Reto, der erste Sohn des Buchhalters Gustav G. «Papi wollte mich töten, um Mami eins auszuwischen»

  • Publiziert: 03.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann und Beat Michel

Reto G. überlebte mit 13 den brutalen Angriff seines Vaters. Nach jahrelanger Therapie kann er wieder gehen und sprechen.

Der Horror von Reto G.* (heute 33) beginnt am Tag, als sein Vater Gustav G.* die Scheidungsklage seiner ersten Ehefrau Martha erhält. Am Donnerstag, 6. September 1990 stürmt er zu ihr, bespuckt sie und nimmt den damals 13-jährigen Sohn mit.

Zum Spaziergang, sagt der Buchhalter zu Reto, als er um 17 Uhr bei Rothenthurm SZ das Auto parkiert und mit ihm in den Wald Richtung Hochstuckli geht. Unterwegs würgt Gustav G. seinen Sohn, schlägt ihm mit einem dicken Ast auf den Kopf. Zwei Mal. Dann wirft er Reto in eine Schlucht. Den leblosen Körper deckt er mit Zweigen zu.

18 Stunden später stellt sich der Vater der Polizei. «Mein Sohn ist tot», sagt Gustav G. Reto aber hat überlebt. Der 13-Jährige wird mit schwerem Schädel-Hirntrauma ins Spital gebracht.

Nur dank langjähriger Therapie kann Reto wieder gehen und sprechen. Das linke Bein zieht der mittlerweile Erwachsene nach, sein linker Arm ist praktisch gelähmt.

Sein furchtbares Schicksal erzählt Reto G. im Juni 2005 in der SF-Sendung «Quer». Spricht zum ersten Mal öffentlich über das, was ihm sein Vater antat.

Wie war das damals mit dem Vater im Wald? «Ich habe das wie verdrängt», sagt Reto im «Quer.» Und fügt an: «Ich habe leider, oder zum guten Glück, keine Erinnerung an die Tat.»

Weiss Reto, warum ihn sein Vater ermorden wollte? «Papi wollte mich töten, um Mami eins auszuwischen. Er wollte sie schädigen, durch mich.» Der Hauptgeschädigte aber ist Reto. Er wird den Horror nicht mehr los. «Ich werde an jedem Tag durch meinen Körper mit der Tat konfrontiert.» Bis heute leidet er auch seelisch an den Folgen des «teuflischen Plans» seines Vaters. So nannte Staatsanwalt Benno Annen (61) die Tat im Gerichtssaal. «Er wurde wegen Mordversuchs verurteilt – dazu braucht es eine besondere Skrupellosigkeit», sagt Annen zu BLICK.

Der Staatsanwalt erinnert sich: «Der Fall machte mich tief betroffen. Gerade, weil es um ein Kind ging. Das sind hilflose Geschöpfe, die missbraucht werden im Spiel der Macht. Furchtbar.» Auch Florian (†4) war so ein hilfloses Geschöpf. Gustav G. ermordete seinen kleinen Sohn aus der Beziehung mit der jungen Brasilianerin Marcia am Freitag in einem Hotelzimmer in Winterthur.

Warum hatte der wegen Mordversuchs Verurteilte das Sorgerecht für Florian? Fest steht: Nachdem Gustav G. am 15. Januar 2008 wegen Veruntreuung von 60000 Franken in Zürich vor Gericht stand, wurde in Bonstetten ZH auch über das Sorgerecht für den Buben debattiert. Der Entscheid fiel zugunsten des Buchhalters aus. Fest steht auch: Reto G. ging vor Monaten persönlich zur Gemeinde Bonstetten, um die Behörden vor seinem Vater zu warnen.

Ob und welche Massnahmen eingeleitet wurden – darüber schweigt sich die Gemeinde aus.

* Namen der Redaktion bekannt

Ehefrau Nr. 2 sagt:

«Er gab mir schriftlich Hausverbot fürs Büro»

Die Russin spricht ungern über ihren Ex-Mann. «Die Zeit mit Gustav ist ein schwarzer Fleck in meinem Leben.» Irina kam 2000 in die Schweiz, um Gustav G. zu heiraten. «Alles war in Ordnung, so lange ich einen Job bei einer russischen Internet-Zeitung und eigenes Geld hatte.» 2003 verliert sie die Stelle. «Er gab mir nicht mal Geld zum Essen.» Irina sucht ihren Mann in seinem Büro in Zürich auf. Sie will 30 Franken für Lebensmittel. Statt Geld gibt ihr Gustav G. ein schriftliches Verbot, ihn im Büro zu besuchen. «Als ich ihm sagte, dass ich der Polizei erzähle, wie er seine Ehefrau verhungern lässt, griff er mich an. Darauf trennte ich mich.» Dass ihr Ehemann wegen versuchten Mordes vorbestraft ist, erfährt Irina G. erst während des Scheidungsverfahrens. «Meine Anwältin sagte mir, dass er sehr gefährlich ist.»