Kontrolleur rastet aus Velos aus dem Zug aufs Perron geschmissen

  • Publiziert: 04.08.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Michael Scharenberg
play So dürfen Velos eigentlich nicht transportiert werden. Sie müssen an den Haken oder auf die extra eingerichtetn Abstellplätze. (ZVG)

ZÜRICH - Mit dem Velo von Bern nach St. Gallen. Ganz einfach? Für dieses Paar wurde es zum Albtraum. Wegen eines wild gewordenen Kontrolleurs.

Samstag, 17. Juli: Erich C.* und seine Frau wollen mit dem Zug von Bern nach St. Gallen. Sie haben ihre Velos dabei, es soll ein tolles Sommerwochenende am Bodensee werden. Korrekt haben sie Tickets auch für die Velos gekauft, sie stellen ihre Fahrzeuge im Vorraum zu ihrem Abteil ab. Einen eigentlichen Velohaken finden sie nicht mehr, die sind alle besetzt.

Bald einmal kommt der Kontrolleur. Alles ok. Die beiden Velofreunde lehnen sich zurück. Vorfreude pur. Sie können nicht ahnen, was ihnen in Zürich bevorsteht.

Hier übernimmt ein neuer Kontrolleur. Und der hat ein Riesenproblem mit den Velos. Diese könnten so nicht transportiert werden, das sei «illegal», erklärt er barsch. Die Velos müssten raus, und auch Erich und seine Frau müssten den Zug verlassen!

Erich ist fassungslos, will verhandeln, nach einer Lösung suchen. Alles vergeblich. Als er zu seiner Frau gehen will, passierts: Der Kontrolleur packt die beiden Velos und schmeisst sie aufs Perron! Und brüllt Erich die ganze Zeit Beleidigungen zu.

Das Ehepaar C. glaubt, es sei im falschen Film. «Wir können nicht fassen, was sich dieser Kontrolleuer uns, zahlenden Fahrgästen, gegenüber erlaubt hat», sagt Erich C. zu Blick.ch! Der Schaden an den Velos ist zwar gering. Aber der Frust ist riesig.

Wo bleibt die Entschuldigung?

«Uns geht es nicht um Schadenersatz», erzählt Erich weiter. «Aber wir verlangen eine offizielle Entschuldigung.» Dazu hat er bereits zweimal an den Kundendienst geschrieben und den Vorfall im Detail geschildert. Auch Zeugen gibts.

Heute ist bereits der 4. August. Gehört hat C. von den SBB nichts, ausser der Bestätigung, man habe seine Schreiben erhalten.

Blick.ch hat selbst nachgefragt. «Im Prinzip gilt: Wenn falsch abgestellte Velos den Zugang des Lokführers zur Lok blockieren oder Reisende behindern, dann hat das Zugspersonal die nicht immer einfache Aufgabe, auch einmal ein Machtwort zu sprechen – höflich, aber bestimmt», sagt SBB-Sprecher Roman Marti. «Wenn sich aber der Zugbegleiter tatsächlich so verhalten hat, wie der Kunde es schildert, dann ist das eindeutig nicht im Sinn der SBB», räumt Marti ein. Jetzt werde man den Vorfall mit dem Zugbegleiter detailliert besprechen. Erich C. werde von den SBB hören. Das brauche aber seine Zeit.

Erich C. hat dafür überhaupt kein Verständnis: «Diese Warterei finden wir inakzeptabel.»

play Empört wegen der rüden Behandlung durch die SBB: Erich C. (ZVG)