Sogar das Urteil soll geheim bleiben! Über diesen Prozess dürfen wir nicht schreiben

Hausfrau Sandra B.* (35) heuerte ihren Liebhaber (35) an, ihren Mann Benjamin (40) umzubringen. Die Anstifterin wurde dafür mit elf Jahren wegen Tötungsversuch, der Liebhaber mit achteinhalb Jahren bestraft. Nun steht das Duo am nächsten Montag erneut in einem Geheimprozess vor dem Zürcher Obergericht – abgesegnet vom Bundesgericht.

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Im Jahr 2013 heuerte Sandra B.* (35) ihren Liebhaber (35) an, um ihren Mann Benjamin (40) zu töten. Das Bezirksgericht Pfäffikon ZH bestrafte sie mit elf Jahren Knast, ihren Freund mit achteinhalb. Am Montag steht das Duo vor dem Zürcher Obergericht. Über diesen Mordprozess jedoch darf niemand berichten. Die Öffentlichkeit und sogar die Medien sind ausgeschlossen. Es findet also ein Geheimprozess statt – mit dem Segen des Bundesgericht.

Wie das Bezirksgericht ist auch das Obergericht der Meinung, die Berichterstattung könnte das Opfer und weitere Familienangehörige erneut traumatisieren. Das Obergericht lässt gar offen, ob es über das Urteil informieren will.

Opfer sprach mit BLICK

Das Opfer, Benjamin B., überlebte die Attacke – und empfing BLICK ­sogar zu einem Gespräch. Er zeigte seine Wunde an der Kehle. Der Liebhaber seiner Frau und dessen Bruder hatten ihn schwer verletzt. Der Staatsanwalt will nun bei seiner Berufung eine höhere Strafe erreichen. Die nicht geständige Ehefrau fordert einen Freispruch.

Gegen den Ausschluss vom Prozess wehren sich vier Zürcher Medien. Sie gingen bis vor Bundesgericht. Dieses will jedoch nicht mehr vor Prozessbeginn entscheiden.

Geheimjustiz droht

Falls das Bundesgericht den Totalausschluss absegnet, wäre es auch bei vielen anderen Strafprozessen möglich, Medien und Öffentlichkeit auszuschliessen. Denn bei ­jedem Verbrechen sind Familienmitglieder auf ­irgendeine Art und Weise betroffen.

Bislang schlossen Schweizer Gerichte Medien nur bei schweren Sexualdelikten aus – oder schränkten die Bericht­erstattung ein. Dass sogar ein ­Urteil geheim bleiben soll, wäre Geheimjustiz pur!

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 21.10.2016 | Aktualisiert am 02.12.2016
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2 Kommentare
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    22.10.2016
    Die Öffentlichkeit der Prozesse dient der Wahrung der Menschenrechte, nicht der Sensationslust des Publikums und auch nicht der Geldmacherei von Boulevardmedien. Die Empörung ist ziemlich eigennützig.
  • Michel  Wehner aus Bohol
    21.10.2016
    Auch wenn einiges hier im Blick teilweise schon sehr "speziell" ist, aber das der Blick hier einsetzt und den Gewalten auf die Finger schaut und gelegentlich auch draufklopft wenns nötig ist, finde ich SUPER! BRAVO BLICK! Weiter so!