Schweinegrippe Patientinnen starben trotz Tamiflu

  • Aktualisiert am 13.01.2012
  • Von Beat Kraushaar und Georg Nopper

WINTERTHUR – Am Kantonsspital Winterthur sind zwei Frauen wegen dem H1N1-Virus gestorben. Erschreckend: Beide wurden mit dem Anti-Schweinegrippe-Mittel Tamiflu behandelt.

Die Schweiz hat bis heute bereits drei Schweinegrippe-Tote zu beklagen. Zwei davon betreffen das Kantonsspital Winterthur (Blick.ch berichtete). Die beiden Patientinnen hatten sich mit dem H1N1-Virus infiziert und bekamen als Folge davon eine Lungenentzündung.Ein tragischer Zufall, dass gleich zwei Fälle im Kantonsspital Winterthur auftraten? Spital-Sprecher André Haas: «Dass gerade das Spital Winterthur betroffen ist, ist ein statistischer Zufall. Vielleicht gibt es in unserer Region auch mehr Schweinegrippe-Fälle als anderswo. Aber schon morgen kann sich das ändern und ein anderes Spital betreffen.»Zwar hatten die Patientinnen eine längere Krankheitsgeschichte. Doch sie wurden beide mit dem Anti-Schweinegrippe-Medikament Tamiflu behandelt – und sind trotzdem gestorben.«Verrückter Krankheitsverlauf»Die erste Patientin (55) war bereits im Frühjahr ins Spital eingeliefert worden. Sie war zuckerkrank. Die Ärzte diagnostizierten bei ihr eine beidseitige Lungenentzündung. Ihr Zustand verschlechterte sich, bis sie auf die Intensivstation verlegt und künstlich beatmet werden musste. Gestern verstarb sie schliesslich an Lungenversagen. Spital-Sprecher Haas: «Sie hatte einen verrückten Krankheitsverlauf.»Bei dem zweiten Schweinegrippe-Todesfall im Kantonsspital Winterthur handelt es sich um eine 46-jährige HIV-Patientin, die zudem an einer schweren Herzkrankheit litt. Sechs Tage nach Eintritt musste sie auf die Intensivstation gebracht und bis zu ihrem Tod gestern Abend künstlich beatmet werden. Die Immunschwäche und die Herzerkrankung seien für diesen Verlauf entscheidend gewesen, schreibt das Spital.Impfrate beim Pflegepersonal unklar«Die Patientinnen haben sich nicht bei uns mit dem Virus angesteckt, sie waren schon infiziert als sie zu uns ins Spital kamen», sagt Sprecher Haas gegenüber Blick.ch. Wie hoch die Impfrate beim Pflegepersonal ist, könne er noch nicht beurteilen. Denn die Impfaktion laufe immer noch.Laut dem Kantonsspital traten beide Patientinnen unabhängig voneinander ins Spital ein. Sie hätten erst auf der Intensivstation Kontakt gehabt. Das Spital schliesst daher eine gegenseitige Ansteckung aus.«Soviel ich weiss, waren die Patientinnen noch nicht geimpft», sagt Haas. «Aber so oder so: Da die Impfung erst nach zwei Wochen voll wirksam ist, hätte auch die Impfung nicht mehr geholfen».
Tamiflu: Auch das Anti-Schweinegrippe-Mittel konnte die beiden Patientinnen am Kantonsspital Winterthur nicht retten.- Keystone

Top 3

1 In Zürich 18-Jähriger von Tram überfahrenbullet
2 Frontal-Crash in Bülach Mann (22) stirbt – Frau (52) schwer verletztbullet
3 Vor Zürcher Fussball-Derby Wirte ignorieren Bier-Verbot vor Stadionbullet

Schweiz