ZÜRICH – Mehrere Polizisten reissen einen Mann zu Boden. Ein Verbrecher? Nein, ein Passant in Zürichs Ausgehmeile. Er ist Opfer der neuen Polizeistrategie.
Manch ein «10vor10»-Zuschauer dachte gestern Abend, er habe sich im Programm geirrt. Was sie sahen, war kein Krimi, sondern brutaler Alltag der Zürcher
Polizei.«Respekt» heisst die neue Truppe. Sie steht den normalen Patrouillen bei und soll im Ausgehviertel rund um die Langstrasse im Zürcher Kreis 4 für Ordnung sorgen.Das tun die Beamten mit gnadenloser Härte: Ein besoffener FCZ-Fan wird hart angefasst und über Nacht in eine Zelle gesperrt. Ein Radfahrer wird vom Velo gerissen und an eine Wand gedrückt.Dies weil er falsch herum durch die Langstrasse gefahren ist und beim Kreuzen des Polizeiautos an dieses getreten hat, wie Polizeisprecher Marco Cortesi gegenüber Blick.ch sagt.In der fraglichen Szene beschweren sich Passanten über den unverhältnismässigen Einsatz, die Polizisten rufen Verstärkung. Innerhalb kurzer Zeit steht ein halbes Dutzend Polizisten am «Tatort».Mit Härte für mehr RespektFür die Polizei ist das Vorgehen nötig, um sich wieder Respekt zu verschaffen. Dies, weil gerade im Ausgehviertel vermehrt Polizeipatrouillen angepöbelt werden und die Gewalt auf der Strasse zugenommen hat.Für den ortskundigen Beobachter ist das brutale Vorgehen schlicht übertrieben. Denn gerade im Langstrassenquartier gehen Drogendealer fast unbehelligt ihren Geschäften nach.Die Regeln sind klar«Es kann doch nicht sein, dass man schon für einen schrägen Blick Schläge befürchten muss», sagt Cortesi.«Oder dass man Zigaretten nach Polizisten wirft und angespuckt wird. Das hat alles mit Respekt zu tun. Polizisten sind keine Mimosen, was wir einfordern, sollte jedem Bürger entgegengebracht werden.»Seit Ende Oktober wird mit «Respekt» für mehr Respekt gekämpft. Marco Cortesi sagt, dass die Stadtpolizei viele positive Rückmeldungen hat. Er verschweigt aber auch die negativen Reaktionen nicht, «man kann das durchaus kritisch hinterfragen», sagt der Medienchef der Zürcher Polizei gegenüber Blick.ch.Doch die zunehmende Gewalt im Langstrassenquartier zwinge die Polizei zum Handeln. Das Problem seien weniger die Leute dort, sondern deren Zustand: «Viele sind betrunken, Alkohol und Drogen spielen leider eine grosse Rolle.» (zum)