Trotz IV-Nazi SVA will Bewerber nicht besser prüfen

  • Aktualisiert am 14.01.2012
  • Von Georg Nopper

ZÜRICH – Zwei Jahre lang war ein Rechtsextremer Chef der Zürcher IV-Ärzte. Für die SVA des Kantons kein Grund, Bewerbern vor einer Anstellung genauer auf die Finger zu schauen.

Die SVA Zürich rekrutiert ihre Mitarbeiter unabhängig von Kanton und Regierungsrat. So hat sich die Sozialversicherungsanstalt auch den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der rechtsradikalen Partei NPD im deutschen Halle eigenhändig als Chef der IV-Ärzte aufgehalst.

Das Vorgehen bei der Einstellung von Kader-Personal ist laut SVA-Sprecherin Daniela Aloisi immer gleich: Wenn ein Bewerbungsdossier den Anforderungen genügt, wird der Kandidat auf ein dreistündiges Interview eingeladen.

Falls trotz Gespräch und Arbeitszeugnisse noch Fragen offen bleiben, werden bei den Personen, die der Bewerber angibt, Referenzen eingeholt. Zusätzlich lässt die SVA Zürich ein graphologisches Gutachten erstellen.

Referenzen gab Dr. Dr. Arnulf M.* in seiner Bewerbung nicht an. Doch seine Arbeitszeugnisse waren exzellent. Deshalb ist das bei der SVA nicht sonderlich ins Gewicht gefallen. Weil für den Posten keine Praxisbewilligung nötig ist, bemerkte bei der SVA bis zum Auffliegen des Falls auch niemand, dass Dr. Dr. Arnulf M. bei der Gesundheitsdirektion mehrmals eine solche beantragt hatte. Immer vergeblich.

Für die SVA ein «bewährter» Prozess

Bei der Einstellung dieses IV-Arztes ist also einiges schief gelaufen. Für die SVA Zürich ist das jedoch kein Grund, etwas zu ändern: «Aufgrund des Vorfalls der letzten Woche kann der Anstellungsprozess nicht in Frage gestellt werden», sagt Daniela Aloisi gegenüber Blick.ch. Im Gegenteil: Der Personalrekrutierungsprozess habe sich «bewährt».

Top-Beamte besser prüfen?

Erst im Sommer war aufgeflogen, dass Armeechef Roland Nef zum Zeitpunkt der Ernennung in ein Strafverfahren verwickelt war. Sein Vorgesetzter, Bundesrat Samuel Schmid, wusste Bescheid, informierte aber den Gesamtbundesrat nicht. Nef trat schliesslich unter massivem Druck zurück.

Jetzt wurde letzte Woche der neuste Fall eines zweifelhaften Top-Beamten um den rechtsradikalen Arzt mit doppeltem Doktortitel bekannt.

*Name der Redaktion bekannt

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Deutscher Staatsschutz hatte M. im Visier

ZÜRICH – Der deutsche Staatsschutz hat Arnulf M. beobachtet. Anlass war seine Mitgliedschaft in einer rechtsextremen deutschen Partei. Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt bestätigte, dass der deutsche Geheimdienst den Psychiater wegen seiner Tätigkeit für die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) in Halle im Visier hatte. In Halle arbeitete M. bis 2006 als Universitätsdozent. Im August desselben Jahres nahm er seine Arbeit in Zürich als RAD-Leiter auf. Am letzten Freitag wurde das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen per sofort aufgelöst. Am Vortag war der 55-Jährige mit Recherchen zu seiner Vergangenheit von einem Journalisten der «NZZ am Sonntag» konfrontiert worden. Daraufhin suchte der Psychiater das Gespräch mit seinem Arbeitgeber. (SDA)
Zwei Jahre lang beschäftigte die SVA Zürich einen Rechtsradikalen als Chef des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV.- RDB

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