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26 Minuten hat der Böögg am Zürcher Sechseläuten den Flammen getrotzt, dann explodierte das Haupt des Wintersymbols mit einem lauten Knall. Für Zürcherinnen und Zürcher bedeutet dies: Frühlingsbeginn und einen schlechten Sommer 2008.
Unter verhangenem Himmel und Regenschauern zogen rund 3500 Zünfter, 1300 Musizierende, 1000 Kinder sowie Gäste am Montagnachmittag durch die Zürcher Innenstadt. Tausende von Schaulustigen beobachteten den Vorbeimarsch den Zug der 26 Zünfte.
Frauenzunft mit dabei
Erstmals durfte die Frauenzunft, die Fraumünster-Gesellschaft, dieselbe Strecke zurücklegen wie der offizielle Zug der Zünfte; allerdings früher am Nachmittag als die Herrenzünfte. Die Stiftsdamen des Fraumünsters hatten als Ehrengast Stadträtin Kathrin Martelli eingeladen. Seit 1989 bemüht sich die Gesellschaft um einen Platz im historischen Umzug.
Als Gastkanton zum Frühlingsfest der Zürcher Zünfter eingeladen war unter dem Motto «Chapeau» der Kanton Solothurn. Der Tambourenverein Solothurn und die Bruderschaft Sanctae Margarithae bildeten die Spitze der Gästeschar.
Zu Fuss, auf blumengeschmückten Wagen oder auf Pferderücken zogen die Zünfter in bunten historischen Kostümen, Trachten oder Uniformen zum Sechseläutenplatz. Die Zünfte stellten ihre Handwerkstraditionen vor oder präsentierten Symbole aus den Quartieren.
Die Zunft zur Zimmerleuten gedachte mit einem Stopp und einem Blumenkorb des Feuerwehrmanns, der beim Brand des Zunfhauses Mitte November 2007 sein Leben verlor.
Prominente Ehrengäste
Samuel Schmid war als Vertreter der Landesregierung geladen. Seine Kollegin Eveline Widmer-Schlumpf hatte aus Sicherheitsgründen abgesagt. Auch SBB-Chef Andreas Meyer blieb dem Fest fern. Zwischenfälle wurden keine gemeldet.
Zahlreiche Politikerinnen und Politiker aus dem Gastkanton Solothurn marschierten mit – unter anderen Frau Landammann Esther Gassler sowie Nationalrat Kurt Fluri, Stadtpräsident von Solothurn. Aber auch die Welt der Kultur war zugegen mit Dino Arici, Gründer des Classic Openair Solothurn.
Zürichs Politik an dem männlich dominierten Fest wurde unter anderm durch die Regierungsrätinnen Rita Fuhrer und Ursula Gut vertreten. Rektor Hans Weder repräsentierte die Universität Zürich, die ihr 175-Jahr-Jubiläum begeht.
Aus der Welt des Fussballs waren die EURO-2008-Maskottchen Trix und Flix zugegen, der EURO-Delegierte des Bundesrates, Benedikt Weibel, sowie FCZ-Präsident Ancillo Canepa.
Langes Leben für den beliebten Schneemann
Um 18 Uhr begann schliesslich der Höhepunkt des Festes: Gleichzeitig mit dem ersten Schlag des Sechs-Uhr-Läutens der St.- Peter-Kirche wurde der zwölf Meter hohe Holzstoss angezündet. Oben thronte der mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllte rund dreieinhalb Meter grosse und 80 Kilogramm schwere Böögg.
Während zu den Klängen des Sechseläutenmarsches die Reitergruppen um den Holzstoss galoppierten, loderten die Flammen zum Böögg empor, der nach gut 17 Minuten Feuer fing. Nach 26 Minuten und 1 Sekunde ertönte unter grossem Applaus des Publikums der letzte grosse Knall. Der Kopf des Bööggs zerplatzte.
Böögg überlebt durchschnittlich 14 Minuten
In Zürich heisst es, dass ein früher Tod des Bööggs einen schönen Sommer einläutet. In den letzten zehn Jahren hatte die Schneemann-Figur im Durchschnitt 14 Minuten ausgeharrt.
Für die Öffentlichkeit war mit dem Ableben des Bööggs das Sechseläuten vorbei, einige brieten noch eine Sechseläuten- Bratwurst in der Scheiterhaufen-Glut – oder zu Hause. Die Zünfter statteten einander am Abend in ihren Zunftlokalen gegenseitig Besuche ab.
(SDA/gux)