Familien-Drama in Thalwil: Freundin der Täterin spricht «Ich riet Radka, ins Frauenhaus zu ziehen»

THALWIL - Der Vater ihrer Tochter (7) ist tot. Erstochen. Radka M. ist jetzt in U-Haft. «Dem ging eine lange Leidensgeschichte voraus», sagt Radkas Freundin und erzählt.

  • Publiziert: 09.02.2012, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Marlene Kovacs
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Asalea Santamaria (39): Die Stylistin will ihrer Freundin Radka M. helfen.

(Franco Greco/BLICK)

Gegen Radka M. wird ermittelt. Sie ist wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft, bestätigt die Staatsanwaltschaft.

Blumen und Kerzen stehen auf dem Gartentisch vor der Eigentumswohnung in Thalwil ZH. Die Fensterläden sind heruntergelassen. Am Sonntagmorgen kam es hier in der Siedlung mit Seeblick zum tödlichen Streit zwischen Radka M.* (39) und René P. (†52).

Der erfolgreiche Immobilienhändler stirbt an einer Stichverletzung. Radka M. schleppt sich schwer verletzt zu einem Nachbarn, im Spital muss sie notoperiert werden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Nagelstudio-Besitzerin – wegen Verdachts der vorsätzlichen Tötung (BLICK berichtete).

«Ich stehe trotzdem hinter ihr», sagt Freundin und Stylistin Asalea Santamaria (39). «Was am Sonntag passiert ist, dem ging eine lange Leidensgeschichte voraus.»

Zehn Jahre sind Radka M. und René P. ein Paar, haben eine gemeinsame Tochter (7). Doch ihr so glitzerndes Leben mit Prosecco und Privatyacht hatte auch eine andere Seite: Sie liebten sich nicht nur, sie schlugen sich auch. Im Juli 2009 musste sogar die Polizei zu dem Paar ausrücken.

Seit rund eineinhalb Jahren sind Asalea Santamaria und Radka M. Freundinnen. «In dieser Zeit kam sie zweimal mit blauen Flecken zu mir. Mit einem blauen Auge oder mit Flecken am Hals oder Rücken.» Mehrmals ermahnt Asalea Santamaria ihre Freundin, professionelle Hilfe zu holen.

«Ich riet Radka, ins Frauenhaus zu ziehen.» Ohne Erfolg. Radka M. verzeiht ihrem Freund alles. «Er hat sich danach immer bei ihr entschuldigt, ihr ein teures Geschenk gemacht, etwa ein Collier.»

Ihrer Stylistin erzählt Radka M. immer wieder von Streit, vom ständigen Auf und Ab, von Schlägen. «Sie hat mir gesagt, die Schläge seien schon fast normal.»

Wieso hat sie ihn nicht verlassen? Asalea Santamaria: «Sie war total unterwürfig, hatte Angst vor ihm. Und auch Angst, ihren Lebensstandard zu verlieren.» René P. selber war ein Kontrollfreak, überwachte seine Partnerin permanent. «Radka hat sich ständig für sein Verhalten entschuldigt», sagt Alejandra Dazzi (40), eine andere Freundin von Radka.

«Sie hat ihn trotz allem irrsinnig geliebt», weiss Asalea Santamaria. Also bleibt Radka bei ihm. Und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als zu heiraten. Doch René P. wollte diese Ehe nie. «Er hat ihr gesagt, er wolle das Geld nicht mit ihr teilen», so Alejandra Dazzi. «Er hat sie oft fertiggemacht, sagte ihr, sie sei nichts wert und finde keinen anderen Mann.»

Asalea Santamaria meint: «Ich selber habe darum nie verstanden, warum sie ihn nicht verlassen hat.» Die Stylistin weiss nicht, was am letzten Sonntag genau passiert ist.

Hat Radka M. in Notwehr zugestochen? «Ich hoffe, ich kann Radka bald sehen. Wir wollen ihr helfen, etwa bei der Suche nach einem guten Anwalt», sagt ihre Freundin Asalea Santamaria.

* Namen bekannt

Kommentare (2)

  • Susanne  Sam
    Angst, ihren Lebensstandard zu verlieren? Diese Aussage stimmt wohl eher, als dass da Liebe seitens der Frau im Spiel war. Zudem waren gemäss Polizei die Handgreiflichkeiten gegenseitig. Gingen die Handgreiflichkeiten vom Mann aus oder hat er sich jeweils nur verteidigt? Das Gesicht dieser Frau wirkt auf jeden Fall in keinster Weise lieblich und freundlich, sondern kalt, arrogant und berechnend.
    • 10.02.2012
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  • erika  muntwyler , zürich
    ich verstehe diese frau nicht. sie hätte ja früher gehen können, hatte ja einen job, hätte den prosecco am abend auch alleine geniessen können. und falls sie dennoch bedroht worden wäre, dies der polizei melden. man bleibt doch nicht wegen einem collier bei einem schläger. und sie hätte halt einsehen müssen früher, jetzt ist es zu spät, dass man eine ehe nicht erzwingen kann.
    schon gar nicht, des schweizerpasses oder geldes wegen.
    • 10.02.2012
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