Zusätzliche Frequenzen für Privatradios Spitzenpolitiker wollen «Energy Zürich» retten

  • Publiziert: 01.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Benno Kälin

Nach der Empörung Hoffnung: Für Radio «Energy Zürich» wollen Politiker sogar DRS-Programme abschalten.

Wer darf in der Schweiz Fernsehen machen. Wer Radio? Und wer nicht mehr? Am Freitag liess Medienminister Moritz Leuenberger (62) die Katze aus dem Sack. Der grosse Verlierer ist Radio «Energy Zürich» aus dem Hause Ringier, das auch den SonntagsBlick herausgibt. Falls das Bundesverwaltungsgericht den Rekurs von Ringier ablehnt, zieht Leuenberger dem Sender spätestens in einem Jahr den Stecker raus.

Nach den aufmunternden Worten und Zuschriften von Hörern erhält das erfolgreiche Privatradio jetzt auch Unterstützung aus der Politik. Allen voran von FDP-Nationalrat und Medienprofi Filippo Leutenegger (55): «Es kann doch nicht sein, dass der Staat einfach so Kapital und Arbeitsplätze vernichtet. Schliesslich war der Sender erfolgreich und hat nichts Falsches gemacht.» Mit seiner Aktion Medienfreiheit will Leutenegger genaustens prüfen, welche Möglichkeiten es für eine vierte Zürcher Radiokonzession gibt: «Das muss das Ziel sein und es muss auch politisch durchgesetzt werden.» An seiner Seite kämpft als Vizepräsidentin der Aktion Medienfreiheit die SVP-Nationalrätin Natalie Rickli (31). Ihr sind die vielen Doppel- und Dreifachbelegungen der DRS-Sender ein Dorn im Auge. «Wenn es nicht anders geht, muss es auch möglich sein, in Zürich DRS 3 abzuschalten.» Das staatliche Radio biete keinen Service public: «Es leistet nichts, was ein Privater nicht auch leisten kann», so Rickli zu SonntagsBlick. Sie behalte sich in der Sache einen parlamentarischen Vorstoss vor.

Für eine vierte Radio-Konzession für Zürich setzt sich auch die SP ein. Energy-Geschäftsführer Dani Büchi (30) freut sich über die Unterstützung: «Es ist schön, dass mit den Hörern jetzt auch die Politiker mit uns kämpfen. Nach dem Schock spüre ich im Team eine richtige Jetzt-erst-recht-Stimmung.»

Bös erwischt hat es bei der Konzessionsvergabe auch die privaten TV-Sender TeleZüri und TeleTell: Beiden verweigerte Leuenberger die Konzession. Und das, obwohl sich die Sender seit Jahren erfolgreich am Markt behaupten. Im Gegensatz zu Radio Energy können die beiden TV-Sender aber weiter senden. Sie müssen dazu aber mit den jeweiligen Kabelnetzbetreibern verhandeln, damit diese ihre Programme aufschalten. Trotzdem wird TeleTell gegen den Entscheid aus Bern rekurrieren. «Wir rechnen uns gute Chancen aus», so der Aargauer Verleger und Besitzer von TeleTell, Peter Wanner (64), zu SonntagsBlick: «Konkurrent Tele1 plante mit Fantasiezahlen. Ich hoffe, die Richter merken, dass das Projekt gar nicht finanzierbar ist.»

Neben einer möglichen Klage plant Branchenprimus TeleZüri auch einen Ausbau des Senders. SonntagsBlick weiss: Im Hintergrund wird schon eifrig daran gewerkelt. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bestätigt die Ausbaugelüste: «Interessant sind für uns alle Regionen, die wirtschaftlich und kulturell mit Zürich verbunden sind.» Will heissen: Anstelle des jetzigen Zuschauerpotenzials von 1,4 Millionen könnte der Sender schon bald zwei Millionen erreichen.

Frequenzen sind knapp

In der Schweiz und praktisch auf der ganzen Welt werden UKW-Frequenzen an Radios nur zwischen 87,5 und 107,9 Megaherz vergeben. Darüber oder darunter sind die Frequenzen vom Flugverkehr, der Polizei und der Feuerwehr belegt. Frequenzen-Spezialist Markus Ruoss (64): «Mehr als 20 bis 30 Belegungen pro Stadt sind auf dem UKW-Band einfach nicht möglich. Andernfalls gäbe es Überlappungen und man verstünde nichts mehr.» Da auch die deutschen Radiosender in unser Land hineinstrahlten, seien die Frequenzen in Zürich und im Aargau besonders knapp, so Ruoss.
play Auch Filippo Leutenegger will sich für Radio Energy einsetzen. (Christian Lanz)