Aber es wurde gesoffen wie noch nie Street Parade: Das Comeback!

  • Publiziert: 09.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Benno Kälin, Dominik Hug und Hansjakob Frey

Bunt, schrill, extravagant: 820 000 Raver feierten gestern in Zürich die grösste Techno-Party der Welt – das Comeback der Street Parade ist perfekt.

Eine solch geniale Party wie hier habe er noch nie erlebt, freut sich Sascha (22) aus Stuttgart (D): «Zürich ist die geilste Stadt der Welt.» Sein Kollege Alexander (22), ebenfalls aus Deutschland, meint euphorisch: «Schlichtweg grandios, dieses Fest!»

Als gestern, um 14.37 Uhr, das erste von insgesamt 27 Lovemobiles lostuckerte, war die 17. Street Parade offiziell eröffnet. 820000 Raver aus ganz Europa feierten frenetisch an der 2,4 Kilometer langen Route ums Zürcher Seebecken – 120000 Technofans mehr als in den beiden letzten Jahren. Selbst das Wetter spielte mit: 24 Grad, herrlicher Sonnenschein!

«Ich hätte nie gedacht, dass die Schweizer so partyverrückt sind», staunt Elena (30) aus Russland im sexy roten Dress. Die Kostüme der Raver: wie immer schrill, bunt und vor allem überaus knapp.

Auch die Standbetreiber waren in Festlaune: «Das Geschäft läuft super», sagt Romeo Amitai (24) aus Israel, der am Bellevue-Platz einen Henna-Tattoo-Shop betreibt. Der Verkäufer am Heineken-Stand lacht zufrieden: «Der Umsatz ist um einiges besser als im letzten Jahr.» Und tatsächlich: Eine Vielzahl der Raverinnen und Raver kann sich offenbar nur mit übermässigem Alkoholkonsum in Stimmung bringen. Bis um 21 Uhr mussten die Rettungssanitäter 385 Personen verarzten.

«23 wurden hospitalisiert», so Erich Maag, Mediensprecher bei Schutz und Rettung. Für die Sicherheit der Besucher wurden extra 13 Sanitätsstationen aufgebaut sowie rund 2500 Helfer aufgeboten.

Da es schon im Vorjahr zu häufigen Alkohol- und Drogenexzessen gekommen war, drohte die Zürcher Polizeivorsteherin Esther Mauer (50) im Vorfeld der gestrigen Parade mit dem Entzug der Bewilligung. Von der tollen Atmosphäre angesteckt, krebst die SP-Stadträtin nun aber von ihrem Vorhaben zurück: «Die Stimmung ist viel positiver geworden.» Es freue sie von Herzen, wenn es den Organisatoren gelingen würde, den ursprünglichen Geist des Technofestes hinzukriegen.

OK-Präsident Joel Meier (33) zeigt sich erleichtert: «Die Street Parade lebt besser denn je!» Das Engagement der Raver, auch ihr Enthusiasmus sei wieder grösser. Meier erkennt eine Trendwende: «Bald wird die Street Parade wieder dort sein, wo sie bei ihrem Höhepunkt einst war.» Man könne von einem eigentlichen Comeback sprechen.

Bis am Morgen zelebrierten die Fans das Motto der diesjährigen Parade: «Friendship», Freundschaft. 110 Extrazüge brachten die meisten von ihnen glücklich, wenn auch todmüde nach Hause. «Es war unvergesslich», so der Mailänder Gino (29). Nächstes Jahr werde er sicher wiederkommen. 

Street Parade: 150 Millionen für Zürich

An der Street Parade floss nicht nur der Alkohol in Strömen, sondern auch das Geld.

Die Street Parade ist eine Geldmaschine. Rund 150 Millionen Franken lassen die Raver an diesem Wochenende in Zürich liegen – Ausgaben für illegale Drogen nicht eingerechnet. Damit ist die Street Parade das umsatzstärkste Event der Schweiz überhaupt.
Hauptprofiteure dieses Geldregens sind die Detailhändler und Gastronomen. Ein- und Zweisternehotels haben seit Wochen keine Zimmer mehr frei. In Nobelherbergen blieben dagegen einige Betten leer. Aber auch ihnen hilft die Street Parade über die August-Flaute hinweg.

Die Bedeutung des Events geht allerdings weit über Wirtschaftlichkeitsrechnungen hinaus. «Die Street Parade hat das Bild von Zürich nachhaltig verändert», sagt Frank Bumann (47). Zürich sei heute nicht mehr nur eine Stadt der Banken, so der Direktor von Zürich Tourismus. Sexy Raver und fette Beats haben den strengen Geist Zwinglis vertrieben.

30 Reporter aus aller Welt sind auch dieses Jahr eigens wegen der Street Parade angereist und verbreiten bis nach Korea das Bild einer toleranten, trendigen Metropole, wo es sich gut feiern und leben lässt. «Für die internationale Medienpräsenz ist die Street Parade enorm wichtig», so Bumann.

Trotz des Mega-Erfolgs des Mega-Events ringen die Veranstalter hart um Sponsoren. Das Budget beträgt heuer gerade mal 1,2 Millionen Franken. Davon schiessen Heineken, Ford, Red Bull, Coca-Cola und andere rund die Hälfte ein. «Wir brauchen dringend mehr Geld, sonst ist das Überleben der Street Parade längerfristig gefährdet», sagt Sponsoring-Chef Martin Schorno (50).  

Guido Schätti

Street Parade als Zahlen-Parade

• An der 17. Street Parade nahmen laut den Organisatoren 820000 Besucher teil.

• 27 Lovemobiles rollten bei 24 °C über die 2400 Meter lange Route rund um das Zürcher Seebecken.

• 14 Personen wurden festgenommen.

• 24 Gramm Kokain, 27 Dosen Ecstasy sowie rund 400 drogenähnliche Tabletten wurden sichergestellt.

• Bis um 21 Uhr mussten 385 Personen behandelt werden, davon zeigten 128 Symptome von übermässigem Alkohol- oder Drogenkonsum.