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Man sieht ihr an, dass sie ein nobleres Umfeld gewohnt ist als das Zürcher Bezirksgericht.
Die Haare hat die gebürtige Filipina mit einem Foulard zurückgebunden. Sie trägt einen eleganten Regenmantel, schwarzes Oberteil, Hose und silberne Ballerinas.
Doch was die schöne Fernanda* auf dem Kerbholz hat, ist für den Staatsanwalt einer der grössten Fälle von Sozialhilfemissbrauch der letzten Jahre.
Innert zwölf Jahren liess sie sich vom Zürcher Sozialamt mit über einer halben Million Franken unterstützen.
Aber Fernanda arbeitete nebenbei. Unter anderem in einer Nobel-Bijouterie und in einer edlen Boutique beim Paradeplatz verdiente sie in derselben Zeit gegen 300000 Franken dazu. Das alles verschwieg sie dem Sozialamt.
An ihren exklusiven Arbeitsorten sprach sie offenbar ausschliesslich Englisch. Vor dem Bezirksgericht versteht sie jedenfalls kein Wort Schweizerdeutsch. Ein Übersetzer muss her.
Dann stammelt sie weinerlich. «Ich gebe zu, die Behörden betrogen zu haben.» Doch habe sie Grund dazu gehabt.
Ihr Schweizer Ehemann habe sie unter Druck gesetzt, zu betrügen. Er habe sie sogar mit einem Messer attackiert, wurde verhaftet. «Ich war danach alleine», klagt Fernanda. «Wie hätte ich meine fünf Kinder ernähren können, von dem, was mir die Behörden gaben?»
Für die Richter eine reine Schutzbehauptung. Zudem habe sie mit den Alimenten rund 4500 Franken monatlich erhalten.
Das Gericht bestraft Fernanda wegen gewerbsmässigen Betrugs mit zwei Jahren Knast. Bedingt. Hinter Gitter wandert sie nur wegen ihrer kleinen Kinder nicht.
Als Zuschauerin sass im Gericht auch eine Vertreterin der Sozialen Dienste.
Ein Sinnbild: Zugeschaut hatte auch das Sozialamt zwölf Jahre. Statt bei der AHV abzuklären, ob Fernanda arbeitet, zahlte es munter Sozialhilfe.
«In der Vergangenheit wurden solche Auszüge nicht flächendeckend eingeholt», sagt Guido Schwarz von den Sozialen Diensten der Stadt Zürich. Neuerdings tue man das aber.
* Name von der Redaktion geändert
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Fernanda: Die fünffache Mutter kommt mit zwei Jahren Gefängnis bedingt davon — wegen ihrer Kinder. (Franco Greco)