Tickets für Südkurve So erpressen Basel-Fans FCZ-Boss Canepa

  • Publiziert: 17.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Simon Hehli
play Ancillo Canepas Plan, die Basler Fans aus seinem Stadion zu verbannen, droht ins Leere zu laufen. (Blicksport)

ZÜRICH – FCZ-Präsident Canepa will die FCB-Fans wegen der dauernden Randale vom Klassiker im Letzigrund ausschliessen. Doch die Basler sind schlau – und wollen jetzt in der FCZ-Fankurve aufmarschieren.

Wenn die beiden Erzrivalen FCZ und FCB auf dem Rasen um jeden Meter fighten, gehts meistens auch auf den Tribünen rund. Zuletzt machten Zürcher Hooligans im November beim Cupspiel in Basel üblen Radau – bis auch Ancillo Canepa die Nase voll hatte. Der FCZ-Präsident verkündete, dass sein Klub bei Hochrisikospielen vorläufig keine Tickets mehr an Gästefans verkaufe.

Am 11. April empfängt der abtretende Meister den FCB zum ersten Duell in diesem Jahr – und die Basler Anhänger drehen Canepa eine lange Nase. Im Internet fordert der harte Kern der Muttenzerkurve die FCB-Fans dazu auf, jene Billets zu kaufen, die auf Ticketcorner erhältlich waren: ausgerechnet in der Südkurve, wo die treusten FCZ-Fans stehen.

«Dorum göön mir alli zum Ticketcorner und kaufe Tickets für dr Sektor D, Blöck 28-31. Koschtepunggt 25.-», ist im FCB-Forum zu lesen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, hat der FCZ auf die Kaufoffensive der Basler mittlerweile zwar reagiert und den Verkauf der Tickets gestern gestoppt. Doch offenbar haben sich bereits 200 bis 400 FCB-Fans Südkurven-Tickets gesichert.

«Die Fans sind schlau»

«Die Fans sind eben schlau und versuchen, mit ihren Mitteln ans Ziel zu kommen», sagt Peter Landolt, der Stadionmanager des Letzigrunds, gegenüber Blick.ch. Da habe sich der FCZ einiges eingebrockt: «Man kann nicht Gästefans ausschliessen und dann einen öffentlichen Verkauf veranstalten», kritisiert Landolt.

Mehrere hundert Hardcore-FCB-Fans inmitten von FCZ-Anhängern, die ebenfalls keine Chorknaben sind: Die Katastrophe wäre vorprogrammiert. «Unser Sicherheitschef hätte schlaflose Nächte», sagt Landolt. Klar ist deshalb jetzt schon: Der FC Zürich kann ein Aufeinanderprallen der beiden Kurven nicht zulassen.

Das wissen natürlich auch die FCB-Fans. Ihnen geht es mit ihrem Husarenstreich vor allem darum, Canepa zu erpressen: Sie verzichten dann darauf, ihre rechtmässig gekauften Tickets für den Sektor D zu nutzen, wenn der FC Zürich sie in die Gästekurve lässt. «Falls dr Gäschtesektor doch no göffnet wird, wärde mer sicher e Möglichkeit finde mit dääne Tickets dört inezkoh», frohlockt die Muttenzerkurve im FCB-Forum.

Fans im Stadion = weniger Krawall in den Strassen?

Beim FCZ war heute Vormittag niemand für eine Stellungsnahme zu erreichen. Für Stadionmanager Peter Landolt, der beim FCZ-Ticketverkauf nicht mitentscheiden kann, ist aber klar: Den Gästesektor zu öffnen, wäre die vernünftigste Lösung. «Wir können schon 1000 oder 2000 Basler Fans den Zutritt zum Stadion verweigern. Doch was würden die dann in der Stadt anstellen?», fragt der Sicherheits-Experte.

Josef Zindel, Mediensprecher des FC Basel, betont, der Ball liege beim FCZ. Denn dieser allein sei für den Ticketverkauf seiner Heimspiele zuständig. Doch er macht den FCB-Fans Hoffnung: «Die Verwaltungsräte der beiden Vereine sind miteinander im Gespräch, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Denn es ist klar: Es ist im Interesse aller, dass es bei dem Spiel nicht zu Krawallen kommt», erklärt er gegenüber Blick.ch.

play Die FCB-Fans drehen dem Zürcher Präsidenten eine lange Nase. (Blicksport)