Jetzt spricht Sveras Freund «Sveras Mutter war gegen mich, weil ich Christ bin»

Der Tod von Svera (16) schockiert die Schweiz. Ihr Vater (51, Pakistani) erschlug sie mit der Axt, weil sie sich schminkte, kein Kopftuch trug. Jetzt spricht Sveras Freund Louis (18) im BLICK. Er schildert die letzten Tage und Stunden des Mädchens.

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Svera R.* (16) aus Zürich-Höngg schmiegt sich liebevoll an ihren Freund mit der coolen Sonnenbrille. Die Arme hält sie eng um seinen Hals geschlungen, die Augen sind geschlossen vor Glück. Das letzte Handyfoto eines jungverliebten Pärchens, aufgenommen wenige Tage vor Sveras Tod.

Die Schülerin aus Zürich mit der Axt erschlagen, von ihrem eigenen Vater. Der strenggläubige Pakistani Scheragha R.* (51) bestrafte seine Tochter am Montagabend mit dem Tod und rief danach die Polizei.

Am Tag, als Svera stirbt, ist sie zum ersten Mal wieder zu Hause. Die drei Wochen zuvor lebte sie bei ihrem neuen Freund Louis F.* (18). BLICK hat Louis gefunden. Der Mediamatiker aus Zürich-Albisrieden erzählt, wie Svera um ihr Leben als freier Mensch in einem freien Land kämpfte – und verlor. «Ich habe Svera über alles geliebt. Doch jetzt ist sie weg, einfach so. Ich kann es noch gar nicht fassen», sagt Louis.

«Svera hatte es nicht leicht zu Hause. Sie sagte: ‹Meine Mutter hasst mich und mein Vater schlägt mich›», erzählt Louis. «Ich war einmal bei Familie R. zu Hause. Ich wollte mit Sveras Mutter sprechen, mich vorstellen. Denn sie ist das eigentliche Oberhaupt der Familie – alle tanzen nach ihrer Pfeife. Auch Sveras Vater. Er macht, was seine Frau ihm sagt.»

Doch der 18-Jährige ist nicht willkommen. «Weil ich ein Christ bin, hat mich die Mutter nicht an Sveras Seite akzeptiert», so Louis. «Zur Strafe dafür, dass sie einen nichtmuslimischen Freund hatte, sperrte die Mutter Svera nächtelang im WC ein. Sie wollte uns den Kontakt verbieten, mit allen Mitteln.» Doch Svera wehrt sich, sie reisst aus – zu Louis. Wohlwissend, dass sie dadurch noch mehr Probleme mit ihren Eltern bekommt. «Sie hat ihren letzten Herzschlag für ihre grosse Liebe gegeben», sagt Betül E.* (18) aus Bern, eine enge Freundin des jungen Paares. «Bei Louis hat sich Svera sicher gefühlt. Dort war sie zu Hause.»

Doch Svera ist minderjährig. Ihr Vater meldet sie als vermisst. «Wir haben etliche Male am Tag mit der Polizei telefoniert», sagt Louis. «Svera hat ihnen erklärt, wieso sie ausgerissen ist. Dass sie geschlagen wird und dass sie jetzt Angst vor ihrer Familie hat.»

Der Beamte habe Sveras Hilferufe nicht ernst genommen. «Er hat uns nur immer wieder gesagt, dass sich Svera bei ihrer Familie und ihrem Beistand melden muss.» Svera und ihre drei Geschwister haben seit 2007 jeweils einen Beistand. «Das haben wir dann auch gemacht», sagt Louis. «Svera ist sogar für eine Aussprache nach Hause gegangen. Doch am selben Abend war sie wieder bei mir. Es gehe einfach nicht, hat sie gemeint.»

Svera wendet sich verzweifelt an den amtlichen Familienbegleiter, einen Ägypter. Betül: «Wir haben vor zwei Wochen mit ihm einen Termin ausgemacht – Louis und ich wollten mitkommen. Doch der Mann ist nicht aufgetaucht. Wir haben über eine Stunde lang im Regen auf ihn gewartet.» Der Familienbegleiter ist selbst ein gläubiger Moslem.

Louis weiter: «Dann sind wir zum Schlupfhuus in Zürich gefahren.» Doch dieses ist bis Juli geschlossen – Umbauarbeiten. Die Teenager suchen telefonisch Hilfe: «Ein Mitarbeiter hat uns gesagt, dass es mindestens eine Woche dauert, bis er für uns was tun kann – wegen der Anmeldung.» Eine Woche für die Anmeldung, so lange hat Svera nicht mehr. Nicht zum Anmelden, nicht zum Leben.

Louis ist wütend, fassungslos: «Ein Schlupfhuus ist doch dazu da, dass man dort sofort Hilfe bekommt.» Der 18-Jährige spielt an seinem Amulett herum. Es ist die Hälfte eines Herzens. «Das hat mir Svera geschenkt. Die andere Hälfte hat sie.»

Hat die Polizei nicht helfen können? Louis: «Nein, die haben uns das Schlupfhuus gar nicht angeboten.» Marco Cortesi, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, hatte behauptet: «Wir boten Svera an, dass sie auf die Wache komme und eine Aussage mache – oder in ein Schlupfhuus umziehe. Beides tat sie nicht. Darum wurde der Vorwurf der Misshandlung nicht weiter verfolgt. Das ist Standard.» So ist der Tod der Schülerin, die Schweizerin ist und so leben wollte – Standard.

Die 16-Jährige bleibt weiter bei Louis wohnen. Nach Hause will und kann sie nicht mehr. «Für Sveras Eltern war es ein Ehrenbruch, dass sie mit einem Christen zusammenlebt», erklärt Louis. Svera sieht ihre Mutter nicht mehr. Aber ihren Vater besucht sie im Krankenhaus. Er hatte vor zwei Wochen eine Herzattacke. Sie liebt ihn doch, er ist ihr Vater, auch wenn er sie misshandelt.

Am letzten Montag wird Svera mit einer Freundin beim Klauen erwischt. Die Mädchen haben eine Zigipackung mitgehen lassen. «Die Polizei hat Svera mit auf die Wache genommen», sagt Louis. Dort verständigen die Beamten Sveras Eltern, nicht den Beistand. «Obwohl Svera sie darum gebeten hat», sagt Louis.

Ein paar Stunden später ist Svera tot. Louis: «Svera hat noch um 19.30 Uhr mit einer Freundin gechattet, mit ihr abgemacht, dass sie sich später noch am Hauptbahnhof treffen. Von einem Streit mit ihren Eltern hat sie nichts erwähnt.» Doch am Hauptbahnhof kommt Svera nie an. Um 20.30 Uhr ruft ihr Vater die Polizei an, er habe seine Tochter getötet.

«Ich möchte nur zu gerne wissen, wo die Mutter zu dem Zeitpunkt war», sagt Louis. Eine Nachbarin hat die Mutter mit einem Gebetbuch in der Hand und ihren beiden kleinen Kindern am Mordabend kurz vor 20 Uhr die Genossenschaftssiedlung Rütihof verlassen sehen. Ahnte die Mutter, was in der Wohnung passieren würde? Wollte sie für Svera beten?

Louis erfährt erst am nächsten Morgen von Sveras Tod. «Für mich brach eine Welt zusammen. Ich habe stundenlang nur geweint. Und ich bin unfassbar wütend auf Sveras Eltern. Wie kann man seinem eigenen Kind so etwas Grausames antun? Svera wollte es immer allen rechtmachen. Wenn sie sich mit dem Familienbegleiter oder ihrem Vater getroffen hat, trug sie extra weite Jeans, damit sie sich nicht aufregen. Am liebsten haben Svera und ich die Zeit zu Hause verbracht. DVDs geschaut und gequatscht. Sie war kein Partygirl. Sie wollte einfach nur leben und glücklich sein.»

* Namen der Redaktion bekannt.

Publiziert am 17.05.2010 | Aktualisiert am 13.01.2012
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32 Kommentare
  •   17.05.2010
    Es hat nicht mit Islam zu tun, sondern die Menschenheit! Im Mittelalter bei Christen taten auch viele Frauenmorde, was hat Bibel geschrieben? Aber hallo, bitte versteht nicht wieder falsch über Islam. Also finde ich in der Schweiz irgendwie zu faul, muss neu Gesetz geregelt werden, wenn die Hilfe braucht. Man braucht Schutzprogramm sofort ersetzen werden und rasche Beratung geben. In Deutschland gibt viele Möglichkeit, Jugendheim, Beratung für Probleme, etc. In der Schweiz? Mennooo
  •   17.05.2010
    Die Behörden haben total versagt... es muss wie ich schon mal erwähnt habe, mehr für die Jungen getan werden...gerade bei den Mädchen...die ihre Freiheiten nicht leben dürfen... ich habe schon so viele Schiksale gesehen... es ist zeit, dass man erwacht!
  •   17.05.2010
    Die Polizei, Dein Freund und Helfer. Denkste! Die habe ich mal bei einer beobachteten Schlägerei einiger Betrunkener informiert. Gekommen sind die nicht. Hatten wohl angst, dass sie ein auf die Nuss bekommen.
    Schrecklich, was da passiert ist - in jeder Phase.
  •   17.05.2010
    Es ist sehr wohl angebracht über die Polizisten und Beamten zu motzen. Die kennen doch nur eines: Richtlinien! Würde man nicht ständig Paragraphen heraus kramen, wie man sich gemäß den Richtlinien zu verhalten hat, dann könnte man so manches Leid verhindern. In diesem Fall wurde von Svera und ihrem Freund einiges versucht; leider ohne Erfolg, was schlussendlich den Tod mit verursacht hat. Religionen kämpfen nicht, aber die Menschen die an eine Religion glauben...
  •   17.05.2010
    War doch klar, unsere Behörde hat mal wieder kläglich versagt. Für was gibt es diese Vögel eigentlich? Religion hin oder her wir sind in der Schweiz und da hat jeder seine Rechte, dachte ich zummindestens. Ich glaube das aber dieser Fall kein einzelfall bleiben wird wenn weiterhin die Beamten und Polizisten die Augen verschliessen und sag mir keiner, die Politiker sind schuld. Der Vater und die Mutter gehören lange weggesperrt.