Schweinegrippe Kein Stich als Kontaktperson!

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Raphael Diethelm

ZÜRICH – Ärzte raten meiner schwangeren Partnerin, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Mir auch. Doch im Zürcher Impfzentrum stand ich umsonst an.

Wir haben es lange diskutiert, eigentlich seit die Möglichkeit einer Impfung gegen die Schweinegrippe bekannt ist. Schliesslich haben wir auf die Ratschläge der Gynäkologin und des Chefarztes im Spital unseres Vertrauens gehört. Beide meinten: Lassen Sie sich und Ihren Partner impfen!

Gesagt, getan. Denken wir. Heute Vormittag, 11 Uhr, reihen sich meine Freundin und ich in die Schlange vor dem Impfzentrum am Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich ein. Zwischen Kind und Kegel, Schwangeren, Betagten und Personen, die nicht auf den ersten Blick Risikopatienten sind. Wie ich.

Plötzlich taucht Prof. Dr. med. Felix Gutzwiller auf, FDP-Ständerat und «Hausherr» des Impfzentrums. Die wachsende Schlange beeindruckt ihn. Der Institutsleiter findet im Getümmel dennoch Zeit, vor der BLICK-Kamera die Impf-Werbetrommel zu rühren (siehe Video unten).

Hereinspaziert – und «leider nein» gehört

Nach 40 Minuten mit kalten Füssen und heissen Diskussionen macht ein Securitas-Mann die Tür auf. Jetzt gehören wir zu dem Dutzend Glücklichen, die im ersten Raum ein Nümmerli ziehen und einen Zettel ausfüllen müssen. An der nächsten Tür leuchten falsche Nummern, die richtigen ruft uns die nächste Sicherheitsperson zu.

Hinter ihrem Rücken sitzen, in weissen Kitteln und zwischen weissen Trennwänden, die «Richter». Sie urteilen über unsere Impf-Gesuche: Nein, sagt mein Gegenüber, nett, aber bestimmt. Und fragt nach: «Sie sind sonst gesund, oder?» Das bin ich. Und dankbar dafür. Aber für die Spritze gegen das H1N1-Virus trotzdem weg vom Fenster.

«Probieren Sie es nächste Woche wieder!», meint der Herr. Ich protestiere, weil, auf der Website ... «Ich weiss, dort steht, dass enge Kontaktpersonen von Risikogruppen auch geimpft werden. Aber das stimmt nicht», werde ich unterbrochen.* «Sie bekommen die Impfung heute nur, falls wir ihre Partnerin nicht impfen könnten.» Doch das ist zum Glück kein Problem.

Schwangere bekommen die Spritze

Meine Freundin und ihr Bäuchlein, in der angrenzenden Box geprüft, dürfen vor dem letzten Raum anstehen. Dort wird sie, knapp 90 Minuten nach dem Start, gegen die Schweinegrippe geimpft. Erleichtert verlässt sie das Impfzentrum durch eine Seitentür, bei der Schlange auf dem Trottoir. Sie ist wieder kürzer geworden.

*Bei den Kontaktpersonen steht neu: «Gilt nicht für Ehemänner und Partner von schwangeren Frauen.»

Der Experten-Chat zum Thema

Am Freitag, 13.11., 11-12 Uhr, beantwortet der Immunologe Beda Stadler (59) auf Blick.ch Ihre Fragen zur Schweinegrippe und zur Impfung. Stadler betont, der Chat sei keine Sprechstunde.

Das Impf-Chaos ist eine Sauerei

Kommentar von Marcel Zulauf, stv. Chefredaktor Blick.ch

Seit dem Sommer warnt das Bundesamt für Gesundheit vor der Schweinegrippe. Vorbildlich früh wurde die Bevölkerung über Symptome, Gefahren und Massnahmen informiert. Doch seitdem hat die Schweiz total versagt. Denn die Schweinegrippe ist hier, die Menschen sind besorgt, allein der Impfstoff ist ein rares Gut.

Wer sich zum Beispiel in Zürich impfen lassen will, rennt an. Vor dem Impfzentrum herrscht ein Chaos. Und sogenannte Kontaktpersonen, zum Beispiel frischgebackene Väter, müssen auf die Impfung warten. Andernorts gibt es die Impfung noch nicht. Oder nur in kleinen Mengen (Blick.ch berichtete).

13 Millionen Dosen hat die Schweiz bestellt. Das reicht, um die gesamte Bevölkerung zweifach durchzuimpfen. Doch nur ein Bruchteil davon ist bereits hier. Und auch wenn das BAG das Chaos schönreden will: Was jetzt passiert, ist eine Sauerei.

Da haben wir ja richtig Schwein, dass sich gemäss der jüngsten Umfrage des SonntagsBlick nur knappe 20 Prozent der Bevölkerung überhaupt gegen das H1N1-Virus impfen lassen will.

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