Vermieter abgehauen «Jetzt stehen wir auf der Strasse»

  • Publiziert: 30.08.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Beat Michel
play Verzweifelt: Mutter Sandra Läubli mit Hündli Kima, die Töchter Nadine und Bianca und Vater Andreas Läubli (v. l.). (ZVG)

DIETLIKON - ZH - Die Läublis wissen nicht, wie es weitergehen soll. Sie müssen sofort aus ihrer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung raus.

Dabei haben sie die Miete immer rechtzeitig bezahlt, das kann Sandra Läubli (34) belegen. Seit Oktober wohnt sie mit ihrem Mann Andreas (39) und den beiden Töchtern Nadine (15) und Bianca (14) in Dietlikon ZH.

Die Familie suchte im letzten Herbst ein günstiges Zuhause und fand diese Viereinhalb-Zimmer-Wohnung. Zur Untermiete bei Beat J.* (45). «Er bot uns an, dass wir für ihn seine Büroräume putzen könnten. Dafür erhielten wir eine Mietreduktion», sagt Sandra Läubli. Die Familie, die von einer kleinen IV-Rente lebt und auf die Hilfe des Sozialamtes angewiesen ist, nimmt das Angebot dankbar an.

«Wir sind einem Hochstapler auf den Leim gegangen», glaubt Sandra Läubli. Denn Küchenverkäufer Beat J. hat bei der Miete offenbar zugelangt. Viel später erfährt die Familie, dass die Wohnung viel weniger kostet, als sie monatlich an den Unternehmer bezahlt hat.

Und nicht nur das: Per Zufall hört Sandra Läubli im Juni, dass ihrem Vermieter alle Räumlichkeiten gekündigt wurden und er nach Afrika abgehauen ist. «Er hat uns nicht informiert, keinen Ton gesagt.»

Die Verwaltung hat das Mietverhältnis mit Beat J. gekündigt, «weil er das Geld für die Wohn- und Geschäftsräume nicht mehr überwiesen hat. Geld, das wir ihm jeden Monat bezahlten», sagt Sandra Läubli.

Sofort wendet sich die Mutter an die Verwaltung Mibag, will sicherstellen, dass die Familie in der Wohnung bleiben darf. «Man sagte mir, man werde schon eine Lösung finden, und beruhigte mich immer wieder», erzählt die zweifache Mutter. Miete wollte die Firma vorläufig keine. Familie Läubli soll sie auf dem eigenen Konto deponieren, bis man entschieden habe.

Auch das Sozialamt schreibt einen Brief, erklärt der Mibag, dass die Töchter sich gut eingelebt hätten und ein erneuter Umzug schwierig für sie wäre.

Bis letzte Woche scheint auch alles glattzugehen. «Zwei Frauen von der Verwaltung kamen zu uns und sagten, sie würden den Vertrag bald zuschicken.»

Doch der eingeschriebene Brief, den Sandra Läubli von der Mibag bekommt, enthält keinen Mietvertrag. Sondern einen Räumungsbefehl: Die Verwaltung hält fest, dass die «Räumlichkeiten ohne Rechtsgrund und Mietvertrag widerrechtlich genutzt werden».

Deshalb soll die Familie die Wohnung «sofort» verlassen. Sollte sie dies nicht tun, «müssen wir uns ausdrücklich vorbehalten, die Ausweisung zu beantragen sowie allfällige Schadensersatzansprüche geltend machen».

Für die Familie Läubli ein Schock. «Wir sind so verzweifelt, jetzt stehen wir ganz plötzlich auf der Strasse», sagt die Mutter. Sie kann nicht verstehen, warum. Denn sie würden die Wohnungsmiete ja nie schuldig bleiben.

Die Wut auf ihren Ex-Vermieter Beat J. ist riesig. «Er hat uns beschissen, ist aber mit einem BMW rumgefahren», schimpft Sandra Läubli. «Und jetzt ist er einfach abgehauen, muss für nichts geradestehen. Das ist einfach ungerecht.»

* Namen der Redaktion bekannt

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  • 19,9% Es ist traurig für sie, doch der Vermieter ist im Recht.
  • 40,1% Als Untermieter hätten sie sich besser absichern müssen.