Wie kam das Böse in den Kopf von Daniel H.? Jetzt spricht der Vater von Lucies Killer

Die grausame Tat von Daniel H. (28) ist für den Vater unverständlich. Trotzdem hält er zu seinem Sohn, besucht ihn im Gefängnis. Doch zum Prozess geht er nicht. «Das schaffe ich nicht», sagt er.

  • Publiziert: 19.02.2012, Aktualisiert: 28.02.2012
  • Von Ralph Donghi
play Ein Bild aus glücklichen Tagen: Daniel H. 1995 mit seinem Vater. (SonntagsBlick)
play Daniel H. mit zehn Monaten. Niemand konnte ahnen, dass aus ihm ein eiskalter Killer wird. (SonntagsBlick)

In einem roten Strampler sitzt Daniel H.* auf der Küchenzeile und lacht froh in die Kamera.

Wie konnte aus diesem süssen, zehn Monate alten Kerlchen ein eiskalter Killer werden? Wie kam das Böse in seinen Kopf?

Drei Jahre, nachdem sein Sohn das Au-pair-Mädchen Lucie († 16) brutal umgebracht hat, ist Daniels Vater Hermann H.* (65) noch immer ratlos. Die Verhaftung des Sohnes traf ihn wie ein Schlag: «Mein Dani ist doch kein Mörder!»

Der pensionierte Konstruktionsschlosser aus dem Bezirk Bremgarten AG denkt ständig an seinen ­Daniel: «Glauben Sie ja nicht, dass das alles spurlos an mir vorbeigeht.»

Als Daniel fünf Jahre war, trennten sich seine Eltern, der Bub blieb beim Vater. «Das hat er gut ver­arbeitet», glaubt dieser. Der Junge schien sich normal zu entwickeln, ging in die Bezirksschule, machte eine Lehre als Koch. Doch irgendwann, erinnert sich der Vater, «fing er an mit dem Rauchen. Und mit dem Kiffen. Manchmal trank er, aber nie viel.»

Der Vater leidet

Dass Daniel auch Kokain konsumierte, erfuhr der Vater nicht. Auch nach dem Auszug des Sohnes hielten die beiden Kontakt. «Er kam einmal im Monat vorbei», sagt Hermann H.

In neun Tagen beginnt gegen den Lucie-Killer der Prozess. Vater H. geht nicht hin: «Das schaffe ich nicht.» Aus dem Gefängnis schrieb Daniel beiden Eltern. Der Vater zeigt die an ihn adressierten Briefe, sie sind voller Selbstmitleid und Suizidgedanken. Er habe seinen Sohn schon ­besucht, sagt Hermann H. Dem Jungen gehe es «gut», behauptet er. «Klar, die Tat beschäftigt ihn. Aber er hat sich damit abgefunden, dass er nie mehr aus dem Gefängnis kommen wird.»

Den Vater belastet, dass er «kaum richtig im Dorf rumlaufen kann. Alle wissen, wer ich bin. Dabei ­hatte der Daniel sein eigenes Leben und auch die Verantwortung dafür.»

«Das alles nimmt mich sehr mit», sagt er. «Ich bin froh, dass er sich nicht das Leben genommen hat.»

* Namen der Red. bekannt

Kommentare (11)

  • Jose  Gonzalez
    Mir tut der Vater Leid. Aber es läft mir auch kalt den Rücken runter zu wissen, dass der Arxhof, wo der Junge Mann eine Zeitlang "interniert war", kaum 5 KM von uns entfernt ist. Zu wissen, dass dort potentielle Mörder frei ein und aus gehen dürfen. Resozialisierung um JEDEN Preis? Ich halte das für falsch und unfair gegenüber der Bevölkerung die der Staat verpflichtet ist zu schützen. Wir dürfen uns ja nicht selber schützen, nicht wahr? Gewaltmonopol hat der Staat. Aber er nimmt seine Aufgabe einfach nicht wahr!
    • 20.02.2012
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  • Thomas  Siegler
    Natürlich ist er ein armer Junge, der jetzt ein Opfer ist.
    • 20.02.2012
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  • erika  muntwyler , zürich
    In der heutigen Zeit sollten allerdings Mädchen in diesem Alter auch wissen, dass man wenn man im Sinn hat eine Modellkarriere zu starten, sich bei einer Agentur melden sollte, die seriös istlEltern sollten Mädechen auf solche Sachen aufmerksam machen. Es gab ja schon genügend solche ähnliche Fälle. Lernen die Leute nie etwas daraus? einfach mit jedem wildfremden Menschen nach Hause zu gehen, tja. Man steigt ja auch nicht bei jedem den man nicht kennt in ein Auto. Also auch das sollte man mal gesagt haben. Es ist nun halt einfach so. Sogar bei Nachbarn oder Bekannten muss man aufpassen oder Leuten die man schon länger kennt.Wie naiv in diesem Alter gewisse Mädchen noch sind, finde ich auch schon fragwürdig. Aber eben, die einen meinen ja immer, ihnen könnte nie sowas zustossen.Auch im ersten Fall hätte die Frau ja nein sagen können und stutzig werden sollen, wenn er sie noch bat ihn an ein Waldfest zu führen. War ja auch zu späteren Stunde und er war betrunken. Also ich verstehe solche Frauen überhaupt nicht.
    Ich finde es nicht als recht, wenn der lebenslang kriegt, der wird nicht besser, bei dem nützt keine Therapie mehr. Aber der Apfel fällt nicht weit vom Stamme, es wird auch noch einen tieferen Grund geben, wieso ein Junge so wird!!!!!!
    • 19.02.2012
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  • Richard  Keith
    Dani ist nicht zum Mörder geworden weil er Kokain nahm, sondern weil er ein perverser Mörder ist. Es gibt tausende Kokainsüchtige, die mit Mord nichts zu tun haben. Ich würde jeglichen Kontakt zu meinem Sohn abbrechen.
    • 19.02.2012
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    • Hansx  Meier , hvhvghkk
      Sie sind aber ein "toller" Vater Herr Keith! Ihre Kinder können sich glücklich schätzen dass Sie so hinter ihnen stehen würden... -.-
      • 19.02.2012
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    • Christine  Lötterle
      @Richard Keith: Wahrscheinlich haben Sie ja keinen Sohn, sonst würden Sie nicht so unüberlegt dahin plappern! Ihren eigenen Sohn würden auch Sie nicht fallen lassen, egal war er getan hat! Und sonst wären sie wirklich herzlos!
      Ich wünsche den Eltern von Lucie, aber auch den Eltern des Täters viel Kraft für die kommende, schwierige Zeit!
      • 19.02.2012
      • als Kommentar auf Richard  Keith
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    • Jean-Philippe  Ducrey
      Wer Rolling-Stones Namen nennen muss, weil er zu feige ist, zu seiner Meinung zu stehen, sollte nicht auf andere zeigen! Die Einflüsse auf Menschen sind vielfältig und manchmal reicht ein kleines "dummes" Ereignis, welches den Menschen in eine Einbahnstrasse die bald einmal an einer Mauer endet, führt. Die Tat des Mörders ist schrecklich. Doch Sie kennen die Einflüssen nicht, die einen Menschen so werden lassen. Mag sein, dass der Kerl zu lieb war und einmal nicht "nein" sagen konnte, wovon andere, die heute grosse Röhre führen, eigennützig profitiert haben!
      • 19.02.2012
      • als Kommentar auf Richard  Keith
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  • Lionel  Werren , das Original
    Der Einfluss der Eltern wird überschätzt. Dem Vater Schuld zu geben, ist falsch.
    • 19.02.2012
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