Prozess gegen drei Polizisten Jetzt gehts auch um «Gefährdung des Lebens»

ZÜRICH - Die Staatsanwaltschaft muss ihre Anklageschrift nachbessern: Statt nur wegen Amtsmissbrauchs und Körperverletzung soll sie drei Zürcher Stadtpolizisten auf Geheiss des Bezirksgerichtes auch wegen Gefährdung des Lebens anklagen. Sie sollen bei einer Personenkontrolle den dunkelhäutigen, herzkranken Wilson A. verletzt haben.

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Der Fall ist äusserst umstritten: Drei Zürcher Polizeibeamte sollen den dunkelhäutigen Wilson A.* (43) während einer Personenkontrolle gewürgt, mit Pfefferspray besprüht, mit dem Polizeistock geschlagen und mit dem Knie auf dem Rücken zu Boden gedrückt haben.

Und das, obwohl Wilson A. laut eigenen Angaben die Beamten informiert hatte, dass er vor kurzem am Herzen operiert worden war. 

Am vergangenen Montag wurde der Prozess gegen die drei Stadtpolizisten unterbrochen. Der Anwalt von Wilson A. verlangte, dass die Anklageschrift nachgebessert wird.

Schrittmacherkabel hätte brechen können

Dem ist nun entsprochen worden, wie die der Nachrichtenagentur SDA schreibt. Die Anklageschrift muss nun um den Vorwurf der Gefährdung des Lebens ergänzt werden.

Wie das Bezirksgericht festhält, geht aus einem bei den Akten liegenden Arztbericht hervor, dass diese körperliche Auseinandersetzung mit «sehr hohen gesundheitlichen Risiken verbunden gewesen» sei.

Denn Wilson A. war kurz zuvor eine künstliche Herzklappe eingesetzt worden. Das implantierte Schrittmacherkabel hätte brechen können, was einen lebensgefährlichen Schock hätte auslösen können, heisst es im Arztbericht.

Gericht: «Es geht um die Glaubwürdigkeit der Justiz»

Angesichts dieser Ausführungen des Arztes «könnte das den drei Beschuldigten zur Last gelegte Verhalten möglicherweise auch den Tatbestand der (allenfalls nur versuchten) Gefährdung des Lebens erfüllen«, schreibt das Bezirksgericht.

Das Gericht will diese Option prüfen, da sie nicht von vornherein ausgeschlossen werden kann. Und weil «Polizisten angeklagt sind und der Privatkläger eine schwarze Hautfarbe hat»!

Das Interesse der Öffentlichkeit an einer umfassenden richterlichen Beurteilung der mutmasslichen Delikte und das Interesse eines fairen Verfahrens seien besonders hoch. «Letztendlich geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Justiz."

Polizisten gehen von «korrekter Festnahme» aus

Die Polizisten stellten den Vorfall vor Gericht als korrekte Festnahme dar. Wilson A. habe sich geweigert, seinen Ausweis zu zeigen. Da seien sie mit ihm aus dem Tram ausgestiegen. Der Mann sei immer aggressiver geworden. Als er die Jacke öffnete, habe der Polizist versucht, die Hände von A. unter Kontrolle zu bringen. Dann habe es ein Gerangel gegeben.

Wilson A. habe sich wie wild gewehrt. Sie setzten Pfefferspray ein, aber gewürgt oder hart zugeschlagen hätten sie nicht. Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist noch offen. (SDA)

Publiziert am 27.11.2016 | Aktualisiert am 29.11.2016
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28 Kommentare
  • Christoph  Immoos aus Basel
    28.11.2016
    Und die erste Reaktion des "Misshandelten" zeigt seine Respektlosigkeit gegenüber unserem Staat. Die Bemerkung dass die Kontrolle nur stattfindet weil er Schwarz sei unterstellt den Beamten rassistisches Verhalten. Es wäre interessant zu erfahren, wer die Einsprachen finanziert und wer die Anwälte der Polizisten bezahlt. Der Mann und sein Herz scheinen ja per dato in der Schweiz sehr gut und aufwändig behandelt worden zu sein. Eine Vorverurteilung der Polizei ist auf jeden Fall nicht zulässig.
  • Christoph  Immoos aus Basel
    28.11.2016
    Es ist eine Tatsache, dass dunkelhäutige Menschen öfter diskriminiert werden als Weisse. Es ist ebenso eine Tatsache, dass gerade im Drogenhandel überdurchschnittlich viele Schwarze involviert sind. Eine Ausweiskontrolle kann jedem passieren und der mutmasslich Geschädigte mit damals neuer Herzklappe und ICD (Defibrilator) sollte sich angesichts der vielen tausend Franken Heilungskosten etwas positiver unseren Behörden gegenüber zeigen. Die Weisungen der Polizei sind zu respektieren. Unbedingt.
  • Roman  Bachmair aus Naters
    27.11.2016
    Wie schon gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass da diese Polizisten, gerade in der heutigen Zeit, einen Schwarzen grundlos mit Gewalt begegnen!

    Es ist ja erwiesenermassen schon viel vorgekommen, dass sich gerade eben diese Leute bei einer Kontrolle nicht kooperativ verhalten. Und das ist dann halt ihr Problem. Hätte er den Ausweis einfach gezeigt, wie wir es entsprechende Aufforderung der Polizei auch machen, wäre alles kein Problem gewesen.
    • John  Livers aus St.Gallen
      27.11.2016
      Warum glauben solche Leute immer, mehr Recht als andere zu haben. Hatten wir doch vor ein paar Wochen schon einen Prozess der die Polizei wegen einer Kontrolle verklagen wollte. Da gab es einen Freispruch, wie in diesem Fall hoffentlich auch. Wo kommen wie da hin wenn die Polizei nicht mehr Kontrollieren darf und im Gegenteil noch angegriffen wird? War ja nicht das erste mal bei diesem Herrn.Wer sich nicht benehmen kann muss halt fühlen.
  • Paul  Schaller aus Salto
    27.11.2016
    Was fuer eine unsaegliche Geschichte die schon Jahre dauert. Falls die 3 verurteilt werden, sollten alle staedtischen Polizisten solidarisch kuendigen. Es gibt genug Staedte die ausgebildete Polizisten braucht.
  • Guillaume  Tell aus Dubai
    27.11.2016
    Ich wohne in Dubai und halte mich, weil Gast, an die Regeln des Gastgebers, ob die mir passen oder nicht. Das ist der Unterschied zu vielen "Neubürgern", die es in die Schweiz schwemmt! Und auch ich habe keine Probleme!