Riesen-Oggenfuss über Carlos: «Vielleicht sollte er ins Ausland gehen»

ZÜRICH - Erstmals nehmen Carlos Betreuer von der Riesen-Oggenfuss GmbH in einem Zeitungsinterview Stellung zu Carlos Sondersetting. Wie es jetzt mit dem Gewalttäter weitergehen soll, wissen sie noch nicht.

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So viel kostet Carlos im Monat.

(Screenshot Justizdirektion Zürich)

«Um Carlos machen wir uns grosse Sorgen. Wir wissen nicht wie es weitergehen soll», sagen Carlos Betreuer Rolf Riesen und Anna-Lisa Oggenfuss von der Massnahme-Institution Riesen-Oggenfuss GmbH.

Der Messerstecher Carlos sitzt im Moment im Gefängnis Limmattal. Das Obergericht hatte gestern eine Beschwerde gegen die Einweisung in die Strafanstalt abgelehnt.

«Unter den jetzigen Umständen wird es schwierig, für Carlos nach dem Gefängnisaufenthalt eine Anschlusslösung zu finden. Vielleicht ist es am besten, wenn er ins Ausland geht», erklären die Betreuer in einem Interview mit der «NZZ».

Keine Drogen, keinen Alkohol

Weiter rechtfertigen die beiden Verantwortlichen die Sondermassnahmen für Carlos. Er habe im 29'200 Franken teuren Sondersetting «deutliche Fortschritte» gemacht. Er habe keine Drogen mehr genommen, trank keinen Alkohol mehr und lebte erstmals einen geregelten Alltag.

Zu Beginn der Therapie sei daran nicht zu denken gewesen: «Als wir ihn kennenlernten, hatte er unter dem Einfluss von Haschkonsum derart heftige Ausbrüche, dass ein pädagogisches Arbeiten mit ihm vorerst nicht möglich war.»

«Thai-Boxen nur Mittel zum Zweck»

Zum Erfolg beigetragen habe das Thai-Box-Training. «Für uns war immer klar, dass das Thai-Boxen nur Mittel zum Zweck sein kann.» Im Training habe Carlos Respekt, Achtsamkeit und Disziplin gelernt. «Thai-Box-Trainer Shemsi Beqiri und seinen drei Brüdern haben Carlos in den Senkel gestellt, wenn es nötig war, und zum ersten Mal hat Carlos eine Autorität akzeptiert.»

Ist Thai-Boxen nicht eine sehr riskante Massnahme für einen Gewalttäter? Antwort der Betreuer: «Mag sein, doch der Erfolg gab uns recht.»

Rayonverbot für die Stadt Zürich

Die Beqiris hätten Carlos aufgenommen und ihn überall mitgenommen. «Er hat bei ihnen gegessen, und er hat sich mit ihnen gestritten.» Dadurch sei Carlos von seiner langjährigen Peer-Group rund um die Zürcher Langstrasse weggekommen. «Um das abzusichern, haben wir für ihn (...) ein Rayonverbot für die Stadt Zürich veranlasst.» Daran habe sich Carlos gehalten.

Von der Öffentlichkeit wurden vorallem die hohen Kosten für das Sonder-Setting (29'200 Franken) kritisiert. Doch die Verantwortlichen der Riesen-Oggenfuss GmbH empfinden diesen Betrag als normal. Die Betreuung von Carlos sei sehr anspruchsvoll – rund um die Uhr.

Zuvor war Carlos in der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) untergebracht. Dort hätten die Kosten 42'000 Franken pro Monat betragen. (woz)

Beliebteste Kommentare

  • Beat  Schorno
    Alles bestens!
    Hätte mich gewundert, wenn Riesen-Oggenfuss die ganze Angelegenheit nicht schönreden würden. Es geht doch nur ums Geschäft.
  • Boris  Lorenz , Schmerikon
    Da kann Carlos ja wieder ins Fernsehen. Zu den strengsten Eltern der Welt. Das wäre das beste für ihn.

Alle Kommentare (21)

  • Marc  Sosio , via Facebook
    Das mit den Kosten finde ich auch nicht lustig, aber so viel ich weiss ist Kampfsport wirklich eine gute Lösung zur Agressionsbewältigung. Sie macht müde und treibt sodurch den Unsinn aus den Köpfen. Weiter hat Kampfsport sehr viel mit Respekt und Autorität zu tun. Bei Nichtgehorchen wird man bestraft, bis man wiederum noch müder ist und sich spätenstens dann fügt. Denke, dass dies effektiver ist, als jemanden in einen Raum zu sperren bis es ihm langweilig wird und er auf dumme Gedanken kommt.
  • Heinz  Bucher , Oftringen , via Facebook
    Interessant währe zu erfahren wie viele weitere solche Mandate die Riesen-Oggenfuss GmbH noch hat. Mit einem Genossenschafts-Kapital von nur 20000. kann man heute offenbar vieles machen!
  • Thomas  Meier
    Ja, am Besten auf die Malediven auf einer Jacht mit vielen willigen Damen.
  • Meier  Anton , Ebikon
    Ob 40 oder 30 tausend Franken. Den Tätern geht es einfach zu gut. Es wird ihnen zu viel geboten, sie haben zu grosse Programme. Jeder hat x Möglichkeiten für Therapien, Beschäftigungsprogramme und Unterhaltung. Man kann diese Personen auch mit anderer Beschäftigung auslasten, es gibt viele Steinbrüche in der Schweiz die benutzt werden können.
  • Roland  Habermacher , via Facebook
    Interessant ist an der Stellungnahme der Sozialprofiteure, dass sie sich Sorgen um den Täter machen. Oder machen sie sich eher sorgen um die entgangene Kohle? Warum machen sie sich nicht Sorgen um die Opfer von Carlos? Das Früchtchen gehört eingesperrt, ins Gefängnis, wenn es sein muss halt auch für sehr lange Zeit. Dafür ist die Gesellschaft sicher vor solchen gefährlichen Figuren.
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