Ärger wegen 5 Franken Nachtzuschlag So erleben Blick-Leser die SBB-Kontrollen

ZÜRICH - Blick.ch berichtete heute über das unerbittliche Verhalten der SBB-Kontrolleure in den Nachtzügen. Keine Einzelfälle, sagen die Blick.ch-Leser

  • Publiziert: 18.12 Uhr
  • Kathia Baltisberger

Wer nachts in der Grossregion Zürich mit dem öV unterwegs ist, muss fünf Franken Nachtzuschlag bezahlen – die Regeln sind einfach. Doch viele wissen das nicht, oder vergessen es. In diesem Fall kennt das SBB-Personal kein Erbarmen und geht unerbittlich gegen die Passagiere vor. Unfair und zu hart – finden einige Blick.ch-Leser.

Familie Roduner besitzt insgesamt fünf GAs: Je eines für die Eltern und die zwei Kinder, ja sogar der Hund hat ein GA. Eines nachts ist die Familie mit dem öV unterwegs. Von einem Nachtzuschlag wissen sie nichts und geraten in eine SBB-Kontrolle. «Wir wurden dann mitten in der Nacht aus dem Zug geworfen, wurden angeschnauzt, geduzt, es wurde sogar mit der Polizei gedroht», erzählt Philippe Roduner. «Wir mussten etwa eine Stunde warten, kassierten eine Busse von 375 Franken und mussten dann mit dem Taxi nach Zürich fahren.»

Das Sicherheitspersonal hat auch Dominic Sigrist aus Unterägeri aus dem Zug geworfen. «Ich hatte keinen Nachtzuschlag gelöst. Da wurde ich von drei Kontrolleuren umzingelt, bedroht und bei Zürich Hardbrücke aus dem Zug geworfen. Mein Portemonnaie und Handy waren noch bei meiner Frau im Zug. Es war unglaublich, in welchem Ton die Kontrolleure mit mir sprachen.»

Über den unfreundlichen Ton, den die Kontrolleure anschlagen, beklagen sich viele Leser. «Ich versuchte auch schon einer Kontrolleurin zu erklären, dass ich nichts von dem Zuschlag gewusst habe. Da meinte sie frech, ich hätte mich halt vor der Reise informieren müssen – morgens um halb drei», empört sich Adnan Makarevic.

Manchmal muss man hart durchgreifen

Viele verstehen aber die harschen Umgangsformen der SBB-Mitarbeiter, finden sie machen einen sehr schwierigen Job. «Wenn man ein fleissiger öV-Benutzer ist, weiss man, wie sich viele Passagiere aufführen, wenn sie erwischt werden. Gerade in Nachtzügen, wo viele betrunkene und aggressive Fahrgäste unterwegs sind, kann ich es absolut verstehen, dass die Kontrolleure und das Sicherheitspersonal nicht mit sich reden lassen», sagt Luki Zurmühle.

Kevin Shields ist sogar froh, wenn Sicherheitspersonal anwesend ist. Denn: «Ich bin einmal in einem Nachtzug ohne Sicherheitspersonal gefahren und wurde gleich ausgeraubt. 250 Franken waren weg.»

Beliebteste Kommentare

  • Bürger  Chan , Aarau
    Ein gesunder menschenverstand kann ja unterscheiden zwischen betrunken, agressiv und ein normaler mensch wo einen fehler beganngen hat. Dann kann man ihn auch so behandeln wie er es verdient. Aber alle menschen gleich behandeln, geht nicht. Schande fuer sbb. Da sie so viel geld noch einsacken
  • Thomas  Rindlisbacher , Zürich
    Selber schuld wer da mitfährt. Ich fahre mit dem Auto und weiss warum...

Alle Kommentare (47)

  • Mike  Egger
    Nicht nur in Zürich so, sondern ein generelles Problem bei der "Transportpolizei"!
    Wir mussten Anfang Jahr mitansehen, wie drei Sicherheitsleute und ein Kontrolleur sich um zwei 16-jährige aufgebaut haben. Als die eine dann aber ohne ersichtlichen Grund in den Schitzkasten genommen wurde, ist uns der Kragen geplatzt und wir haben uns dazwischen gestellt. Das einzige was wir zu hören bekammen war, dass wir uns nicht in ihre Angelegenheiten einmischen sollen oder es hätte Konzequenzen. Als anschliessend sehr rüde auf die Seite gestossen wurde, hat es uns gereicht und wir haben die Polizei auf den nächsten Bahnhof bestellt und eine Anzeige gegen die Bahnpolizei eingereicht.
    Resultat: Die Bahnpolizisten wurden wegen Körperverletzung und Nötigung schuldig gesprochen und mussten dem Mädchen noch Schadenersatz zahlen.
    • 27.09.2012
    • 56
    • 3
  •   Roger Lüscher , Aargau
    Also, wenn einzelne harmlose Familien oder sogar ältere Personen so aggressiv vom SBB Personal auseinandergenommen werden, findet ihr das fair?? Meine Oma wurde auch schon gebüsst, weil sie versehentlich eine falsche Zone gewählt hat... Fair oder nicht? Kurz davor wurde ein Stämmiger Junge kontrolliert der kein Billett hatte, und wurde nur verwarnt!!
    • 27.09.2012
    • 29
    • 7
  • Josua  Häfeli , Luzern
    Scheinbar lohnen sich die Kontrollen für die SBB resp. den ZVV.
    Sonst würden sie ja nicht in fast jeden Nachtzug Kontrolleure schicken. Diese kosten ja auch eine Menge Geld.
    16 Nachtzug-Schwarzfahrer hat man mit einer Busse schon wieder rausgeholt.
    Umgekehrt formuliert wäre es wenn man vom Nachtzuschlag weiss ziemlich dumm, kein Billet zu lösen.
    Da müsste man das Glück haben 16x den Nachtzug zu benützen, ohne kontrolliert zu werden. Ein Ding der schieren Unmöglichkeit.
    Die Schwarzfahrer sind meines Erachtens in 3 Gruppen einzuteilen:
    Unwissend, Vergesslich oder schlicht und einfach dreist!
    • 27.09.2012
    • 12
    • 2
  • Peter  Bauer , Zug
    Das ganze Tarifsystem der SBB ist ein einziges Chaos - was mich besonders ärgert: Auf der Seite GA steht ausdrücklich, dass das Abonnement für alle SBB-Strecken gilt. Aber dann doch nicht in der Nacht... ist alles viel zu kompliziert. Was aber leider nichts damit zu tun hat, dass man als Nutzer selber verantwortlich ist. Lustig ist auch, dass man immer dann nach hartem Durchgreifen ruft, wenn es andere betrifft. Wenn man aber selber einen Fehler macht, dann will man selbstverständlich mit Samthandschuhen angefasst werden. Ärgern kann man sich, reklamieren auch, aufs Auto umsteigen auch oder aufs Taxi... aber es ändert nichts daran: Wer ohne Nachtzuschlag fährt, verstösst halt gegen Regeln. Wem die Regeln nicht passen, der soll halt auf andere Verkehrsmittel ausweichen.
  • Tom  Tanarev
    Das ganze ist ziemlich einfach: Nicht wissen schützt vor Strafe nicht.
    Was meinen die empörten Kommentarschreiber eigentlich was sich das Personal alles an Ausreden anhören muss? Abgesehen von den Pöbeleien und Handgreiflichkeiten. Und bei all dem ist es ja dann ganz einfach den armen unschuldigen Fahrgast vom dreisten Schwarzfahrer zu trennen. Und jeder fände es natürlich fair, wenn der Kontrolleur der gepflegten Dame den kleinen Fehler verzeiht und ein Abteil weiter dann den wild aussehenden Jugendlichen büsst. Bitte zuerst denken und dann empören! Das ist gesunder Menschenverstand!
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