Der sonderbare Fall des Vergewaltigers und Mörders Isad M. «Trauma» wegen Gefängnis – und schon zahlte die IV

  • Publiziert: 06.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Viktor Dammann und Gabriela Battaglia

Es ist paradox. Als «Belohnung» dafür, dass Isad M. (44) seine Ex-Frau vergewaltigt, bekommt er eine fette Rente von der IV.

Diese IV-Rente wird ihm erst gestrichen, als er in seiner montenegrinischen Heimat eine junge Mutter ermordet und seither auf der Flucht ist.

Isad M.* Schamlos nutzte der Montenegriner das Schweizer Rechts- und Sozialsystem aus:

1998 kommt er wegen Vergewaltigung seiner Ex-Frau in den Knast. Er zieht das Urteil weiter. Im Juli 2000 wird er nach über zwei Jahren U-Haft und vorzeitigem Strafvollzug entlassen.

Als Erstes begibt er sich in eine ihm im Knast empfohlene ärztliche Behandlung. Der Ärmste hat sich nämlich im Knast einen Knacks geholt. Das Gefängnis habe ihn «kaputt» gemacht, sein Leben sei ruiniert, klagt er dem Psychiater.

Er leide unter Schlafproblemen, habe Albträume, Panikattacken und hege sogar Selbstmordgedanken. Als weiteren Grund für seine schweren psychischen Probleme gibt er an, seine Ex-Frau habe ihn zu Unrecht beschuldigt.

Offensichtlich kauft ihm der Psychiater seine Geschichte ab. Im Gutachten heisst es, Isad M. habe durch die Inhaftierung «mit grösster Wahrscheinlichkeit» eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten.

Das genügt der Invalidenversicherung. Ab 2001 erhält Isad M. aufgrund seines «schweren Traumas» eine volle IV-Rente.

Erst im Juli 2002 behandelt das Zürcher Obergericht seinen Fall. Es verurteilt Isad M. wegen mehrfacher Vergewaltigung seiner Ex zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus. Zudem muss er ihr 10 000 Franken Genugtuung zahlen.

Die Ex-Frau wundert sich überhaupt nicht, dass Isad M. mit seiner Psycho-Story durchkam: «Er hat das Talent, eine Riesenshow abzuziehen und alle – ob Ärzte oder Psychiater – zu täuschen.»

Denn in Wirklichkeit – das findet die Polizei später heraus – treibt sich der «völlig vereinsamte» Mann die ganze Zeit nachts in Discos herum. Verprügelt Frauen, wird mit Waffen erwischt.

Anfang 2006 muss Isad M. auf Geheiss des Zürcher Regierungsrates die Schweiz verlassen. Er zieht in sein Elternhaus in Montenegro – eine IV-Rente wird ihm nachgeschickt.

Bis vor einem Jahr. Am 1. Oktober 2007 erschiesst er Anela H.* (27) vor den Augen ihrer beiden Kinder. Die attraktive Frau hat es gewagt, sich seinen Avancen zu widersetzen.

Bis heute ist der Mörder und Vergewaltiger wie vom Erdboden verschluckt.

Erst als die Kapo Zürich vom Haftbefehl erfährt, wird seine IV-Rente gestoppt. Nun wird er auch wegen IV-Betrug ausgeschrieben. Deliktsumme: 102800 Franken.

Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA) sagt nichts zum Fall: Schweigepflicht. Auch der ehemalige Verteidiger von Isad M. schweigt: Anwaltsgeheimnis.

*Namen der Redaktion bekannt

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