Sacha Wigdorovits war ein Freund des getöteten Balts L. (†67) «Das Urteil ist eine Lizenz zum Töten»

PFÄFFIKON ZH - Stephan L.* erschoss im März 2015 seinen Vater Balts. Das Gericht verurteilte den jungen Mann zu fünf Jahren Haft. Für Sacha Wigdorovits, den Chef des Opfers, kommt dieser Entscheid einer Lizenz zum Töten gleich.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Mit Knallkörpern Vandalen beschädigen türkisches Konsulat in Zürich
2 Günstiger und umweltfreundlicher Zürich will Bus mit Batterie testen
3 Verunfallte Schlittler Rega flog am Üetliberg zwei Einsätze

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
33 shares
6 Kommentare
Fehler
Melden

Mit einem Kopfschuss tötet Stephan L.* (21) im März 2015 seinen Vater, den ehemaligen NZZ-Journalisten Balts L. (†67). Das Bezirksgericht Pfäffikon ZH verurteilt den jungen Mann am letzten Freitag zu fünf Jahren Gefängnis wegen Totschlags.

Die Staatsanwaltschaft hatte 20 Jahre wegen Mordes gefordert. Deshalb hat sie Berufung angemeldet. Falls das Zürcher Obergericht die milde Strafe jedoch nicht verschärft, kommt Stephan L. dank der anrechenbaren Untersuchungshaft (18 Monate) bei guter Führung schon in eineinhalb Jahren wieder auf freien Fuss.

«Schande für Schweizer Justiz»

Das milde Urteil schockierte aber nicht nur die Anklage, sondern auch Sacha Wigdorovits. Der ehemalige Journalist und Geschäftsleiter einer Kommunikationsagentur war Freund und Chef des getöteten Balts L.

Deshalb wurde er im Prozess auch als Zeuge vorgeladen und verfolgte den ganzen Prozess mit. In einem Artikel in der «Basler Zeitung» bezeichnet er das Urteil als «eine Schande für die Schweizer Justiz».

Vatermord-Urteil Pfäffikon: Freund des ermordeten Balts L. entsetzt play
Sacha Wigdorovits war Arbeitgeber und Freund des Opfers. Goran Basic

«Die Art und Weise, wie das Gerichtsverfahren und die Urteilsbegründung abliefen, war skandalös», schreibt Wigdorovits. Die Gerichtsvorsitzende Yvonne Mauz (SP) habe nichts unterlassen, um vom getöteten Vater ein möglichst schlechtes Bild zu vermitteln. «So unterliessen es die Richter, den Angeklagten zu fragen, weshalb er überhaupt bei seinem tyrannischen, kaltherzigen Vater in diesem desolaten Umfeld wohnen blieb», schreibt der PR-Profi.

Balts L. habe seinem Sohn einen Internatsaufenthalt vorgeschlagen – was von diesem abgelehnt worden sei. Auch eine befreundete Familie habe dem Täter angeboten, ihn aufzunehmen.

Der Täter bastelte einen Schalldämpfer

Der Täter hat im Vorfeld der Tötung nach Anleitungen aus dem Internet einen Schalldämpfer gebastelt – für seinen geplanten Selbstmord im Wald, wie er vor Gericht sagte. Ob dieser nicht auch für den Mord an seinen Vater gedacht gewesen sei, habe die Richterin nicht gefragt, kritisiert Wigdorovits. 

Auch sonst habe das Gericht alles ausgeblendet, was der These widersprochen habe, dass der Sohn unter «grosser seelischer Belastung» gehandelt habe. «Dass der vom Staatsanwalt zugezogene Psychiater die Situation anders beurteilte, liessen die Richter nicht gelten», schreibt der ehemalige Journalist. 

Ein Zeichen an andere Teenager mit Problemen

Das gemeinsame Weihnachtsfest, die Unterstützung in der Schule und der Taxiservice ins Schwimmtraining – alle diese Anzeichen, dass sich der Vater trotz des schwierigen Verhältnisses um den Sohn gekümmert habe, seien ignoriert worden, schreibt Sacha Wigdorovits. Balts L. habe zudem nur wenige Stunden vor seinem Tod den Sohn bei dessen Lehrmeister in Schutz genommen, obwohl dieser schon wieder nicht bei der Arbeit aufgetaucht war. 

«Das Urteil schien festzustehen, noch bevor der Staatsanwalt das erste Wort gesprochen und der erste Zeuge einvernommen war», schreibt Wigdorovits. Für ihn ist das milde Urteil des Gerichts eine «Lizenz zum Töten»: Indirekt ermunterten die Richter damit alle Teenager, Probleme mit ihren Eltern allenfalls mit Gewalt zu lösen.

Sein Fazit: «Der geständige und reuige Täter zeigte, dass er über ein intaktes Rechtsempfinden verfügt, das Gericht hingegen liess ein solches sträflich vermissen.» (kra)

Publiziert am 10.11.2016 | Aktualisiert am 10.11.2016
teilen
teilen
33 shares
6 Kommentare
Fehler
Melden

6 Kommentare
  • Fredy  Kaufmann aus Bubikon
    10.11.2016
    Ich finde es ein frechheit des Staatsanwaltes, der das ganze noch weiterzieht und somit enorme Kosten verursacht. Es scheint, das verschiedene Staatsanwälte gerne auf Kosten anderer weiterziehen. Mir ist das bei einem angeblichen Verkehrsdelikt auch passiert und musste noch Kosten für Anwalt selber übernehmen, obschon unschuldig. Ich finde es eine gerechte Strafe,denn der Täter wurde nicht optimal durch den Vater betreut. Staatsanwälte sollten für grob verschuldete Kosten belangt werden.
  • Paul  Meier aus Bergdietikon
    10.11.2016
    Nun, gemäss dem, was ich in der Gazette gelesen habe, ist das ein nachvollziehbares Urteil. Falls Herr W. mehr weiss, soll er es auf den Tisch legen.Gemeinsames Weihnachtsfest und Taxiservice zum Schwimmen sind etwas wenig!
  • Arthur  Zwahlen aus Graubünden
    10.11.2016
    Ich finde diesen Urteil korrekt und nachvollziehbar. Es ist nur krass zu lesen im parallelen Artikel über einen Ausraster in einem Flugzeug in Florida, dass diesem 20 Jahre Gefängnis in den USA dafür drohen.
  • R.  M. aus Schweiz
    10.11.2016
    Dies haben wir genau erwartet,dass dies geschrieben wird,es ist keine Lizenz zum Toeten,in der Nachverhandlung wird der Verteidiger euch dies mit aerztlichen und psychologischen Gutachten sicher belegen,dass dies nicht so ist,wie ihr denkt.Denn der Jungemensch hatte keine andere Wahl.Betreffend seinem Vater,ist es schwer als Mitarbeiter oder Kollege zu verstehen,wenn der Vater sich nicht hinter seine Fassade schauen liess.Dem entsprechend ist auch das Urteil aus gefallen.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    10.11.2016
    Richter sollte man eben nach ihre Fähigkeiten wählen und nicht nach ihrem Parteibuch - in der Schweiz entscheidet leider immer noch die Politik über Recht und Unrecht !
    • Blumer  Gerhard 10.11.2016
      Gut dass Sie das jetzt gesagt haben. Sicher treffen sich die Richter der Parteien öfters an einem unbekannten Ort wie z. B. im Toggenburg für Geheimabsprachen. Da wird dann abgemacht, wem man die Human rights zukommen lassen will und wer trotz Rotlichtmissachtung freikommt.