Lehman-Opfer: «CS lässt uns sitzen»!

  • Publiziert: 24.12.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Sie verloren viel – einige alles: CS-Kunden, die ihr Geld in Lehman-Papieren angelegt haben. Nun machten sie ihrem Ärger vor dem Hauptsitz der Bank Luft.

50 geprellte Kunden sind es, die heute auf dem Paradeplatz eintreffen. Und sie nehmen kein Blatt vor den Mund. Ein grosses Transparent klagt an: «100 Prozent Kapitalschutz = 100 Prozent Verlust. CS – so nicht». Eine Informationstafel fordert «Kunden beraten, nicht Kunden verraten» und «Verantwortung für empfohlene Klumpenrisiko-Anlagen übernehmen».

Wen immer man fragt unter den Kundgebungsteilnehmern, überall klingt es ähnlich: Ein Leben lang gearbeitet und sich bemüht, immer wieder etwas auf die Seite zu legen. Für das Alter. Dann würde man es brauchen können.

Sie kannten sich nicht aus in Bankgeschäften und vertrauten den CS-Kundenberatern. Die hätten Lehman-Produkte empfohlen – auch als sie von den Problemen der US-Bank bereits hätten wissen müssen, wie verschiedene Anleger sagen. Die Anlage sei «kapitalgeschützt», hiess es, und das weckte Vertrauen.

Und nun das: 50000 Franken verloren, oder noch mehr. Und dabei wollte man Sicherheit und scheute das Risiko. Eine Frau hatte sich ihre Pensionskassengelder auszahlen lassen und vermeintlich gut angelegt. Ihr gesamtes Vermögen sei verloren und das ihrer Tochter dazu 175000 Franken. Sie habe gar nichts mehr, erzählt sie.

CS stiehlt sich aus der Verantwortung

Die Menschen sind empört darüber, dass die Kundenberater ihnen die Lehman-Produkte empfohlen haben. Und darüber, dass die Grossbank die Verantwortung nicht tragen wolle. «Die lassen uns sitzen», sagt ein Mann. Und eine Frau doppelt nach: «Jeder Handwerker muss für seine Arbeit geradestehen, warum nicht auch die Bank?»

Im Oktober hatte die CS angekündigt, dass Kunden, die am 31. August 2008 weniger als 500000 Franken bei der CS gehabt hätten und davon mehr als die Hälfte in Lehman-Produkten angelegt, eine Entschädigung kriegen sollten.

Das ist in den Augen vieler Kundgebungsteilnehmer ein Affront. Was gehe das die Bank an, wie viel jemand gespart habe, tönt es. Eine solche Unterscheidung dürfe sie gar nicht machen.

«Ich will mein Recht!»

Sie werde sich das mit Sicherheit nicht gefallen lassen, erklärt eine ältere Frau kämpferisch. Sie habe sich einen Anwalt genommen und scheue auch vor einem Prozess nicht zurück. «Ich lasse mir das nicht bieten, ich will einfach mein Recht».

Im September hatte die traditionsreiche Bank Lehman Brothers, die viertgrösste Investment-Bank der USA, Zahlungsunfähigkeit erklärt, nachdem Rettungsbemühungen gescheitert waren. Mit in den Strudel gerissen wurden auch Anleger in der Schweiz. Sie hatten Kundengelder in Lehman-Produkten angelegt, die nun nichts mehr wert waren. (SDA/hhs)