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Knapp ein Jahr nach der Polizeiattacke hinkt Serhane Abdeljalil (41) immer noch. Die Muskelmasse seines linken Beins ist um die Hälfte geschrumpft. «Beim Gehen habe ich starke Schmerzen», sagt er zu SonntagsBlick: «Und beim Treppensteigen muss ich mich abstützen.»
Der mit einer Schweizerin verheiratete Nordafrikaner mit C-Bewilligung fühlt sich von den Stadtpolizisten aufs Gröbste misshandelt: «Ich widersetzte mich keinen Anweisungen. Ich tat nichts Unrechtes.»
Der Vorfall geschah im Rahmen einer Personenkontrolle am 19. Mai 2008. Abdeljalil geht die Langstrasse entlang. Um 16 Uhr erreicht er die Kreuzung zur Militärstrasse. Neben ihm stoppt ein Polizeiwagen. Zwei Beamte steigen aus. «Sie sprangen mich sofort an, würgten mich und drückten mir die Hände nach hinten», so Abdeljalil. Die Stadtpolizisten I. K.* (29) und F. H.* (26) hielten ihn wohl für einen Kügelidealer. «Sie sagten: ‹Öffne den Mund!›»
Später eskaliert die Situation. «Einer der Polizisten kickte mir seitlich gegen das Schienbein. Etwa beim fünften Schlag brach der Knochen.» Den verletzten Unterschenkel habe es gegen die Laufrichtung nach aussen weggedreht, klagt Abdeljalil: «Man hörte das Knacken weit herum.» Tatsächlich muss der Schlag heftig gewesen sein.
Die Röntgenbilder beweisen: Abdeljalils Schienbeinknochen wurde in mehrere Teile zersplittert. Am 6. Juni flickten ihm die Ärzte den Knochen wieder zusammen. Die Operation dauerte sechs Stunden! Immer noch stecken Schrauben und Platten in seinem linken Bein.
Nach dem Zugriff an der Langstrasse stiessen weitere Polizisten hinzu. Zusammen hätten sie ihn verhöhnt: «Es gab ein Gelächter und sie nannten mich Arschloch. Als ich mich beschwerte, hiess es: ‹Halt die Klappe!›» Um Zeugen fernzuhalten, hätten sie ihn in eine Seitengasse geschleift, sagt Abdeljalil.
Der Tonfall habe schlagartig geändert, als ein Vorgesetzter eintraf. Der Chef hätte sofort befohlen, ihm die Handschellen abzunehmen, sagt der Marokkaner. Der Gruppenführer habe sehr verärgert gewirkt: «Wohl weil sie bei mir nichts fanden und nicht einmal nach einem Ausweis verlangten.»
Staatsanwältin Christine Braunschweig (41) bestätigt, dass sie gegen die beiden Polizisten I. K. und F. H. eine Strafuntersuchung wegen Amtsmissbrauch mit Körperverletzung führt: «Die Befragungen laufen noch», so Braunschweig. Die Stadtpolizei sagt, Serhane Abdeljalil sei im Rahmen einer Schwerpunktkontrolle im Zusammenhang mit Drogen im Kreis 4 kontrolliert worden.
Sie widerspricht Abdeljalil: «Er widersetzte sich gemäss unseren bisherigen Erkenntnissen der Kontrolle, weshalb er von den Polizisten zu Boden geführt werden musste. Dabei hat er sich bedauerlicherweise die Verletzung zugezogen.» Die Kontrolle sei verhältnismässig gewesen, so Susann Birrer, Chefin der Infostelle, weiter. Die beiden Polizisten seien nach wie vor im Dienst: «Wir warten das Ergebnis der Untersuchung ab und treffen nötigenfalls Massnahmen.»
*Namen der Redaktion bekannt