihre Gäste machtlos sind: dem Befall von Wanzen.

Die Platane- Netzwanzen plagen derzeit nicht nur das «Schäfli» – die gesamte Winterthurer Grabenallee mit ihren Gartenbeizen leidet laut «Landboten» unter ihnen. Denn der etwa drei Millimeter grosse Krabbler fällt von den Platanen, lässt sich im Wind treiben – und landet in Tellern, auf Schultern und in Gesichtern. Und das in Massen diesen Sommer. «Wir sind auf unseren schwarzen T-Shirts übersät von den Viechern», klagt ein anderer Wirt. «Das ist für die Gäste kein schöner Anblick.»

Niemand isst gerne Spaghetti à la Wanzeria – und ausserdem zahlen die Wirte für ihre Gartenbeizen Miete. Deswegen müsse die Stadt erst recht etwas gegen den Schädlingsbefall unternehmen, finden sie. «Doch die Stadtgärtnerei sagte mir, dass sie nichts machen könnten. Mit Pestiziden gegen die Wanzen vorzugehen, sei nicht möglich, das sei ein politischer Entschied», sagt Wirtin Pavlik. Dabei wäre es doch so einfach: «Spritzen, und dann wäre das Problem einen Sommer lang weg.»

«Wanzen sind herzig!»

Tatsächlich will man heute Pestizide nur bei akuter Gefährdung von Bäumen oder Menschen einsetzen. Die ganze Allee mit Pestiziden abzuspritzen, wäre eine grossflächige Aktion, unter der das ganze Gebiet betroffen wäre. «Das gibt ökologisch keinen Sinn, zumal alle Tiere, auch Vögel, in den Bäumen davon betroffen wären», sagt Isabelle Landau Lüscher von der Zürcher Schädlingsbekämpfungsstelle. «Eine Ausrottung der Wanzen kann damit nicht bewirkt werden, höchstens eine Abnahme der Population. Und beim nächsten Regen wird das Gift weggewaschen.»

Die Wanzen sind in grosser Zahl zwar lästig, aber, so versichert Schädlingsexpertin Landau, ungefährlich. «Wenn wir Wanzen hören, denken wir meist an Bettwanzen. Die stechen und sind unangenehm. Doch die Platanen- Netzwanzen schaden niemanden. Die sind, schaut man sie unter der Lupe an, sogar herzig: ganz filigran mit vielen feinen Äderchen.»

Einfache Lösung

Zu den Plantanen – typische Stadtbäume im Übrigen – gehören die Wanzen eben dazu. Diesen Sommer ist der Befall wohl tatsächlich stärker als sonst. «Es war zunächst sehr feucht, und jetzt ist es halt sehr heiss. Das ist für Insekten grundsätzlich gut», sagt Max Ruckstuhl von der Zürcher Fachstelle Naturschutz.

Die Wanzen vermehren sich so umso schneller. Und: Es fehlt der natürliche Gegner, der ihnen den Garaus machen könnte. Kein Gift, kein anderes Tier – gegen die Wanzen ist also kein Kraut gewachsen. Doch die Winterthurer Wirte sind dennoch nicht ganz machtlos. Die Lösung gegen die ungebeteten Gäste ist banal einfach: Sonnenschirme aufstellen. (gux)

Wanzen-Wissen

Die Larven der Platanennetz-Wanze und der Platanen-Wanze schlüpfen im Frühjahr und ernähren sich vom Chlorophyll der jungen Blätter. Bis Juli sind die Tiere voll entwickelt und legen die Eier der zweiten Generation. Im Herbst suchen sie sich dann einen Platz zum Überwintern unter der Rinde alter Platanen. Auch Fensterrahmen und Häuser können zum Zufluchtsorts werden. Die Wanzen sind für den Menschen nicht schädlich. Stark befallene Bäume verlieren aber ihr Laub früher. Wird ein Baum mehrere Jahre hintereinander geschwächt, kann er absterben.