Happige Vorwürfe der Angestellten an ihre Chefs Faule Porno-Grüsel im Zürcher Migrationsamt

  • Publiziert: 03.05.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Faul, willkürlich und pornosüchtig – so unter anderem beschreiben Mitarbeiter des Zürcher Migrationsamtes ihre Vorgesetzten. Die Vorwürfe füllen mehrere Bundesordner.

Der Amtschef des Zürcher Migrationsamtes hat heute unangenehme Post erhalten: In einem Brief, verfasst vom Zürcher Rechtsanwalt Ueli Vogel-Etienne, beschweren sich mehrere Mitarbeiter über ihre Chefs und deren Arbeitsmoral.

Die Teamchefs des Migrationsamtes und auch deren Vorgesetzte würden die Arbeitszeiten nur selten einhalten, schreibt der Zürcher Anwalt im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es sei üblich, dass sie sich grosszügige Pausen gönnten und private Besorgungen während der Arbeitszeit erledigen würden.

Die Teamchefs würden zudem seit Jahren «hemmungslos pornographische Bilder versenden», schreibt der Anwalt im Brief.

Willkürliche Lohnerhöhungen

Dossiers im Asylbereich würden zudem «mit grosser Willkür» bearbeitet oder bewusst liegen gelassen. Ebenso willkürlich würden Lohnerhöhungen und Arbeitsentlastungen für einzelne Mitarbeter ausgesprochen.

Auch die Polizei sei mit dem Migrationsamt unzufrieden, da verantwortliche Personen jeweils nur schwierig zu erreichen seien. Er könne die Vorwürfe mit Bundesordnern voller Dokumente belegen, sagte Vogel-Etienne.

Bevor er diese offenlege, wolle er dem Chef des Migrationsamtes aber Gelegenheit geben, sich zu den Vorwürfen zu äussern.

Hollenstein: «Werde Vorwüfe prüfen»

Regierungsrat Hans Hollenstein (CVP), der für das Migrationsamt verantwortlich ist, hörte am Montag zum ersten Mal von den Vorwürfen. Diese seien happig, sagte er gegenüber Radio 24. Er werde sie nun prüfen, dabei aber auch die Gegenseite anhören.

Auch Heinrich Wuhrmann, Präsident der Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrates, wurde bereits über den Brief informiert. Man werde diese Vorwürfe garantiert auf die Traktandenliste bringen. «Zuerst müssen aber noch Fakten gesammelt werden.»

Migrationsamt schon öfters in der Kritik

Das Zürcher Migrationsamt stand schon mehrmals in der Kritik, letztmals im Juli 2009, weil Anträge für Ausländerausweise falsch, doppelt oder gar nicht bearbeitet wurden. Grund für die Fehleranfälligkeit war das neue System, das wegen des Schengen-Beitritts eingeführt werden musste.

Von den Beschwerden, die beim kantonalen Ombudsmann eingehen, betraf im letzten Jahr gut jede achte (13,4 Prozent) das Zürcher Migrationsamt. Meist ging es dabei um übermässig lange Wartezeiten.

Mitarbeiter meldeten sich beim Anwalt

Die besorgten Mitarbeiter sowie mehrere Polizisten hätten sich von sich aus bei ihm gemeldet, sagte Vogel-Etienne. Der Rechtsanwalt vertrat schon mehrmals Staatsangestellte, darunter auch in der so genannten «Klärschlammaffäre» zu Beginn der 90er-Jahre.

Damals wurden Angestellte der Stadt Zürich beschuldigt, Schmiergelder erhalten zu haben, um die unsachgemässe Entsorgung von Klärschlamm zu decken. Einen Namen machte sich Vogel-Etienne zudem mit der Vertretung von Verkehrsunfallopfern und ihren Angehörigen. (SDA/gca)

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