Das Familiendrama von Zürich-Höngg Er schlug seiner Tochter die Axt in den Rücken

  • Publiziert: 12.05.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann, Corinne Landolt und Beat Michel

Swera R. († 16) ging eigene Wege. Ihr Vater konnte nicht damit umgehen. Dann griff er zur Waffe.

Rütihof, ein ruhiges Wohnquartier in Höngg am westlichen Ende von Zürich. Am Montagabend durchbrechen Polizeisirenen die Stille. Bei der Endstation des 46er-Busses halten die Polizeiautos an.

Bruno W.*, der direkt neben der Bushaltestelle wohnt, sagt: «Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie um 20.47 Uhr Beamte einer Spezialeinheit einen Mann auf den Boden warfen. Nachdem sie ihn durchsucht hatten, haben sie ihn mit Handschellen abgeführt. Er hat sich nicht gewehrt.»

Der Verhaftete ist der 51-jährige Scheragha R.*, Familienvater aus dem Quartier. Kurz vor 20.30 Uhr hat er die Polizei angerufen und gesagt, dass er seine Tochter getötet habe.

Der Pakistani wohnt mit seiner Ehefrau Naim, seinem Sohn Abdul (9) sowie seinen Töchtern Wagma (12), Rabia (15) und Swera (16) in einer Genossenschaftswohnung im Parterre. Das Familienoberhaupt ist streng zu seiner Familie, pocht auf traditionelle islamische Werte. Seine Frau trägt ein Kopftuch.

Um seine Vorstellungen durchzusetzen, schlägt Scheragha R. auch zu. Vor allem mit seiner Ältesten, Swera, streitet er oft. Er kann nicht verstehen, weshalb sich der Teenager westlich kleidet und schminkt.

Die hübsche 16-Jährige hält es zu Hause nicht mehr aus. Mitte April reisst sie aus und versteckt sich bei ihrem Freund. Das bestätigt Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich: «Als wir sie beim Freund fanden, haben wir den Kontakt mit ihren Eltern hergestellt und die Vormundschaftsbehörde informiert.»

Swera bleibt aber bei ihrem Freund wohnen.

Vor dem Ehrenmord holte er Swera bei der Polizei ab

Die Familie R. ist schon längst zerrüttet. Seit 2007 haben alle Kinder einen Erziehungsbeistand und einen Familienbegleiter. Seit Wochen lebt die 15-jährige Rabia in einem St. Galler Heim.

Am Montag wird Swera in einem Laden in der Zürcher Innenstadt beim Klauen erwischt. Die Polizei meldet es ihren Eltern.

Gegen 19 Uhr bringt Scheragha R. seine Älteste nach Hause. Er hat Swera soeben auf dem Polizeiposten abgeholt.

Kurze Zeit später kommt es zum tödlichen Streit in der Familienwohnung. Der Pakistani erschlägt seine Tochter. Mit einer Axt.

«Ich habe Swera durchs Fenster am Boden liegen sehen. Die Axt steckte in ihrem Rücken», erzählt eine Nachbarin.

Scheragha R. ist geständig.

Die Nachbarn können die Tat nicht fassen. Coiffeuse Yildiz Gencer (40) und ihre Tochter Elif (18) hatten einen engen Kontakt zur Familie R. «Mein Sohn spielt immer mit Abdul, und ich schnitt Swera die Haare. Sie war eine wunderschöne Frau. Sie sah wie eine Prinzessin aus. Sie war sehr modern und offen.»

Den Vater hingegen beschreiben die Nachbarn als sehr still. «Er lebte zurückgezogen. Er arbeitete sehr viel», so Gencer.

*Namen der Redaktion bekannt

play «Ich schnitt Svera die Haare. Sie war wunderschön, sehr modern und offen.» Yldiz Gencer, Nachbarin (newspictures.ch)