Einsturzgefahr beim Zürcher Hauptbahnhof

  • Publiziert: 30.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

Endstation Zürich HB: Seit gestern Abend sind alle Tram- und Buslinien unterbrochen. Wegen unterirdischen Bauarbeiten droht der Boden einzustürzen.

Um 18.30 Uhr lösten die Tunnel-Bauarbeiten für die Durchmesserlinie der SBB einen Alarm aus. Es besteht die Gefahr, dass sich der Boden absenkt. Für Gebäude oder Menschen bestehe keine Gefahr, sagte der Sprecher der Stadtpolizei, Marco Cortesi. Der Tram- und Busbetrieb beim Hauptbahnhof bleibe jedoch mit Sicherheit für mindestens 24 Stunden gesperrt.

Laut Cortesi hatte sich in einem Schacht in zehn Metern Tiefe ein technischer Defekt ereignet. Ein Glasfaserrohr sei etwa drei Meter zurückgeschleudert worden, weshalb die Schachtwand auf einer Länge von zirka drei Metern nicht gestützt gewesen sei.

«Rund 30 Kubikmeter Erdreich sind abgesackt», sagte Cortesi in der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens. Dabei entstand zwar kein Loch, aber ein Hohlraum. Weitere Bodeneinbrüche müssen deshalb befürchtet werden, weil noch mehr sandiges Gestein in den zwei Meter breiten Schacht zu stürzen droht.

Keine Verletzten, Zugsverkehr nicht betroffen

Verletzt worden sei bei dem Vorfall niemand. Der Vorfall führte dazu, dass vor dem Globus-Provisorium beim Zürcher Hauptbahnhof eine Fläche von etwa zehn Quadratmetern gegen unten ungeschützt ist. Sandiges Gestein droht nun in den Schacht zu rieseln und den Boden an der Oberfläche in die Tiefe zu reissen.

Nicht nur der Tram- und Busbetrieb ist beim Zürcher Hauptbahnhof behindert, auch der Autoverkehr ist auf eine Spur reduziert. Die SBB sind durch den Vorfall nicht beeinträchtigt.

Pendler müssen zu Fuss gehen

Die drei wichtigsten Haltestellen der Stadt Zürich sind heute nicht bedient : Bahnhofquai, Bahnhofstrasse und Bahnhofplatz. Trams und Busse werden umgeleitet. Pendler müssen vom und zum Hauptbahnhof oder fürs Umsteigen auf andere Linien mit längeren Fusswegen rechnen.

Vier Tramgeleise führen über die Tunnelbohrung für die Durchmesserlinie, die unterirdische Verbindung zwischen den Bahnhöfen Oerlikon und Altstetten. Sämtliche Leitungen für Gas, Wasser und Strom im Bereich der Baustelle wurden stillgelegt. Am Donnerstag wird eine Wiederinbetriebnahme geprüft.

Stau wegen Umleitungen

Das Verkehrschaos sei ausgeblieben, sagte eine Sprecherin der Zürcher Stadtpolizei auf Anfrage. Es habe auch kaum Reklamationen bei der Verkehrspolizei gegeben. Jedoch staute sich der Autoverkehr in Zürich-Nord. Die Autos musste wegen des drohenden Einsturzes weiträumig umgeleitet werden.

Auch die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) konnten die aussergewöhnliche Lage laut VBZ-Sprecher Andreas Uhl gut bewältigen, obwohl alle Tramlinien betroffen waren. Viele S-Bahn-Reisende seien in den Zügen informiert worden und hätte auch auf dem Stadtnetz die S-Bahnen benutzt.

Die Leute hätten sich gut eingerichtet, sagte Uhl. Ferner habe man trotz der Sperrung zwei Buslinien über den Bahnhofplatz führen können, was wesentlich zur Entlastung beigetragen habe. Dagegen gibt es zurzeit keine einzige durchgehende Tramlinie, die Wagen müssen am Bahnhofplatz jeweils wenden. (SDA)

Infos zu Tram und Bus

www.zvv.ch

Loch in Lausanne

Erinerungen werden wach an den 22. Februar 2005: In Lausanne kam es damals beim Bau der Metro zum Einsturz des Tunnelgewölbes unter der Place St-Laurent. Auf dem Platz in der Lausanner Innenstadt klaffte ein grosses Loch.
play Die Strecke der Durchmesserlinie in Zürich: Mit dem Tunnel Richtung Oerlikon entfällt das Drehen der Züge im HB Zürich. (SBB)