Florian (†4) Gustav G. griff auch seine Frau an!

ZÜRICH – Gustav G. ermordete seinen vierjährigen Sohn Florian. Er hatte ihn in seiner Obhut, obwohl die Gemeinde Bonstetten von seiner Vergangenheit wusste. Die Mutter tritt mit happigen Vorwürfen vor die Medien.

  • Publiziert: 08.03.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

Heute trat die Mutter des getöteten Florian mit ihrem Anwalt Burkard Wolf vor die Medien. Wolf schilderte die tragischen Vorkommnisse um den Fall. Während ihrer Schwangerschaft hörte sie von Gustavs erstem Sohn Reto, dass sein Vater ihn umbringen wollte. Als sie Gustav zur Rede stellte, leugnete dieser. Er sagte, die Invalidität von Reto rühre von einem schlimmen Autounfall.

Marciana wollte mit Florian ins Frauenhaus. Doch als die Gemeinde Bonstetten davon hörte, drohte sie laut ihrem Anwalt damit, ihr Florian mit Polizeigewalt wegzunehmen.

Die Gemeinde platzierte Florian schliesslich am 5. Februar 08 in unmittelbarer Nachbarschaft vom Vater – trotz dem Hinweis, dass Gustav G. gefährlich sei! Aufgrund eines Attests wurde das Kind dann beim Vater untergebracht.

Gustav G. erhielt schliesslich das Sorgerrecht über Florian. «Das Attest war wertlos», so der Anwalt der Mutter. Das Gutachten attestierte beiden Elternteilen eine gute Beziehung zum Kind. Aber: Die Frage der Gefährdung sei nicht Gegenstand des Gutachtens gewesen.

Gustav G. schlug auch seine Frau

Gustav wurde auch gegen seine Frau aggressiv. Zwei Mal habe er sie tätlich angegriffen, sagte sie heute. Einmal habe er sie in der Schweiz angegriffen, einmal in Spanien. Darauf habe sie ihm mit einer Anzeige gedroht.

Gegen Florian wurde Gustav G. schon zuvor gewalttätig! Als der Kleine einmal zu ihm gekommen sei, habe er ihn an den Armen gepackt und auf den Boden geworfen. Florian beklagte sich bei seiner Mutter ausserdem, dass er bei seinem Vater immer nur Spaghetti zu Essen kriege und die Wohnung sehr schmutzig sei.

Gustav G. habe Marciana zur Prostitution gezwungen, enthüllt heute der Anwalt. Sie musste für die ganzen Kosten für die Familie aufkommen – Gustav G. arbeitete nur einen Tag pro Woche. Die Gemeinde habe davon gewusst, sagt Marciana.

Jetzt will Anwalt Burkard Wolf mit Regierungsrat Markus Notter den Fall analysieren. Man prüfe noch eine Haftungsklage gegen die Gemeinde Bonstetten – aber Marciana gehe es nicht ums Geld, sondern um die Verantwortlichkeit.

Marciana wirft der Gemeinde Bonstetten vor, dass sie zwei Jahre um das Sorgerecht gekämpft habe, aber ihr habe man nicht geglaubt – nur auf Gustav habe man gehört. Sie will wissen, ob Inkompetenz oder Rassismus Schuld daran seien. Sie wirft vor allem der Sachbearbeiterin Frau S. vor, sie nicht ernst genommen zu haben. Diese hätte sie sogar einmal wegen ihres Kleidungsstils kritisiert.

Marcianas Aufenthaltsbewilligung läuft am 4. April ab. Sie wird aber einen Antrag auf Verlängerung stellen.

Der Fall

Das war passiert: Gustav G. (60) tötete den kleinen Florian einen Tag vor seinem Geburtstag im Hotel Krone in Winterthur. Doch schon vor 20 Jahren hatte er versucht, den eigenen Sohn umzubringen. Reto G.* (33) überlebte knapp. Heute ist er körperlich behindert.

Schlimm: Die Gemeinde Bonstetten war über Gustav G.s schlimme Vorgeschichte informiert. Trotzdem gab man ihm das Sorgerecht für Florian. Marciana ist überzeugt, weil sie als Prostituierte arbeitete, habe die Gemeinde das Sorgerecht für Florian dem Vater erteilt – statt den Kleinen in einer Pflegefamilie zu platzieren.

Marciana G. will die Gemeinde nun in die Verantwortung nehmen. Sie erwägt rechtliche Schritte. «Eine solche Tragödie darf nie wieder passieren», sagt sie.

Die zuständigen Behörden in Bonstetten und Affoltern mauern bisher und berufen sich auf die Schweigepflicht und das laufende Verfahren. Doch schon Regierungsrat Markus Notter (SP) hat sich eingeschaltet: Er forderte den Bezirksrat Affoltern und die Vormundschaftsbehörde Bonstetten auf, Bericht zu erstatten. (num)

Das sagt die Gemeinde Bonstetten

Die Gemeinde Bonstetten wird durch Rechtsanwalt Philipp do Canto vertreten. Er sagt gegenüber Blick.ch: «Die Gemeinde nimmt die Aussagen von Marciana zur Kenntnis und wird sie in die Untersuchungen einfliessen lassen.» Die Gemeinde arbeite eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um den tragischen Vorfall eingehend aufzuklären. Do Canto: «Die Vormundschaftsbehörde hat beide Elternteile eng uns sachgemäss begleitet.» Mit Rücksicht auf das laufende Verfahren wolle man aber keine zusätzliche Auskunft geben.