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Rechtzeitig hatte es heute Nachmittag zu regnen aufgehört und die Sonne strahlte während des grössten Teils der Parade für die Tausenden von Menschen. Erst zum Schluss sorgte ein Platzregen und kurz darauf ein heftiger Wolkenbruch für tausende aufgespannter Schirme.
15000 bis 20000 Personen hatte die Stadtpolizei gezählt, die Organisatoren sprachen von rund 50000. Vom Bahnhof Enge zog die Schar in die Innenstadt, begleitet von Musik, die von etwa zwei Dutzend Wagen dröhnte und beobachtet von tausenden von Zuschauerinnen und Zuschauern am Strassenrand.
Von schrill bis Alltag
Manche Beteiligten trugen fantasievolle, auch schrille Kostüme. Die allermeisten aber war in ganz gewöhnlicher Strassenkleidung erschienen – ein Zeichen für die Alltäglichkeit, welche Homosexualität hierzulande mittlerweile erlangt hat.
Ziel der Parade war der Münsterhof im Herzen der Altstadt, wo zahlreiche Stände und eine Riesenbühne zum Volksfest luden. Unter anderen wandte sich die kürzlich gewählte Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch an die Menge, die sie mit ohrenbetäubendem Applaus und Jubel empfing. Mauch hatte aus ihrer Homosexualität nie ein Hehl gemacht.
Sie sei glücklich, dass so viele Menschen zu dem Anlass gekommen seien, sagte sie. Es sei das Resultat von Hartnäckigkeit und grossen Anstrengungen vieler engagierter Leute. Zwar sei es im Vorfeld zu Widerstand gekommen, spielte sie auf die Bemühungen der EDU an, die EuroPride 09 zu verhindern. Der Stadtrat habe sich aber in seiner Unterstützung des Grossanlasses nicht beirren lassen.
Die Menschenrechts-Aktivistin Mihaela Copot aus Moldawien geisselte die heute noch herrschende Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller in zahlreichen Ländern der Welt. Die 34-Jährige berichtete über Fälle von gewaltsamen Übergriffen auf Schwule und Lesben in Osteuropa, von gesellschaftlicher Ausgrenzung und offenem Hass.
Stonewall-Preis verliehen
Am Ende der Kundgebung wurde der CSD-Stonewall-Award verliehen. Der Name erinnert an Ausschreitungen von 1969 in der Stonewall-Bar an der New Yorker Christopher Street, welche den Beginn der Homosexuellen-Protestbewegung markierten.
Die Auszeichnung ging an Ernst Ostertag und Röbi Rapp, die seit über 50 Jahren ein Paar sind und sich fast ein Leben lang für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen. Sie liessen sich nicht einschüchtern von der Feindseligkeit, welche früher den Homosexuellen auch in Zürich entgegenschlug. Die beiden gehörten zu den ersten in der Schweiz, welche ihre Partnerschaft registrieren liessen, sobald dies möglich war.
Mehr als 200 Veranstaltungen
Nach dem Fest für die ganze Bevölkerung, das am Freitagabend begonnen hatte, geht die diesjährige EuroPride am Sonntag zu Ende. Seit dem 2. Mai standen mehr als 200 Veranstaltungen auf dem Programm. Etabliert sind mittlerweile das Filmfestival «Pink Apple» und das Kulturfestival «warmer mai». Dazu kamen beispielsweise ein Sportwochenende oder Fachtagungen zu aktuellen Themen.
Die EuroPride wird jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt durchgeführt, letztes Jahr in Stockholm. Die polnische Hauptstadt Warschau wird im kommenden Jahr Gastgeberin sein – angesichts der weit verbreiteten Vorbehalte gegen Homosexuelle in Osteuropa eine besondere Herausforderung. (sda)