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Bianca B.: Sie kann nicht zwischen Wirklichkeit und Lüge unterscheiden.- ZVG
Heute Morgen führte Gerichtspsychiater Frank Urbaniok seine Tests und Begutachtungen zum Ehepaar Franz (41) und Bianca B. (36) aus. Den Vater entlastet er fast vollständig, es habe keine Auffälligkeiten gegeben. Er käme als Täter nicht in Frage.
Anders siehts bei Bianca B. aus. «bei ihr hatten wir viele Puzzleteile, bei denen wir nicht wussten, wo sie hingehörten.» Sie hat schwerwiegende Persönlichkeitsstörungen – angefangen bei einer «misstrauischen Grundhaltung» gegenüber der Aussenwelt. Sie nehme alles als feindlich wahr, die Welt erscheine ihr bedrohlich.
Weiter führte Urbaniok ihr zwanghaftes Verhalten aus. Bereits bekannt war, dass Bianca einen Putzwahn hatte: In ihrer Wohnung in Horgen war alles klinisch sauber und rein. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Als Bianca B. ins Spital musste, legte sie die Kleider für die Kinder bereit – für die nächsten Wochen! Damit wollte sie sichergehen, dass sie perfekt angezogen sind. «Wenn bei ihr die Ordnung zusammenbricht, dann ist das schlimm», erklärte Urbaniok ihr Verhalten.
Ausserdem habe Bianca einen instabilen Realitätsbezug. Will heissen: Sie lügt wie gedruckt. So erzähle sie Geschichten so, wie sie diese gerade für sich am Besten zurechtbiegen könne.
«Ihre Wirklichkeitswahrnehmungen können beliebig ausgetauscht werden.» Das zeigte sich auch in der Haft im Bezirksgefängnis Dielsdorf: Als eine Zellennachbarin sich selbst verletzte, ahmte Bianca das nach. Sie ritzte sich leicht an Dekolleté und Oberarm. Zuerst gab sie den Psychiatern an, dass sie dies «wie in Trance» getan hätte. Doch kurze Zeit später musste sie sich entschuldigen: Sie habe den Selbstverletzungsdrang nur gespielt.
Dass Bianca B. stets die Kontrolle über das Geschehen haben musste, wird in einer Episode im Knast deutlich: Sie flirtete mit dem Werkmeister und wollte später ihren Mitinsassen verbieten, mit ihm direkt zu sprechen. Der Kontakt dürfe nur über sie laufen. Urbaniok dazu: «Wenn sie die Kontrolle verliert, hat sie Stress.»
Mit seinen Ausführungen heute Morgen entlastete Frank Urbaniok Franz B. – und belastete Bianca B. dagegen schwer. Sie liess sich aber nichts anmerken. Mit aufgestütztem Kopf hörte sie den Ausführungen des Psychiaters interessiert zu – blieb aber äusserlich ruhig.