Teurer Schickimicki-Zaun – SF verschweigt die Kosten

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Benno Kälin
Kunstwerk Je nach Blickwinkel sieht der Zaun anders aus.- Goran Basic

Vor dem Fernsehstudio steht neuerdings ein protziger Zaun. Das Kunstwerk dürfte mehrere 100  000 Franken gekostet haben.

TV-Direktorin Ingrid Deltenre (48) jammert bei jeder Gelegenheit über fehlende Einnahmen. Mehr Gebührengelder nähme sie mit Handkuss entgegen.

Nichtsdestotrotz steht am Leutschenbach seit geraumer Zeit ein auffälliger Lamellenzaun. Gemäss SF-Angaben soll er das, was Zäune eben so tun: abgrenzen, in diesem Fall das Fernsehstudio.

In seiner prunkvollen Ausführung ist das metallene Kunstwerk aber viel mehr, nämlich ein gigantisches Vexierspiel mit ausgeklügelter Technik. So ist zum Beispiel, je nach Blickwinkel, ein Bild von Ex-Fussballer Alain Sutter oder Märlitante Trudi Gerster gleich in drei verschiedenen Ansichten zu sehen. Und auch das SF-Logo prangt dem geneigten Betrachter in ganz unterschiedlicher Weise entgegen.

Der Schnickschnack hat seinen Preis. Ein TV-Insider zu SonntagsBlick: «Ich habe von diversen Seiten gehört, dass der Zaun zwischen 600000 und 800000 Franken gekostet hat.» Der SF-Medienbeauftragte David Affentranger kontert: «Diese Schätzung ist viel zu hoch. Der Zaun kostete mehrere 100000 Franken weniger.»

Den tatsächlichen Preis aber verschweigt der Sprecher geflissentlich: «Das sagen wir nicht. Es würde unseren Gepflogenheiten widersprechen.» SVP-Ständerat Maximilian Reimann (66) versteht die Geheimniskrämerei nicht: «Für ein Unternehmen, das zu 75 Prozent mit öffentlichen Geldern wirtschaftet, sollte Transparenz selbstverständlich sein. Jede Form von Luxus ist ein Affront gegenüber dem Gebührenzahler.» Der ehemalige SF-Mitarbeiter deutlich: «Die Transparenz, die das Fernsehen meist recht unzimperlich von anderen verlangt, sollte es gerade auch bei sich selber befolgen.»

Nicht zum ersten Mal fällt SF mit zweifelhaften Investitionen auf. Zwischen 2003 und 2006 wurde die SF-Kantine gleich zweimal erneuert. Das Unterfangen kostete beide Male mehrere 100000 Franken. Das neue Logo und die neu gestalteten Studios verschlangen zusätzliche Millionen.

Ernst Gräub (56) vom Schweizer Syndikat Medienschaffender sagt es deutlich: «Es wird immer mehr in die Verpackung anstatt ins Programm investiert.» Dazu Affentranger: «Die Investitionen ins Programm sind um ein Vielfaches höher als ins Erscheinungsbild. Ein moderner Auftritt gehört zu jedem Fernsehsender.»



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