ZÜRICH - Ghettoblaster waren einmal. Nun zehren iPhone-Verstärker an den Nerven der Badenden.
Rund 80'000 Besucher strömten am Wochenende in die Zürcher Badis und hofften dort auf Abkühlung. Doch mit gemütlichem Sonnen danach war nichts.
Die Badegäste standen unter Dauerbeschallung. «Viele junge Badi-Besucher nehmen für ihr Smartphone einen Verstärker mit und beschallen damit nicht nur ihre Kollegen, sondern auch die anderen», sagt ein Blick am Abend-Leser.
Ion Tailgater oder Jawbone Jambox heissen zwei beliebte All-in-one Soundsystems mit Docking-Stations für Smartphones. Sie haben bis zu acht Stunden Akku, kräftige 16-Watt-Verstärker und sind wohl die Nachfolger der Ghettoblasters.
Ein Musikverbot in den Badis gibt es nicht. «Erlaubt ist, was nicht stört», sagt Hermann Schumacher, Abteilungsleiter Sportamt der Stadt Zürich. Vor allem in den grossen Badis, wie dem Tiefenbrunnen oder dem Mythenquai, wo an einem schönen Tag bis zu 6000 Badende sich tummeln, kommt es immer wieder zu Reklamationen. «Meistens finden die Besucher untereinander eine Lösung. Und sonst schreitet der Bademeister ein. Die Erfahrung zeigt, dass oft weniger die Lautstärke als vielmehr die Musikrichtung stört.»
Bis anhin sehen die Badis keinen Handlungsbedarf. Doch eine Umfrage bei Media Markt und Saturn zeigt: Die All-in-one Soundsystems sind auf dem Vormarsch: «Die ion Tailgate und die Jawbone Jambox Soundsystems sind bei den Jungen beliebt und verkaufen sich in den Sommermonaten sehr gut», sagt Sprecherin Séverine de Rougemont. (rik)
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