Rockt hier die künftige Stadtpräsidentin von Zürich? Lesbisch, links und lebenslustig

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«Trugschluss» Die Band Trugschluss trifft nicht jeden Ton richtig – falsch, aber gut. play «Trugschluss» Die Band Trugschluss trifft nicht jeden Ton richtig – falsch, aber gut. (Michael Würtenberg)

Zürich leistet sich einen lauen Stadtpräsidiums- Wahlkampf. Für etwas Stimmung sorgt nur SP-Kandidatin Corine Mauch – am Bass!

Die Stadt Zürich wird möglicherweise bald nicht mehr rot-grün, sondern rosa-grün regiert: SP-Gemeinderätin Corine Mauch (48), bekennend lesbisch, hat gute Chancen, am 8. Februar zur neuen Stadtpräsidentin gewählt zu werden – und damit die Nachfolge von Elmar Ledergerber (64) anzutreten.

Mit der regenbogenbunten Stadtpräsidentin würde das weitherum als Homosexuellen-Hochburg bekannte Zürich ganz offiziell mit Städten wie Berlin, Hamburg und Paris gleichziehen. Dort regieren Männer, die Männer lieben (siehe Box). Und das ist auch gut so, wie der schwule regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (55), nach seiner Wahl sagte.

Ärgerlich ist dagegen, dass der Wahlkampf um den Posten an der Spitze der grössten Stadt der Schweiz seit Wochen langweilig vor sich hinplätschert. Schwachstrom statt Frauen-power. Die SP, seit 18 Jahren an der Macht, propagiert simpel: weiter so! Und auch Gegenkandidatin und FDP-Stadträtin Kathrin Martelli (56) vermag kaum Akzente zu setzen. Dabei ist das Stadtpräsidium in Zürich nicht einfach irgendein Job: Mit 12,2 Milliarden Franken verfügt Zürich hinter dem Bund und dem Kanton Zürich über das drittgrösste öffentliche Budget im Land.

Schwung in den Wahlkampf brachte am letzten Freitagabend immerhin ein privater Auftritt von Corine Mauch, wenn auch nur musikalisch. Im Zürcher Club Helsinki, einer beliebten Adresse der Zürcher Alternativszene, trat die Präsidiumskandidatin mit ihrer Punkrock-Band Trugschluss auf und rockte an der Bassgitarre, was das Zeug hielt, begleitet von Gitarrist Herbert Lauper (47), Background-Sängerin Corinne Sotzek (43), Saxofonistin Nicole Sotzek (45), Schlagzeugerin Gabrielle à Porta (47) und Leadsängerin Gabi Mengel (48).

Nervös waren sie vor dem Auftritt alle. «In letzter Zeit spielten wir nur noch an einem 50. Geburtstag für Freunde», so Mauch vor dem Sprung auf die Bühne. «Möglicherweise werden wir nicht jeden Ton richtig treffen.» Und so war es denn auch – was das überwiegend lesbisch-linke Publikum nicht störte. Getrunken wurde kühles «Stapine»-Bier aus Flaschen mit Mauchs Konterfei drauf und gejohlt wurde sowieso, egal wie schräg die Coverversionen von bekannten Songs wie «I’m Your Venus» auch geklungen haben.

«Das Grooven mit der Band macht mir grossen Spass», sagte Mauch nach dem Auftritt, als sie sich, kaum hatte sie die Bassgitarre ausgestöpselt, wieder in die brave SP-Kandidatin verwandelte.

Schwul, na und?

Wird Zürich die Schwesterstadt von Berlin, Hamburg und Paris? Dort wie anderswo regieren Männer, die sich wie Corine Mauch zu ihrer Homosexualität bekennen: Klaus Wowereit (Berlin), Ole von Beust (Hamburg) und Bertrand Delanoë (Paris).
Am Bass Die Zürcher Stadtpräsidiumskandidatin Mauch. play Am Bass Die Zürcher Stadtpräsidiumskandidatin Mauch. (Michael Würtenberg)