Maurer «beleidigt Tausende Leute»

  • Publiziert: 28.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – An den Botellón zu gehen, sei im «im Hirn oben krank». Polizeivorsteherin Esther Maurer teilt vor dem morgigen Anlass in Zürich deftig aus. Und erntet wenig Lob.

Esther Maurer hat sich gewehrt, wollte den Anlass verbieten lassen. Das geht rechtlich nicht. Der Botellón wird morgen stattfinden. 7200 Leute haben sich auf Facebook bisher angemeldet. Der Polizeivorsteherin ists ein Dorn im Auge. Und dies hat sie heute nochmals deutlich betont: «Das ist für mich im Hirn oben krank!», sagte sie gegenüber «Radio 1».

Ein Satz, der viele Blick.ch-Leser entzürnt: «Eine solche Aussage von einer Dame in einem sehr hohen Amt ist wirklich beschämend. Hier werden Tausende Leute beleidigt. (…) Liebe Frau Maurer bevor man einfach ein Urteil fällt, sollten Sie selber vor Ort mitfeiern und anstossen», sagt Cedric aus Schlieren.

Gefährliches Spiel für die eigene Partei»

Sandro aus Neuenegg spannt den Bogen noch weiter: «Gefährliches Spiel von Frau Maurer, auch für die eigene Partei: Die ‹Gehirnkranken› sind die nächste Generation von Wählern, und vergessen werden solche Aussagen garantiert nicht so schnell...! Toleranz ist das Schlagwort: Niemand stellte je ein Schützenfest, Turnfest oder Schwingfest derart an den Pranger.»

Ähnliche Vergleiche zieht Katrin Sachser aus Zürich: «Und was genau geschieht dann beim Sechseläuten, wenn sich die Zünfter die Birne füllen? Ach ja, das ist halt was Anderes. (...) Jetzt kommts zum Protestsaufen gegen ihre dumme Aussage!» Und auch Lang aus Zürich stösst ins gleiche Horn: «Man kann als Erwachsener auch Jugendliche solange provozieren, bis sie genau das machen, was man verhindern möchte.»

Erziehung und Rücktrittsforderungen

Blick.ch-Leser Rolf stellt erziehungstechnische Überlegungen an: «Schon mal überlegt, wo die Teens das Saufen erlernt und gesehen haben? Bei euch super Moralaposteln, die sich am Oktoberfest und dem Eidgenössischen Schwingfest die Birne weghauen.»

Dann gibts Leser, die für ihre Kinder einstehen, welche an den Botellón gehen: «Ich bin selber Vater von erwachsenen Söhnen, welche auch hingehen werden. Ich weiss, dass ich denen vertrauen kann und für mich stellt sich die Frage, wer hier eigentlich wirklich ‹krank im Hirn› ist», schreibt Hape aus Zürich. «Es wird höchste Zeit, dass Sie abtreten Frau Maurer», fordert er deshalb.

Sinnloses Betrinken

Doch: Die Polizeivorsteherin ernet auch Beifall. «Frau Maurer hat sich vielleicht etwas undiplomatisch ausgedrückt. Im Grundsatz aber hat sie absolut recht. Wer zahlt die Reinigung der Plätze von Gekotztem und Flaschen etc.? Der Steuerzahler. Leider. Es ist äusserst bedenklich, wenn junge Leute am sinnlos Betrinken Freude haben und dies noch mega cool finden», findet Cejo aus Baden.

«Ich bin derselben Meinung das Leute, die sich absichtlich besaufen, krank sind. Als Politiker hätte ich es aber trotzdem nicht öffentlich gesagt», meint ebenso Peter P. aus Zürich.

«Schwachsinn stoppen»

«Super, endlich sagt jemand was er denkt. Dieser Schwachsinn muss gestoppt werden. Es besteht schon lange Handlungsbedarf. Nicht nur an solchen Massenbesäufnissen sollte eingegriffen werden, sondern auch in vielen Clubs in Zürich, wo nicht nur Alkohol im Übermass konsumiert wird sondern Drogen jeglichster Art zur Tagesordnung gehören. (…) Super Frau Maurer! Weiter so!», lobt Na aus Oftringen.

Anerkennung erhält die SP-Stadträtin auch von Fridolin Glarner aus Chur. Er prangert die Eltern an: «Maurer hat vollkommen recht. Man sollte Teenies, die spätnachts sturzbetrunken umherirren, in eine Züchtigungsanstalt stecken und den unfähigen Eltern hohe Geldbussen aussprechen!»

Maurer relativiert ihre Aussage

Heute Abend erklärte der Sprecher der Stadträtin, Maurer habe nicht pathologisieren wollen. Sie habe mit ihrer Äusserung «im Hirn oben krank» eigentlich den Ausdruck «hirnverbrannt» gemeint. (spj)

Und wo wird die Polizeivorsteherin sein?

Esther Maurer beim Anprosten am Botellón? Kaum vorstellbar. Aber was tut die Stadträtin denn morgen? Die Polizei schenkt hier keinen reinen Wein ein: «Es ist Langstrassenfest, Dörflifest, Theaterspektakel und Botellón. Frau Maurer könnte überall und nirgends sein», so Polizeisprecher Marco Cortesi gegenüber Blick.ch. Natürlich werde sie dies nicht vorher kommunizieren. Was klar ist: Am Botellón wird die Polizei vor Ort sein.