Polizisten-Prozess in Zürich Kommen die Polizisten ungestraft davon?

ZÜRICH - Gestern mussten drei Polizeibeamte vor Gericht. Sie sollen am 19. Oktober 2009 einen dunkelhäutigen Mann bei der Verhaftung brutal niedergeknüppelt haben.

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Die Polizistin und die beiden Polizisten auf der Anklagebank sehen nicht aus, als ob sie eine übertrieben brutale Festnahme durchführen würden. Sie wirken eher wie kaufmännische Angestellte in der Freizeit. Sie sind sportlich elegant gekleidet und machen einen ruhigen Eindruck.

Doch die Anklage gegen das Beamtentrio ist happig. Sie sollen den dunkelhäutigen Wilson A.* (43) während einer Personenkontrolle gewürgt, mit Pfefferspray besprüht, mit dem Polizeistock geschlagen und mit dem Knie auf dem Rücken zu Boden gedrückt haben. Und das, obwohl Wilson A. die Beamten informiert hatte, dass er vor kurzem am Herzen operiert und ihm ein Defibrillator implantiert worden war (BLICK berichtete).

Die Staatsanwältin fordert eine Verurteilung wegen leichter Körperverletzung und Amtsmissbrauch. Aber: Die Körperverletzung ist seit Oktober verjährt – und wird somit nicht bestraft.

Die Polizisten stellten den Vorfall auch gestern wieder als korrekte Festnahme dar. Wilson A. habe sich geweigert, seinen Ausweis zu zeigen. Da seien sie mit ihm aus dem Tram ausgestiegen. Der Mann sei immer aggressiver geworden. Als er die Jacke öffnete, habe der Polizist versucht, die Hände von A. unter Kontrolle zu bringen. Dann habe es ein Gerangel gegeben.

Wilson A. habe sich wie wild gewehrt. Sie setzten Pfefferspray ein, aber gewürgt oder hart zugeschlagen hätten sie nicht. Nach den Befragungen nahm der Prozess eine unerwartete Wendung: Der Anwalt von Wilson A. stellte in seinem Plädoyer den Antrag, die Anklage in der Form fallenzulassen und stattdessen die beschuldigten Polizisten der Gefährdung des Lebens anzuklagen.

Wie er in seinem Plädoyer ausführte, habe die Staatsanwältin während sieben Jahren immer wieder verhindert, dass überhaupt ein Gerichtsverfahren eröffnet werde. «Es brauchte zwei Bundesgerichtsentscheide und viel Durchhaltewillen, damit doch eine Anklage stattfindet», sagt Anwalt Bruno Steiner. «Am Schluss hat sie als letzten Trick aus der Gefährdung des Lebens eine einfache Körperverletzung gemacht.»

Die Anwälte der Polizisten stellten den Antrag, nicht darauf einzutreten. Schliesslich seien die Anklagepunkte seit Februar bekannt. Eine Änderung sei nicht angebracht. Bruno Steiner wiederum beschuldigte die Staatsanwältin. Sie sei damals gar nicht auf seinen Hinweis eingegangen.

Ob die Polizisten straffrei davonkommen oder sich wegen Gefährdung des Lebens verantworten müssen, entscheidet das Gericht in den kommenden Tagen. 

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 22.11.2016 | Aktualisiert am 13.12.2016
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54 Kommentare
  • Reto  Leutenegger 22.11.2016
    @Willi Weber: ist Ihnen bewusst, dass das besagte "Opfer" schon mehrfach wegen genau dem gleichen Problem vor Gericht war und in einem Fall verurteilt wurde, sich renitent und gewaltsam gegenüber der Polizei verhalten zu haben? Dieser arme Kerl trifft ständig auf rasistische Polizisten die es nur auf ihn abgesehen haben! Oder liegt es vielleicht doch an seinem Verhalten?
  • Friedrich  Nellen aus Naters
    22.11.2016
    Schon der Titel suggeriert unterschwellig, dass die Polizisten geprügelt haben und werden so indirekt verurteilt. Gibt es aber in der Schweiz nicht auch die Unschuldsvermutung bis das Gegenteil bewiesen ist?
  • Jan  Berger 22.11.2016
    Wo zu wenig Freiheit herrscht, wird jede Lockerung dankbar entgegengenommen.

    Wo zu viel Freiheit herrscht, opponiert man selbst gegen die kleinste Einschränkung.

    Wir werden zunehmend zu einem Sammelbecken für verwöhnte, dumme, unbelastbare, sich im Dauerrecht wähnende Leute. Erschreckend, dass diese Leute Kinder "erziehen" könnten. Das wird noch richtig schön mit diesen künftigen Vertretern der Freiheit-Grenzenlos-Generation. In 15 Jahren wird dann vermutlich die Polizei verboten werden.
  • Markus  Kohler aus thun
    22.11.2016
    Es gibt einen ähnlich gelagerten Fall, der schliesslich vor dem EGMR entschieden wurde. Im Fall Dembele gegen die Schweiz entscheid der EGMR, dass die Schweiz den Fall zu wenig zügig entschieden habe, zudem seien die Ermittlungen gegen die Polizei zu oberflächlich gewesen. Das BGer hat den aktuellen Fall schon 2 x an die Vorinstanzen zurückgewiesen, unsorgfältige Abklärungen dürften nicht mehr beklagbar sein. Die Dauer der Verfahren könnte aber gerügt werden, die Klage dürfte vorbereitet sein.
  • Paul  Neidhart aus Zürich
    22.11.2016
    in der Schweiz ist Niemand verpflichtet einen Ausweis auf sich zu tragen. Bei einer Kontrolle muss er dann halt auf den Posten zur Feststellung der Identität. Kein Polizist schlägt grundlos zu!