Sexuelle Gewalt: Oft ists der nette Knabe von nebenan

  • Publiziert: 21.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Erschreckend: Bei sexuellen Übergriffen sind ist jeder zweite Täter der nette Knabe von nebenan. Tatort ist immer die Schule.

Das sind böse Erkenntnisse. Präsentiert hat sie heute der Soziologe Manuel Eisner. Merkwürdig: Die Polizeistatistiken geben kein realistisches Bild. Sie verharmlosen das wahre Ausmass der sexuellen Gewalt unter Jugendlichen.Demnach haben nur 4,3 Prozent der Schüler angegeben, in den letzten 30 Monaten sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Mit sexueller Gewalt sind sämtliche unerwünschten Handlungen gemeint, vom Griff an die Geschlechtsteile bis zur Vergewaltigung.Verglichen mit Raub (9 Prozent), Erpressung (5,3 Prozent) und Körperverletzung mit und ohne Waffen (18,4 Prozent) ist sexuelle Gewalt damit am seltensten. Nach Geschlecht betrachtet ergeben die Zahlen aber ein anderes Bild: Für Mädchen sind sexuelle Übergriffe die häufigste Form von Gewalt! Häufig ists ein Kollege Eines von zwölf Mädchen (7,8 Prozent) hat angegeben, bereits ein- oder mehrmals Opfer geworden zu sein. Und: Die Täter waren durchgehend Knaben, 45 Prozent waren minderjährige Kollegen.Die Übergriffe konzentrierten sich auf eine kleine Opfer-Gruppe. «Einige wenige Mädchen haben fast die Hälfte aller Vorfälle erlebt», sagt Soziologe Eisner. Rund die Hälfte wurde mehr als einmal Opfer. Vereinzelte sogar über zehn Mal!Keine Zunahme seit 1999Immer öfter in der Schule Während noch 1999 die meisten Übergriffe in der elterlichen Wohnung passierten, ergibt sich jetzt folgendes Bild: Die Übergriffe passieren vor allem in der Schule (17,8 Prozent), im Ausgang (15,4 Prozent) und in Bussen oder Bahnen (12,6 Prozent).Dies sind die weiteren Ergebnisse: 57,3 Prozent der Opfer haben höchstens einer Freundin vom Vorfall erzählt, nicht aber einem Erwachsenen. 42 Prozent redeten mit den Eltern (meist der Mutter) oder einer Lehrperson darüber. Wenig Vertrauen geniessen dagegen laut Eisner Beratungsstellen (9 Prozent) und die Polizei. Nur in fünf Prozent der Fälle kommts zur Anzeige gebracht. «Die Anzeigerate bei sexueller Gewalt ist damit viel kleiner als bei anderen Formen», so Eisner. Hauptgrund: 36 Prozent der Schülerinnen fanden den Übergriff «nicht so schlimm». angegeben. 32 Prozent wollen nichts mit der Polizei zu tun haben. (SDA)