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Blick: Sie scheinen nicht sonderlich überrascht von den Bildern aus Entlisberg?
Reinhard Schmitz-Scherzer: Das Phänomen Gewalt von Pflegern ist in Fachkreisen nur allzu bekannt. Ganz krasse Fälle sind zwar selten, aber es gibt sie. Seit Jahren versuchen wir, des Problems Herr zu werden.
Warum gerade Pflegekräfte?
In der Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient herrschen strenge Machtverhältnisse. Der Pfleger sagt, wo es langgeht.
Und missbraucht diese Macht?
Ja, die Gefahr besteht. Die Frage ist: Wie gehe ich mit meiner Verantwortung um? Die Pfleger müssen da sensibel bleiben. Auch noch nach Jahren in diesem Beruf.
Stumpft man durch die Arbeitsroutine nicht zwangsläufig ab?
Sicher. Deshalb ist es wichtig, dass sich diese Personen permanent weiterbilden. Die Heimleitung muss unbedingt in Fortbildung investieren. Denn sie hat nicht nur den Heimbewohnern, sondern auch dem Personal gegenüber eine Fürsorgepflicht.
Die Heimleitung muss aktiver werden?
Um einen Fall Entlisberg zu verhindern, ja. Die Vorgesetzten sind gefordert. Solch schreckliche Vorfälle passieren schliesslich unter ihrem Dach. Da hilft es nicht weiter, wenn die Chefs nur mit dem Finger auf ihre Mitarbeiter zeigen.
Wie können die alten Menschen vor Übergriffen geschützt werden?
Es muss sich vieles verändern! Pflegekräfte müssen offen über Schwierigkeiten reden können: darüber, dass es manchmal schwerfällt, im Umgang mit den Patienten ruhig zu bleiben. Von Pflegern wird eine ganze Menge verlangt. Wenn das die Vorgesetzten nicht auffangen, wird der Frust an den alten Menschen
abgelassen.
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Reinhard Schmitz-Scherzer von der Universität Kassel.