Staatsanwalt behauptet Elite-Polizist fiel Dirne an

  • Publiziert: 23.54 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Viktor Dammann
play Auf dem Strich: So sieht BLICK-Zeichner Kravarik den Vorfall gemäss Anklage. (Illustration: Igor Kravarik)

Als Bewacher von Bill Clinton am WEF musste er jede Sekunde zum Zupacken bereit sein. Bei der Dirne am Zürcher Sihlquai hätte er es womöglich besser sein lassen.

Die Anklage gegen den Vizechef (38) der Interventionseinheit «Skorpion» der Zürcher Stadtpolizei ist happig. Er soll auf dem Strich eine Dirne (23) bedroht und sexuell belästigt haben.
Der Polizeibeamte bestreitet sämtliche Vorwürfe. Aber morgen steht er deswegen vor den Schranken des Zürcher Bezirksgerichts.

Staatsanwalt Daniel Kloiber fordert wegen Drohung, Tätlichkeit und sexueller Belästigung eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 140 Franken, insgesamt 33 600 Franken. Nach altem Recht waren dies acht Monate Gefängnis bedingt. Eine Busse von 2000 Franken soll er hingegen bezahlen.

Angriff beim Oralverkehr

Laut Anklage begab sich der Polizist an einem Aprilabend 2007 zum berüchtigten Zürcher Sihlquai. Als die Prostituierte nichts von ihm wissen wollte, sei er ausfällig geworden. Er habe die Frau lautstark beschimpft und auch bedroht. Als der Polizist später sah, wie die Dirne mit einem Freier wegfuhr, sprintete er zu seinem Auto und fuhr den beiden nach.

Auf einem Parkplatz beim Bahnviadukt in der Nähe entdeckte der Polizist die beiden wieder. Er stieg aus und riss die Beifahrertüre am Auto des Freiers auf.
Gemäss Anklage genau in dem Moment, als sich die Dirne, nachdem sie den Freier oral befriedigt hatte, wieder aufrichten wollte.

Wollte er sich auf eine andere Art sexuelle Befriedigung holen? Der Polizist habe sie am nackten Oberkörper so heftig begrabscht, dass sie Kratzer an Bauch und
Hüfte davontrug, gab die Frau bei ihrer Aussage zu Protokoll. Der Freier bestätigt ihre Darstellung.
BLICK wollte wissen, warum der Polizist nach der happigen Anklage von seiner leitenden Funktion nicht freigestellt wurde. «Da-zu gab es keinen Grund», betont Stapo-Medienchef Marco Cortesi. «Seine Darstellung der Angelegenheit ist völlig anders.» Zudem gelte die Unschuldsvermutung.

Äusserst gefährliche Situationen

Der angeklagte Zürcher Stadtpolizist ist seit über zehn Jahren bei der Eliteeinheit Skorpion. Seit 2006 als stellvertetender Chef. In dieser Funktion gab er der «NZZ» damals ein grosses Interview. Besonders sei ihm an seinem gefährlichen Job der Amoklauf mit Toten in einer Bank in Erinnerung geblieben.

«Wir mussten uns von einer Sekunde auf die andere auf eine äusserst gefährliche Situation einstellen.» Angst kenne er nicht, jedoch «gesunden Respekt».
Der gut gebaute Elitepolizist machte der NZZ-Journalistin offensichtlich Eindruck. «Sind das alles Muskeln», fragte sie ihn. «Nicht alles», es habe auch schon bessere Zeiten gegeben.

Er halte sich mit Krafttraining und Joggen mit seinem Hund fit. «Wenn sich nachts im Bett der Pager meldet, dann steigt der Adrenalinspiegel», sagt der Polizist im Interview.

Am Sihlquai war es wohl eher der Hormonspiegel.