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Die Sonne scheint über dem Zürichsee. Fünf Männer stehen schweigend am Ufer neben dem Eingang zur Fussgängerunterführung Schanzengraben beim General-Guisan-Quai: Fischer.
Einer von ihnen ist der Portugiese Manuel*. Kurz vor sieben geht er mit zwei seiner Kollegen die Treppe hoch die Beine vertreten. Da knallt es.
«Ein furchtbares Geräusch», sagt Manuel zu BLICK. Die drei drehen sich um. Ihre zwei Fischerkollegen sind weg! An ihrer Stelle steht ein dunkler BMW.
Was ist passiert? Financier Jacques-Henri G.* (42) fährt mit seinem Auto auf der Talstrasse Richtung See, verliert die Kontrolle. Braust quer über die Strasse auf das Trottoir, über den Velostreifen zum Seeufer, die Treppe zur Unterführung hinunter.
Dort erfasst das Auto die beiden Fischer frontal. Ruedi R.* (60) und der 34-jährige Serbe werden ins Wasser katapultiert.
Sofort rennen Manuel und die anderen zwei Fischer zu Hilfe. Was sie erleben müssen, werden sie nie mehr vergessen können.
«Wir zogen zuerst den jungen Mann raus», erzählt Manuel. «Er hatte keine Beine mehr. Aber er lebte noch. Wir legten ihn auf das Mäuerchen. Dann versuchten wir, Ruedi rauszuziehen.»
Auch Ruedi R. ist schwer verletzt. Mit Hilfe der Polizei gelingt es, den 60-Jährigen an Land zu bringen.
Ein Blutbad. Der jüngere Fischer ohne Beine erliegt seinen Verletzungen noch an der Unfallstelle. Ruedi stirbt auf dem Weg ins Spital. Der Unfallfahrer Jacques-Henri G. muss von der Feuerwehr aus dem Auto befreit werden. Er kommt mittelschwer verletzt ins Spital. Noch Stunden später suchen Polizeitaucher den See nach Körperteilen ab.
Um diese Zeit, 10 Uhr morgens, surft Ruedis Sohn Alessandro R.* (14) daheim im Internet. Als er auf die Fotos des Unfallorts stösst, schauert es ihn eiskalt. «Ich wusste sofort: Das muss mein Papi sein. Er steht jedes Wochenende genau an dieser Stelle am See und fischt. Seit Jahren.»
Alessandro versucht verzweifelt, seinen Vater zu erreichen. «Ich rief ihn sicher zehn Mal auf dem Handy an. Dann bin ich zu ihm heimgefahren. Habe geklingelt, doch er machte nicht auf.»
Am Nachmittag die traurige Gewissheit für Alessandro, seine Schwester Jessica R.* (12) und die Mutter Clara R.* (40). Der Sohn, in Tränen aufgelöst, zu BLICK: «Ich kann nicht verstehen, dass er tot ist. Er war so ein Super-Papi, hat immer alles gemacht, damit wir glücklich sind. Heute haben wir abgemacht zum Filmeschauen. Wir waren auch oft zusammen fischen. Immer an der Stelle, wo jetzt dieses schreckliche Unglück passiert ist.»
Ruedis Ex-Ehefrau Clara R.schluchzt: «Ich stehe total unter Schock. So ein lieber Mensch, so ein toller Vater. Wie kann so etwas nur passieren?»
BLICK weiss: Jacques-Henri G. ist Epileptiker. Gegenüber der Schweizer Epilepsie-Liga sagte der erfolgreiche Geschäftsmann (Ex-Lehman-Brothers, Ex-Merrill-Lynch, Ex-Vizedirektor der Privatbank EFG International) mit eigenen Firmen in London und der Schweiz, er habe seine ersten Anfälle 1983 gehabt, lange sehr darunter gelitten. Seit 2006 habe er keinen epileptischen Anfall gehabt, sagte er im Januar und fügte an: «Die Epilepsie ist Teil von mir, Teil von dem, was ich heute bin.»
Polizeisprecher Marco Bisa: «Das Institut für Rechtsmedizin untersucht, ob der Lenker unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand oder ein medizinisches Problem zum Unfall führte.»
* Name der Redaktion bekannt.