Vergiftet und erstickt So grausam starb der kleine Florian

  • Publiziert: 05.03.2010, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Adrian Schulthess

WINTERTHUR – Gustav G. glaubte, dass die Tabletten nicht wirkten. Da half er mit dem Feuerlöscher nach.

Heute soll Florian (4) endlich Frieden finden: Seine Mutter Marcia (35) beerdigt den Buben in Kloten ZH. Das bedeutet auch: Die Leiche ist freigegeben, die Obduktion abgeschlossen.

BLICK weiss: Gustav G.* (60) geht grausam vor, als er vor einer Woche seinen Sohn tötet. Im Hotel Krone in der Winterthurer Altstadt mietet er ein Zimmer. Dann gibt er dem Buben Schlaftabletten: Er will ihn vergiften!

Der Buchhalter tut es, weil er befürchtet, dass Florians Mutter Marcia den gemeinsamen Sohn nach Brasilien mitnehmen will (BLICK berichtete).

Die Schlaftabletten wirken nicht. Oder zu wenig. Gustav G. will mit einem Feuerlöscher nachhelfen.

Hotelangestellte berichten, das ganze Zimmer sei voller weissem Staub gewesen – G. benutzte einen Pulverlöscher. Der Staub füllt das Zimmer, der Brandmelder schlägt Alarm.

Feuerwehr und Polizei sind schnell vor Ort. Doch Gustav G. und Florian sind schon bewusstlos, als sie eintreffen.

Die Retter versuchen, den kleinen Florian zu beatmen, kämpfen um sein Leben. Doch er stirbt im Rega-Helikopter, der ihn ins Spital fliegen soll. Sein Mörder überlebt.

Schon vor zwanzig Jahren wollte Gustav G. seinen ersten Sohn töten. Am Hochstuckli würgte der Buchhalter den damals 13-jährigen Reto und warf ihn in ein Tobel. Mit schweren Lähmungen an Armen und Beinen überlebte Reto.

Gustav G. wurde wegen Mordversuchs verurteilt. Dem Gutachter sagte er damals, er habe die Mutter seines ersten Sohnes durch den «Tod des Kindes mit Ruhelosigkeit bestrafen» wollen. G. ertrug den Gedanken nicht, dass ihm jemand sein Kind wegnehmen könnte.

Im Kanton Zürich ist der Killer-Vater bereits ein Politikum. Denn der vorbestrafte Mörder hatte das Obhutsrecht für Florian. Folgt jetzt auch diplomatischer Druck? Marcia und ihr Anwalt waren gestern auf dem brasilianischen Konsulat. Es geht um eine internationale Strafklage.



* Namen der Redaktion bekannt

Der Abschiedsbrief an seine Frau

Ein Abschiedsbrief voller Hass, voller Rachegefühle. Buchhalter Gustav G.* schrieb ihn seiner Frau Martha – als er seinen ersten Sohn Reto (13) töten wollte.

«Reto hat ein Leben mit einem glücklichen Vater verdient. Nachdem du das nicht gestattest, werde ich es ihm gestatten», hielt G. fest.

Kurz zuvor, am Morgen des 6. September 1990, kracht die heile Welt des Buchhalters zusammen: Er kriegt die Scheidungspapiere seiner Frau, die beiden streiten heftig.

Gustav G. schreibt in seinem Büro einen Abschiedsbrief an Martha. Dann fährt er im geleasten Mitsubishi mit seinem Sohn Reto zum Chli-Hundschotten bei Rothenthurm SZ. Hier würgt er seinen Sohn so lange, bis er ihn tot glaubt. Dann wirft er ihn in ein Tobel (BLICK berichtete).

Der Brief von Gustav G. an seine Frau zeigt die bizarre Logik eines Irren. «Reto hat es verdient, ein schönes Leben zu haben. Ich will ihm die Leiden ersparen, einen seelisch gemarterten Vater, den er liebt, zu haben», schreibt er.

Gegenüber einem Gerichts-Gutachter führt Gustav G. später aus, was er damit meint: Dass Reto durch den Mord «in eine Ewigkeit des Friedens und des Aufgehobenseins kosmischer Grandiosität und Zeitlosigkeit» überführt worden wäre.

«Nun wünsche ich dir Ruhe», schreibt Gustav G. im Brief weiter. «Eine Seele hat nicht gereicht für dich, es müssen zwei kaputt sein. Du hast einen sehr einfachen Weg gewählt, indem du mich vor die Türe stellst und zum Zahlen zwingst. Nun kannst du die Türe wieder weit offen lassen: Du wirst die Seelen erst finden, wenn du alles Unrecht gegen mich in Ordnung gebracht hast. Ich bin gewaltig enttäuscht worden von dir.»

«Gusti» unterschreibt er. Und fügt ein PS an: «Reto ist bei mir und daran kannst du nichts mehr ändern.» (Adrian Schulthess)
play Vor einer Woche starb Florian (4) in Winterthur. (ZVG/Philippe Rossier)